Ratgeber

Rechtsservices für Onlinehändler im Überblick

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Da es aber noch eine Vielzahl von Fällen gibt, die durch ­einen solchen Service nicht abgedeckt sind, sollten Onlinehändler über gesonderte Haftpflicht- und Rechtsschutzversicherungen nachdenken. Diese können beispielsweise auch für eine Vielzahl von Schäden haften, die nichts mit den Rechtstexten zu tun haben oder für hieraus entstehende Haftungsfragen. Neben Spezial­versicherungsanbietern für Haftpflicht wie Exali (exali.de) ­können hier auch Versicherungsmakler, die auf Angebote mehrerer Versicherungen Zugriff haben, das passende Angebot recherchieren, was angesichts sehr unterschiedlicher Risiken im Onlinehandel (abhängig von Warengruppe, agierenden Märkten, Branche und Kundenstruktur) sinnvoll sein kann.

Unterstützung beim Inkasso und ­weitere Besonderheiten

Ausbleibende Zahlungen und das Mahnwesen sind für ­Händler immer noch ein nicht zu unterschätzendes Risiko. Einige der Rechtsservices bieten hier entsprechende Unterstützung: So unterstützen sowohl der Händlerbund als auch Janolaw und die IT-Recht-Kanzlei die Händler beim Eintreiben offener ­Forderungen. Letztere betont, man werde schon bei kleinsten Forderungen ­tätig und könne auch internationales Inkasso betreiben. Auch der Händlerbund erklärt, offene Forderungen in unbegrenzter Fallzahl gerichtlich und außergerichtlich einzutreiben.

Eine Besonderheit beim Händlerbund ist die Unterstützung in weiteren Bereichen. So werden etwa beim Onlinemarketing Sonder­konditionen gewährt. Im größten Paket ist zudem ein Baustein für arbeitsrechtliche Belange enthalten – für Shopbetreiber, die Mitarbeiter beschäftigen, durchaus relevant. Der Service hilft dem Händler nicht nur, wenn es zum Streit mit einem ­Mitarbeiter kommt, sondern auch beim ­Verfassen rechtssicherer Arbeits­verträge und korrekter Zeugnisse. Eine ­Besonderheit, die gerade für Private-Label-­Anbieter interessant sein kann, ist der Markenschutz, den die IT-Recht-Kanzlei bietet: In allen Paketen werden bestehende Markenfristen überwacht, im teuersten Paket auch die Anmeldung bestimmter Marken. Aktive Markenüberwachung gegenüber Dritten erfolgt optional gegen Aufpreis.

Rechtsservices für Onlinehändler

E-Recht 24
Generatoren für Impressum, Datenschutz und Disclaimer, ­außerdem ein umfangreiches Angebot an Videoschulungen, Webinaren, Mustertexten und Checklisten.
• 39,90 Euro monatlich oder 238,80 Euro im Jahr
• e-recht24.de/mitglieder

Händlerbund
Umfangreiches Angebot an internationalen Rechtstexten für Shops, Rechtsberatung und Hilfe bei Abmahnungen sowie Shopprüfungen, Forderungsmanagement und arbeitsrechtliche Unterstützung.
• 9,90 bis 39,90 Euro pro Monat, drei Monate kostenlos
• haendlerbund.de

IT-Recht-Kanzlei
Abgesicherte Rechtstexte (AGB, Widerruf, Datenschutz, ­Disclaimer), DSGVO-Schutzpaket, Rechtsberatung und ­Unterstützung bei Abmahnungen, Unterstützung bei ­Problemen mit Kundenbewertungen, Markenschutz.
• 9,90 bis 39,90 Euro pro Monat, zwei Monate kostenlos
• it-recht-kanzlei.de

Janolaw
Umfassender Rechtsdienstleister für den E-Commerce, Vorlagen und Dienstleistungen zu anderen Rechtsgebieten. Zahlreiche AGB sowie Shopsiegel mit dem EHI Retail Institute. Telefonische Beratung, vorgerichtliche Inkassounterstützung.
• 9,90 bis 59,90 Euro pro Monat
• janolaw.de

