Karriere

Plädoyer für die Selbstständigkeit: Just do it!

Seite 2 / 3

Neue Finanzierungs- und Marketingmöglichkeiten

Über die Plattform smava kommen Gründungswillige an zum Teil günstige Privatkredite.

Aber der Siegeszug des Internets hat noch einen weiteren Punkt entscheidend verändert: den der Finanzierung. Denn plötzlich gesellen sich zu den klassischen Finanzierungsformen neue Möglichkeiten, die bisher undenkbar waren. Wer eine Idee hat, die auch andere Menschen begeistert, hat gute Chancen, sie über Crowdfunding- oder Crowdinvesting-Plattformen finanzieren zu lassen. Das Schöne daran: Die Menge entscheidet, was wert ist, finanziert zu werden, nicht mehr nur risikoscheue Investoren! Auch wer als Selbstständiger keinen günstigen Bankkredit bekommt, wovon viele ein Lied singen können, erhält über Plattformen wie smava neue Möglichkeiten. Dort bieten Menschen Privatkredite zu günstigen Konditionen an, mit denen schon viele ihren Traum von der Selbstständigkeit in die Tat umgesetzt haben (mehr dazu im Artikel ab Seite 74).

Ein weiterer Punkt, der durch die aktuellen Entwicklungen entscheidend erleichtert wurde, ist das Thema Werbung und Marketing. Zumindest in finanzieller Hinsicht. Startups können heute mit vergleichsweise überschaubaren Mitteln Aufmerksamkeit und Reichweite generieren. Klar, Kreativität und echte Auseinandersetzung mit den sozialen Medien gehören auch dazu, was wiederum Zeit, Know-how und Geld erfordert. Trotzdem muss heute keiner mehr über teure Print-, Hörfunk- oder TV-Kampagnen ins Gespräch kommen. Wer Google Adwords nutzt und eine dauerhaft gute Social-Media-Kampagne fährt, macht schon vieles richtig.

Die Frage nach der Sicherheit

Und wie sieht es mit der allseits gelobten Sicherheit eines Anstellungsverhältnisses aus? Alexander Artopé hat als Geschäftsführer der Privatkreditplattform smava täglich mit Menschen zu tun, die aus ihrem Liebhaberprojekt eine Selbstständigkeit aufbauen wollen. Einen Grund für den aktuellen Gründerboom sieht er darin, dass sich Angestellte selbst bei einem Konzern wie Eon nicht mehr sicher fühlen, sondern innerhalb von zwölf Monaten gekündigt werden können, wie er gegenüber brand eins verrät [3]. Diese gesamtgesellschaftliche Verunsicherung, die sich auch in anderen Bereichen zeige, führe in Kombination mit der neuen Technik zu einem wachsenden Gründergeist.

An den neuen technischen Möglichkeiten schätzt Artopé vor allem die gewachsene Selbstbestimmung: „Die neuen Techniken haben in der Summe dazu geführt, dass eine einzelne Person in Geschwindigkeit und Effizienz Prozesse wie in einem größeren Unternehmen steuern kann. Nehmen Sie nur all die Korrespondenz, die früher ein Sekretariat erledigte.“ Die neue Technik führt auch dazu, dass viele Selbstständigkeiten heute sehr viel kostengünstiger – und damit risikoärmer – aufzubauen sind, als es früher der Fall war. So profitieren Entwickler davon, dass Soft- und Hardware heute um eine vielfaches günstiger sind als noch vor zehn oder zwanzig Jahren. Auch wer keinen lokalen Standort mehr braucht, spart immense Kosten ein.

Selbstständigkeit gleich Kümmerexistenz?

Eine Frage bleibt natürlich noch: die nach dem Geld. Lohnt sich die Selbstständigkeit auch finanziell? Einer der Hauptgründe, warum das Umfeld häufig mit Unverständnis reagiert, wenn der feste Job gegen die Selbstständigkeit eingetauscht wird, ist – neben der Sicherheit – das Geld. Von der konsumverwöhnten Businessfrau zurück auf Studentenniveau? Klar, so kann es natürlich laufen.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat verschiedene Daten des „Mikrokosmos“, der jedes Jahr durch das Statistische Bundesamt erhoben wird, analysiert und festgestellt: 27 Prozent der rund 4,3 Millionen Selbstständigen in Deutschland haben ein monatliches Nettoeinkommen von weniger als 1.100 Euro. Jedoch liege die Anzahl der Geringverdiener bei den Angestellten noch um etliche Prozent höher, nämlich bei 34 Prozent. Und während es immerhin 37 Prozent der Selbstständigen auf ein Nettoeinkommen von mehr als 2.300 Euro bringen, sind es auf Seiten der abhängig Beschäftigten nur 17 Prozent.

