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Wir nannten es Arbeit! Was Künst­liche Intelligenz auch für deinen Arbeitsplatz bedeutet

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Suche nach dem neuen Arbeitsalltag

Und dann – doch alle arbeitslos? Marc-Uwe Klings androider Präsidentschaftskandidat hat in seiner Rede eine Lösung für das Automatisierungsproblem parat. Die Entwicklung zurückzudrehen, sagt er, sei weder möglich noch sinnvoll: „Wir müssen stattdessen den Begriff Arbeit neu definieren.“ Er lässt offen, was genau das heißt, an einer anderen Stelle spricht er von einem bedingungslosen Grundeinkommen. Vor allem aber ruft er, die menschengleiche Maschine, den Menschen zu: „Ihr könnt nicht mit uns konkurrieren!“ Und zitiert dann den US-amerikanischen Schriftsteller Kurt Vonnegut: „Maschinen sind Sklaven. Jeder, der mit einem Sklaven konkurriert, wird selbst zum Sklaven.“

Man kann das als etwas wortgewaltigere Version dessen lesen, was die US-amerikanischen Ökonomen Ajay Agrawal, Joshua Gans und Avi Goldfarb schreiben, deren Buch „Prediction Machines: The Simple Economics of Artificial Intelligence“ im April erscheint. Sie verstehen maschinelle und (manche) menschliche Arbeit als Komplementärgüter, also Dinge, die nur zusammen Sinn ergeben. Die ökonomische Regel besagt: Steigt der Wert des einen, steigt auch der Wert des anderen. In einem Artikel schreiben sie: „Wenn sich Machine Learning verbessert, wird der Wert menschlicher Vorhersagekraft sinken, denn maschinelle Vorhersagen sind billiger und besser. Das bedeutet jedoch nicht das Ende menschlicher Arbeitsplätze, wie viele Experten vermuten. Denn der Wert menschlicher Urteilsfähigkeit wird zunehmen.“

Wissenschaftler Buxmann sieht das ähnlich: „Der kreative Teil der Arbeit wird nicht vom Algorithmus stammen“, sagt er. Auch er glaubt zwar, dass die Automatisierung Arbeitsplätze vernichten wird. Allzu pessimistisch ist er dennoch nicht. Er hat sich durch den Berg von Veröffentlichungen und Berechnungen zum Thema gewühlt. Sein Fazit: „Viele Studien machen den Fehler, dass sie davon ausgehen, dass es keine Veränderung bei den Jobprofilen gibt.“

Es gibt für Menschen also trotz aller Automatisierung noch etwas zu tun – es ist vermutlich nur etwas anderes als heute. Neue Jobs werden sich entwickeln, davon sind viele Experten überzeugt. Der Data Scientist, der heute händeringend gesucht wird und doch kein klares Ausbildungsprofil hat, ist da nur der Anfang. Eine Stufe darunter werden sich Firmen überlegen müssen, welche Jobprofile sie heute haben – und welche sie in Zukunft brauchen. „Wer sich gestern als Disponent um die Personalplanung gekümmert hat, könnte morgen schon weiterführende Aufgaben übernehmen“, sagt Randstad-Manager Hewel. Dazu kommt jedoch, dass auch die Arbeitnehmer selbst eine Idee haben müssen, was sie in Zukunft machen wollen. Positiv formuliert: Die KI könnte Chancen schaffen, sich seinen neuen Arbeitsplatz selbst zu schaffen.

Um nicht mit den Maschinen zu konkurrieren, sondern mit ihnen zusammenzuarbeiten, brauchen wir neue Fähigkeiten. Einerseits sind das IT-Kenntnisse. „Wir merken, dass die Steuerberater heute schon Buchhalter mit tiefem IT-Verständnis suchen“, sagt zum Beispiel Candis-Chef Ritosek. Kein einfaches Unterfangen im derzeitigen Arbeitsmarkt: „Das Problem ist, dass dies in den Ausbildungen nicht vermittelt wird. Dafür lernen angehende Buchhalter noch ausgiebigst mit T-Konten zu buchen.“

Unternehmen, die solche Probleme erkannt haben, setzen auf Weiterbildung. Ende vergangenen Jahres kündigte etwa Autobauer Audi eine große Kooperation mit der Online-Universität Udacity an: Eine nicht genannte Zahl an Mitarbeitern soll sich in den kommenden Jahren mit der Plattform in Themen wie künstliche Intelligenz oder Big Data einarbeiten, inklusive Kursen für Kollegen ohne jegliche Grundkenntnisse.

Die viel gelobten Programmierkenntnisse, mit denen mancher IT-Vordenker heute am liebsten schon im Kindergarten beginnen würde, aber sind vermutlich nicht der sichere Schutz vor der watsonbedingten Arbeitslosigkeit. Sie mögen wichtig sein, um den neuen Kollegen KI besser zu verstehen. Doch je weiter die Automatisierung in die Arbeitsalltage vieler Menschen vordringt, desto einfacher wird sich diese auch anwenden lassen. „Ausbildung muss stärker in kreative Bereiche hineingehen“, sagt Wissenschaftler Buxmann. Entscheidungskompetenz wird wichtiger, Problemlösungsfähigkeiten unabdingbar.

Und dann wäre da ja noch etwas, das wirklich nur Menschen können: Nähe, Wärme, Empathie. Parlamind-Gründer Christian Wolf glaubt, sie wird in der Zukunft in einigen Bereichen zum Alleinstellungsmerkmal, für das mehr Zeit bleiben kann – etwa im Bildungswesen, der Pflege oder beim Sporttraining. „Je stärker wir im Alltag von Maschinen umgeben sind, desto mehr werden wir uns nach menschlicher Zuwendung sehnen.“

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