Protected Shops
Individuelle Rechtstexte und Update-Flatrate im Bezugs­zeitraum. Im Premiumpaket außerdem Rechtsschutz der
Arag und DSGVO-Assistent. Preise richten sich nach Zahl der Shops beziehungsweise Marktplätze.
• 9,90 bis 48,90 Euro pro Monat
• protectedshops.de

Trusted Shops
Umfangreiches Angebot an Rechtstexten für einzelne ­europäische Länder, DSGVO-Compliance, anwaltliche Vertretung und Rechtsberatung, detaillierte Shopanalyse und Rechts­beratung bei speziellen Warengruppen und -themen.
• 24,90 bis 149,90 Euro monatlich, reduzierte Preise
für Mitglieder, Mitgliedsbeitrag ab 60 Euro
• business.trustedshops.de

Apropos Aufpreis: Ein weiterer Service, der beispielsweise beim Händlerbund, bei IT-Recht-Kanzlei oder bei Trusted Shops hinzugebucht werden kann, ist das Stellen eines Jugendschutzbeauftragten. Hierzu sind Händler verpflichtet, die potenziell entwicklungsbeeinträchtigende oder jugendgefährdende ­Inhalte, etwa bestimmte Medien oder Computerspiele, bereitstellen. Auch für Betreiber von Community-Bereichen oder Foren besteht ­diese Verpflichtung. Teuer ist das Stellen eines Jugendschutz­beauftragten meist nicht: 8,90 beziehungsweise 9,99 Euro ­monatlich werden hierfür etwa beim Händlerbund oder der IT-Recht-Kanzlei fällig, wenn es sich nur um einen einfachen Shop oder eine Unternehmens-Website handelt.

Beim Angebot von E-Recht 24 ist der Schwerpunkt der Dienstleistung übrigens etwas anders gelagert als bei den meisten anderen Diensten in unserem Vergleich: Gerade die Webinare und Videotrainings können E-Commerce-Neulingen wertvolles rechtliches Grundwissen vermitteln und bei etablierten ­Händlern für ein Wissens­update zu aktuellen Entwicklungen und Abmahnwellen sorgen.

Besser nicht am falschen Ende sparen

Welches Angebot bietet nun am meisten fürs Geld? Welcher ­Anbieter hilft im Ernstfall am kompetentesten? Das, um ein ­beliebtes Bonmot vieler Anwälte zu zitieren, „kommt darauf an“: auf den Einzelfall, die Größe des Shops und die Vorkenntnisse des Händlers. Nahezu alle Anbieter fassen ihre Pakete unterschiedlich zusammen. Es ist daher ratsam, sich auf der jeweiligen ­Website die Leistungen im Detail anzuschauen.

Wem es vor allem um umfassende AGB- und Rechts­texte­unterstützung geht, der fährt mit der IT-Recht-Kanzlei gut. Braucht ein Händler lediglich Know-how und einen Generator für die Rechtstexte, bieten sich auch E-Recht 24 oder Janolaw an. Bei Protected Shops ist die Kooperation mit der Arag-­Versicherung hervorzuheben, die für einen Großteil der Themen, die einen Händler betreffen können, Rechtsschutz liefert. Wer dagegen auf Arbeitsrecht und zusätzliche Tiefenprüfung seines Shops angewiesen ist, für den könnte das Angebot des Händlerbundes in der Unlimited-Variante interessant sein. Händler, die ohnehin Mitglieder bei Trusted Shops sind, sollten sich vor allem deren umfangreiches Angebot rund um den Abmahnschutz ansehen, auch wenn die Preise hier auf den ersten Blick vergleichsweise hoch erscheinen.

Sicher ist aber, dass gerade auch kleinere Shops und weniger erfahrene E-Commerce-Anbieter nicht ohne eine entsprechende Absicherung ihr Geschäft führen sollten. Denn ein einzelner Fall, selbst wenn er sich nur in einer Abmahnung niederschlägt, und es gar nicht zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung kommt, kostet neben Nerven meist den Betrag mehrerer Beitragsjahre zumindest der günstigeren Dienste.

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