Vielen Gründern gelinge es sogar, mit der Selbstständigkeit ihre Einkommenssituation zu verbessern, ist DIW-Experte Alexander Kritikos überzeugt. Bereits nach drei Jahren hätten 38 Prozent der Gründer ein höheres Einkommen als zuvor in abhängiger Beschäftigung, nur 17 Prozent müssten mit einem geringeren Einkommen Vorlieb nehmen. Vor allem für abhängig Beschäftigte mit einem relativ niedrigen Einkommen könne die Selbstständigkeit eine gute Möglichkeit sein, ihre finanzielle Situation zu verbessern. „Es gibt auch unter den Selbstständigen Geringverdiener, doch dies ist nicht unbedingt eine Folge der Entscheidung für die Selbstständigkeit. Dieses Problem dürfte eher mit bestimmten Branchen zusammenhängen oder ist auf einen niedrigen Ausbildungsabschluss zurückzuführen“, so Kritikos.

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

6 Kommentare
Christoph
Christoph

Interessanter Artikel.
Mich würde interessieren was bei der Einkommenstatisik bei Selbstständigen „netto“ bedeutet.
Abzüglich Krankenkassen und Altersvorsorge?
VG
Christoph

Antworten
Gründercoach

Ein sehr gelungenes Plädoyer für dei Selbstständigkeit. Mit allen seinen Möglichkeiten und Facetten einer Gründung.

Antworten
Graham Horton

Vielen Dank für diesen Artikel!

Wer sich eine solche Zukunft vorstellen kann, findet an der Universität Magdeburg ein passendes Studienangebot: http://www.cs.uni-magdeburg.de/Studium/Profilstudium/Web_Gründer.html

Antworten
Frank Mohnhaupt
Frank Mohnhaupt

Ein besonderer Aspekt wäre auch das man ab einem bestimmten Alter in verschiedenen Berufsgruppen sehr schwer oder gar keine reguläre Anstellung mehr findet. Die Selbstständigkeit ist also der letzte Ausweg vor einer Arbeitslosigkeit. Leider wird man in dem Fall das man es erst im Nebengewerbe versuchen möchte kaum von Ämtern unterstützt. Lehrgänge in Buchhaltung oder Steuerwesen, usw. wären hilfreich. Diese Hilfen stehen leider nur zur Verfügung wagt man den Schritt in eine volle Selbstständigkeit. Da könnte man in den Regelungen nachbessern…Denn der Sprung ins kalte Wasser liegt nicht jedem. :-)

Antworten
ralf

wirklich sehr interessanter Artikel. Eine Sache, die ich persönlich nicht vergleichen würde – wird hier versucht. Als Selbstständiger habe ich nicht die Gewissheit, dass ich am 1ten *neues* Geld auf meinem Konto habe.

@WebdesignStuttgart

Selbständigkeit ist sicherlich kein Ausweg aus der Arbeitslosigkeit. Wenn ich keinen Job finde – soll ich plötzlich Aufträge finden – Welche Logik? Wo sollen diese Aufträge den herkommen?
Wenn ich für den Arbeitsmarkt zu „ALT“ bin – soll ich dann plötzlich für Kunden „Jung“ sein?
Dies funktioniert nicht – in meinem Alter erreiche ich eine bestimmte Zielgruppe halt nicht mehr… auch als Selbstständiger nicht.
Aus der Arbeitslosigkeit – bei der Kürzung und Rückgang bei Gründerzuschüssen – ist dies meiner Meinung nach keine gute Idee.

Des weiteren wird hier irgendwie auch die rechtlichen Probleme nicht berücksichtigt. Bei kleinsten Fehlern bekommt der Selbstständige doch eine Abmahnung. Darf sich mit nicht zahlenden Kunden vor Gericht treffen und lernt wilde Geschichten kennen. Und seine Dienstleistung wird von Google per se nicht angezeigt, weil andere schon längst den Markt beherrschen. Wo soll der Gründer aus der Arbeitslosigkeit ernsthaft Aufträge erhalten.

Antworten

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.