Interview

„Neue und alte Arbeitswelt gehen nicht zusammen!“ – New-Work-Experte Markus Albers

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„Neue und alte Arbeitswelt gehen nicht zusammen!“ – New-Work-Experte Markus Albers. (Foto: t3n.de)

t3n Magazin: Weil es die Menschen zermürbt?

Markus Albers: Genau. Außerdem wird es der Verantwortung für Mitarbeiter nicht gerecht. Hier muss man ansetzen. Wir werden die Zeit ­sicher nicht zurückdrehen und ich will auch die Möglichkeiten, die das flexiblere Arbeiten bietet, nicht mehr missen. Die ­Möglichkeiten, die uns Technologie hier bietet, sind ja erst einmal positiv, weil sie uns ermöglichen, Arbeit zu entfesseln und stärker an die persönlichen und familiären Gegebenheiten anzupassen.

t3n Magazin: Aber wie lässt sich denn dieser Konflikt zwischen alten und neuen Arbeitsmodellen auflösen?

Markus Albers: Es braucht klare Absprachen und Regeln. Kulturtechniken, die wir lernen und über die wir uns verständigen müssen.

t3n Magazin: Und welche Regeln sollen das sein?

Markus Albers: Zum Beispiel müssen die Chefs den Mitarbeitern explizit erlauben, auch einmal nicht erreichbar zu sein. Es hilft auch schon, wenn der Chef die klare Ansage macht, dass er zwar am Wochenende mal etwas herumschickt, an dem er inzwischen gearbeitet hat, aber das heißt ja nicht, dass die Mitarbeiter gleich reagieren müssen. Es muss einfach klar sein, wer wann auf welchen Kanälen wofür erreichbar ist und wann eben auch mal nicht.

t3n Magazin: Du unterscheidest in deinem Buch zwischen der Arbeitsweise eines Managers, also einer Führungskraft, und eines Makers, einer Fachkraft. Was steckt dahinter?

Markus Albers: Maker und Manager haben unterschiedliche Kalender. Der des Managers sieht aus wie ein Flickenteppich aus vielen kleinen bunten Terminen. So kann ein Manager zwar arbeiten, eine Fachkraft aber nicht. Der Manager hat einen zerstückelten Tag mit Meetings, Gesprächen und anderen Terminen zur Entscheidungsfindung bereits vorbereiteter Inhalte, ein mehr fachlich arbeitender Angestellter braucht dagegen längere Phasen ununterbrochener Konzentration, also halbe und ganze Tage. Und zunehmend sind unser aller Kalender so kleinteilig wie bei einem Manager, weil immer mehr Projekte in immer weniger Zeit gepackt werden.

t3n Magazin: Warum sind denn unsere Kalender heute so verdichtet?

Markus Albers: Die Arbeitsverdichtung läuft ja unabhängig und parallel zur technologischen Entwicklung. Insofern hat das eine nicht zwingend etwas mit dem anderen zu tun. Verdichtung geht aber in der Tat besser, wenn man über Tools beispielsweise sieht, wo noch eine Lücke im Kalender ist, die dann früher halt einfach mal existierte und unbeachtet blieb. Heute sucht man ja oft schon über Wochen nach einer kurzen Lücke im Kalendar, in die man ein Meeting legen kann. Da ist der Vorgesetzte oder der Betriebsrat gefordert, für eine maßvolle Arbeitsbelastung zu sorgen.

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