How-To

Progressive-Web-Apps: Aufgeschobene Revolution

(Abbildung: Shutterstock / Siberian Art)

Obgleich schon oft als App-Modell der Zukunft gefeiert, bleibt die Verbreitung von Progressive-­Web-Apps hinter den Erwartungen zurück. Was tun mit dem angebrochenen Hype?

Sie galten als das nächste große Ding für den siechenden ­App-Markt. Progressive-Web-Apps (PWA) sollten das Beste aus Web-Anwendung und nativer App vereinen: schnell, offline nutzbar, immer aktuell, auf offenen Standards laufend, günstig in der Entwicklung und ohne App-Store zum Anwender ­gelangend.

Jason Wong, IT-Analyst bei Gartner, gab im März 2017 die ­Prognose ab, dass 2020 die Hälfte aller mobilen Apps durch Progressive-­Web-Apps ersetzt sein würden. Anwendungsleiter der mobilen App-Strategie eines Unternehmens müssten entscheiden, wann – nicht ob – sie PWA als Teil ihrer ­gesamten ­mobilen Entwicklungsstrategie berücksichtigen müssten. Die Aussage war klar: PWA seien die Zukunft, native Apps ­würden verdrängt werden. Aber die Wirklichkeit zeigte sich von dieser ­Prophezeiung unbeeindruckt. Zwar platzieren sich immer mehr PWA auf dem Markt, die große Welle ist jedoch bislang ausge­blieben. Bleibt der Siegeszug der schlanken modernen Apps auf halber Strecke stecken?

PWA dürfen noch nicht überall laufen

Teil des Problems ist, dass manche Unternehmen Progressive-­Web-Apps immer noch als neue, nicht ganz etablierte ­Technologie ansehen, obwohl sie schon 2015 auf die Bühne trat. Die ­Vorzüge haben sich zu wenig herumgesprochen. Gerade, wer bereits eine gut laufende native App und vielleicht eine hinreichend ­funktionierende Web-App im Portfolio hat, sieht nicht die Notwendigkeit für eine weitere App. Das eigene Developer-Team ­verfügt bereits über viele native App-Entwickler – deren ­Kompetenz will man nutzen, nicht vergeuden.

Hinzu kommt, dass das Hohelied auf die Plattform­unabhängigkeit der PWA nicht so sauber angestimmt werden kann, wie versprochen: Ja, PWA bedienen sich offener Web-­Technologien, bieten Abwärtskompatibilität und laufen ­überall dort, wo auch Browser laufen können. Aber gerade Apples ­Betriebssysteme liegen bei der Einbindung von PWA zurück. Kein Wunder, denn Apple sperrt sich gegen Anwendungen, die nicht aus dem eigenen Store kommen. Erst seit Anfang 2018 unterstützt iOS mit Version 11.3 grundlegende Funktionen der ­Technologie, mit dem Update auf Version 12.2 kamen weitere dazu. Noch sind allerdings nach wie vor keine Push-­Benachrichtigungen oder Back­ground-Synchronisationen möglich. Der Cache der PWA wird seit Version 12.2 aber beispielsweise nicht mehr gelöscht, was eine Offlinenutzung generell möglich macht.

Links: Die Ladezeit der Progressive-­Web-App von Twitter ist häufig länger als die der nativen App (rechts). Überhaupt lohnt es sich kaum, viel genutzte Dienste als PWA aufzurufen. (Screenshot: Twitter)

Links: Die Ladezeit der Progressive-­Web-App von Twitter ist häufig länger als die der nativen App (rechts). Überhaupt lohnt es sich kaum, viel genutzte Dienste als PWA aufzurufen. (Screenshot: Twitter)

Auf der anderen Seite können sich Unternehmen ­ausrechnen, dass die Erstellung nativer Apps künftig möglicherweise ­günstiger wird. Frameworks wie Googles Flutter oder Xamarin versprechen die Entwicklung nativer Cross-Plattform-Apps, die ganz nach den Anforderungen der Zielplattform gestaltet werden. Multiple Entwicklungskosten ade: Die Versionen für Android, iOS, Fuchsia, Web und Desktop werden dann in einem Aufwasch erledigt.

Dass PWA die App-Stores von Google, Apple und Microsoft umgehen können, wird auch nicht so einstimmig gefeiert, wie es oft wirkt. Die Nutzer sind es gewohnt, ihre Apps im Store herunter­laden zu können. Darum sind App-Stores für viele Entwickler und Unternehmen ein guter Vertriebskanal. Die Apps können hier mit Screenshots und Beschreibungstexten präsentiert und als kostenpflichtiges Produkt verkauft werden. Eine Progressive-Web-App ließ sich dort bislang nicht finden. Bei Suchmaschinen wie Google hingegen geht eine PWA schnell zwischen zahlreichen Suchergebnissen unter.

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Ein Kommentar
borisch

Ich liebäugle seit Ewigkeiten mit PWAs, leider scheitert es daran, dass sich Apple wie üblich neuen Technologien sperrt. Aber das ist man ja mittlerweile gewohnt.

Apple ist der Internet Explorer unter den Tech-Unternehmen auf Kokain. Prahlt großbrüstig herum, dahinter steckt aber nichts. Deren „Innovationen“ waren auch nur Kopien anderer.

Antworten

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