Marketing

Podcaster Tim Pritlove: „Facebook ist das AOL des 21. Jahrhunderts“

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t3n Magazin: Eine kürzlich aufgenommene Folge von mobileMacs hieß „Peak Apple“. Haben Sie das Gefühl, dass Apple seinen Peak erreicht oder sogar überschritten hat?

Tim Pritlove: mobileMacs ist Infotainment. Wir kommentieren das Geschehen humorvoll und geben etwas überzogene Meinungen von uns. Dennoch: Ich glaube nicht, dass Apple morgen anfängt, zusammenzubrechen. Sie sind jetzt auf jeden Fall in gewisser Hinsicht an einem Punkt angekommen, den man vor langer Zeit so nicht für möglich gehalten hat. Früher hätten sie einfach viele Dinge nicht tun können, und jetzt haben sie auf einmal eine Macht in der Hand, die enorm ist. Und es stellt sich einfach die Frage: Wohin soll es gehen? Ist die Einfachheit der Bedienung und die Abschottung in das eigene Ökosystem die einzige Option? Oder gibt es nicht auch eine Verpflichtung, das System möglichst offen zu halten? Apple ist an einem Punkt angekommen, an dem sich entscheidet, welche Richtung das Unternehmen einschlagen wird. Es fällt mehr oder weniger zufällig mit dem Tod von Steve Jobs zusammen. Apple muss sich jetzt neu denken und erfinden und den Anspruch von Jobs, positiv in die Gesellschaft zu wirken, neu definieren.

t3n Magazin: Nicht nur von Apple hört man das Schlagwort der Post-PC-Ära. Wie schätzen Sie diesen Begriff ein? Ist das nur Marketing oder steckt da ein grundlegender Veränderungsprozess in der Nutzung von Computern hinter?

Tim Pritlove: Also wenn das nur Marketing wäre, hätte Apple damit nicht so einen Erfolg. Der alte Vergleich, dass der PC eher der Lastwagen ist und die anderen Geräte die Sportwagen sind, passt im Grunde ganz gut. Wir erleben jetzt eine Welt, die sich in gewisser Hinsicht abgezeichnet hat. Es war nicht immer ganz klar, wann die Hardware soweit sein würde und jemand dann in der Lage wäre, das Ganze auch wirklich in ein Produkt zu gießen. Das ist Apple einfach gelungen. Und auch die neue App-Welt ist einfach nur konsequent. Das Internet ist eben mehr als nur das Web, in dem man in einer „zusammengehäkelten“ Oberfläche etwas auf vorgefertigten „Controls“ rumklickt. Eine richtig schöne ausgereifte Computing-Experience, wie beispielsweise in Games, sieht einfach anders aus. Dieses Netz der Applikationen ist eine zweite Komponente dieser Bewegung, die sich von dem klassischen PC mit der Tastatur trennt: „Post-PC is happening“. Da stimme ich voll mit Apple überein.

t3n Magazin: Sie sind im Rahmen ihrer Podcast-Tätigkeit viel unterwegs. Wie lässt sich das mit Ihrem Privatleben vereinbaren?

Tim Pritlove: Eigentlich gut. Ich bin ja nicht nur unterwegs. Es gibt Phasen, in denen ich mehr reise als sonst. Deshalb macht es vielleicht den Eindruck, als ob ich nur unterwegs wäre. Ich kann meine Zeit relativ frei einteilen. Zwar gilt es auch, Termine wahrzunehmen, aber wenn es erforderlich ist, bei kranken Kindern zu bleiben, dann ist das für mich möglich. Das ist der Vorteil des selbstständigen Arbeitens.

t3n Magazin: Wie ist ihr Verhältnis zu klassischen Medien wie Fernsehen, Radio oder Büchern?

Tim Pritlove: Ich bin keine Leseratte. Fernsehen finde ich furchtbar, Radio stellenweise interessant, wobei ich sehr eigen bin und nur Talkradio höre. Beim Medienkonsum möchte ich einfach was lernen. Manchmal kann es auch Unterhaltung sein, aber als Unterhaltungsquelle taugt Fernsehen selten. Mit Fernsehen meine ich nicht das Medium an sich, sondern das, was wir in klassischen Fernsehkanälen erleben, was nichts anderes ist als Werbe-Rahmenprogramm.

t3n Magazin: Welche Podcasts hören Sie selbst?

Tim Pritlove: Ich höre die Arbeit befreundeter Podcaster mehr oder weniger regelmäßig, beispielsweise „Medienradio“ oder „Fanboys“. Vor allem versuche ich aber auch immer wieder, in viele neue Sachen reinzuhören. Jede Woche versuche ich eigentlich, etwas zu hören, was ich vorher noch nicht kannte. Es interessiert mich, wie andere Leute arbeiten und was für Formate sie entwickeln.

t3n Magazin: Hören Sie auch Ihre eigenen Podcasts?

Tim Pritlove: Gelegentlich. Ich höre meine Interviewpodcasts vor der Veröffentlichung sowieso alle nochmal durch. CRE ist ja ein Format, bei dem ich versuche, selber zu lernen und die Anderen dürfen mit dabei sein, wenn mir etwas erklärt wird. Da man sich ja nie immer alles merken kann, höre ich tatsächlich in alte Sendungen nochmal rein, um mir ein Thema nochmals zu vergegenwärtigen und überprüfe mich auf diese Weise auch selbst. Und manchmal sind Sendungen auch einfach lustig. Wenn ich über meine eigenen Sendungen lachen kann, dann ist das eigentlich der größte Erfolg.

t3n Magazin: Und was macht Tim Pritlove, wenn er das Mikrofon ausschaltet?

Tim Pritlove: Dann denke ich über die nächste Sendung nach.

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