Interview

„Neue und alte Arbeitswelt gehen nicht zusammen!“ – New-Work-Experte Markus Albers

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t3n Magazin: Kann ich selbst auch was dagegen tun?

Markus Albers: Zu Dingen auch mal komplett „Nein“ sagen – wahrscheinlich sollte man als Mitarbeiter sogar zu 80 Prozent der Dinge „Nein“ sagen, um Zeit für die wichtigen Dinge zu haben.

t3n Magazin: Das traut sich aber nicht jeder.

Markus Albers: Das erfordert ganz viel Selbstbewusstsein, richtig. Ich habe permanent eine Liste von rund zwanzig Leuten, die mit mir ohne einen konkreten Anlass mal Mittagessen oder Kaffee trinken wollen. Ich sage da nicht sofort ab, aber ich sage auch nicht einfach zu, weil ich sonst jeden Tag terminlich verplant wäre. Aber auch andere Zeitfresser müssen weg.

t3n Magazin: Zum Beispiel?

Markus Albers: Meetings! Dropbox hat das mal gemacht – die haben alle ­Meetings abgesagt und dann geschaut, welche Meetings man wirklich braucht und was anders zu erledigen ist.

t3n Magazin: Apropos Meetings: Ein großer New-Work-Trend ist ja das Großraumbüro. Eine sinnvolle Entwicklung?

Markus Albers: Man sieht bei vielen Unternehmen, die auf digitale Tools setzen, dass diese zugleich auch neue Büroformen wie Großraumbüros einführen. Und dahinter steckt die Philosophie, dass man durch mehr Kommunikation auch besser arbeitet. Ich bezweifle das.

t3n Magazin: Wieso?

Markus Albers: Es gibt zahlreiche Studien, die zeigen, dass Gruppen oft zu weniger originellen Lösungen und Ergebnissen kommen als der Einzelne. Wir opfern im Interesse der Kollaboration einiges, unter anderem die Konzentration und die Kontemplation. Dass es zum Beispiel in Büros weniger Rückzugsmöglichkeiten gibt als früher, halte ich für eine Fehlentwicklung. Wohl jeder von uns kennt Büros, in denen sich Mitarbeiter mit Kopfhörern abschirmen, um überhaupt noch einmal in Ruhe arbeiten zu können oder Büros, in denen die Kollegen mit einem Telefon am Ohr die Flure entlang- laufen, auf der Suche nach einem ruhigen Plätzchen für ein Telefonat, auf das sie sich konzentrieren müssen. Solche Bürokonzepte sollten hinterfragt werden.

t3n Magazin: Plädierst du etwa dafür, wieder Wände einzuziehen?

Markus Albers: Nein. Aber es würde schon helfen, wenn man das Büro tatsächlich zur Fläche der Zusammenarbeit erklärt – und im Gegenzug als Mitarbeiter auch wieder raus darf oder nur einzelne Tage dort arbeitet, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.

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