Karriere

Plädoyer für die Selbstständigkeit: Just do it!

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Allerdings: Zeichnet diese Analyse wirklich ein realistisches Bild? Leider wird in der Studie nicht definiert, was unter „netto“ zu verstehen ist. Denn dass „netto“ bei Angestellten nicht gleich „netto“ bei Selbstständigen ist, weiß jeder, der den Sprung bereits gewagt hat. Im Bereich der Selbstständigkeit ist „netto“ eben ein recht dehnbarer Begriff: Inwieweit werden Faktoren wie Renten-, Kranken- und Berufsunfähigkeitsversicherung mit eingerechnet? Nicht miteinbezogen sind vermutlich auch fehlendes Urlaubsgehalt, dreizehntes Monatsgehalt sowie die Kosten für Home Office und andere finanzielle Mehrbelastungen. Auch von der Schwierigkeit, als Selbstständiger Kredite zu vernünftigen Konditionen zu bekommen, weiß die Studie selbstverständlich nichts – leider sind all dies Aspekte, die die Kosten für Selbstständige in die Höhe treiben und einen direkten Netto-Gehaltsvergleich mit Angestellten schwierig machen.

PaperC: ein echtes Startup „made (and invented) in Germany“.
PaperC: ein echtes Startup „made (and invented) in Germany“.

Der Nutzen? Leidenschaft!

Wie dem auch sei: In einem Land, in dem es selten ums nackte Überleben geht, spielen meist wesentlich mehr Faktoren eine Rolle als die Frage nach dem Geld. An erster Stelle ist dies sicherlich der Wunsch nach mehr Selbstbestimmung, Flexibilität und Freiräumen. Auch die Verwirklichung eigener Ideen und Träume ist ein wesentlicher Grund, warum Menschen in den Industrienationen die Selbstständigkeit wählen. Für viele Menschen sind Gründe wie diese nicht mit einem höheren Gehalt oder mehr Sicherheit aufzuwiegen. Denn hier geht es eindeutig um Lebensqualität, für die der Beruf bekanntlich eine entscheidende Rolle spielt.

Alexander Artopé ist vor allem deshalb Gründer, weil Arbeit für ihn nicht nur ein Job ist, sondern er das tun will, wofür sein Herz schlägt. Manche mahnen hier eine gefährliche Verschiebung der Prioritäten und Lebensinhalte an. Trotzdem ist es genau das, was viele zur Selbstständigkeit drängt: „Ich wäre kreuzunglücklich, wäre Arbeit für mich nur ein Job. Ich tue ja gerade das, was meine Leidenschaft ist. Ich glaube fest an den freien Willen und dass jeder Mensch in der Lage ist – im Rahmen seiner Möglichkeiten – aus seinem Leben das zu machen, was er möchte.“ [3]

Selbstständigkeit geht auch im Nebenerwerb

Das alles klingt zu optimistisch? Immerhin rät Artopé potenziellen Gründern dazu, nicht unbedingt gleich alles hinzuwerfen, sondern die Selbstständigkeit zunächst im „Kleinen“ auszuprobieren, zum Beispiel als Nebentätigkeit. Und Hochschulabgänger sollten am besten zunächst in einem anderen Startup anheuern, wo sie praktisch austesten können, ob ihnen die Selbstständigkeit liegt.

Diese Einschätzung entspricht der Realität, denn nach wie vor machen sich mehr Menschen nebenberuflich selbstständig als vollberuflich. Der Gründungsmonitor 2011 spricht davon, dass 58 Prozent aller Gründungen auf nebenberufliche Tätigkeiten entfallen (2010). Unter bestimmten Voraussetzungen ist es durchaus sinnvoll – zum Beispiel dann, wenn der Job an sich gut ist, man sich aber beruflich noch nicht ausgelastet fühlt. Oder testen will, ob das Hobby wirklich zum Broterwerb taugt. Oder um herauszufinden, wie sehr einen das eigene Chefsein packt oder ob man nicht doch lieber die Vorzüge der Angestellten genießt (siehe auch Plädoyers auf Seite 60/62). Auch wer sich in einer unsicheren Jobposition befindet, kann sich mit einer nebenberuflichen Selbstständigkeit schon mal ein zweites Standbein aufbauen.

Ob nebenberuflich oder nicht: Sich selbstständig zu machen ist und bleibt ein ganz besonderes Unterfangen, dem man nicht allein mit rationalen Argumenten begegnen kann. Denn der beachtlichen Zeit- und Arbeitsbelastung und den fehlenden Sicherheiten stehen meist eben auch besonders viel Freude und Sinnhaftigkeit im eigenen Tun gegenüber – Dinge, die mit Geld und Sicherheit schwer aufzuwiegen sind. Deshalb: Just do it!

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6 Kommentare
Christoph
Christoph

Interessanter Artikel.
Mich würde interessieren was bei der Einkommenstatisik bei Selbstständigen „netto“ bedeutet.
Abzüglich Krankenkassen und Altersvorsorge?
VG
Christoph

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Gründercoach

Ein sehr gelungenes Plädoyer für dei Selbstständigkeit. Mit allen seinen Möglichkeiten und Facetten einer Gründung.

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Graham Horton

Vielen Dank für diesen Artikel!

Wer sich eine solche Zukunft vorstellen kann, findet an der Universität Magdeburg ein passendes Studienangebot: http://www.cs.uni-magdeburg.de/Studium/Profilstudium/Web_Gründer.html

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Frank Mohnhaupt
Frank Mohnhaupt

Ein besonderer Aspekt wäre auch das man ab einem bestimmten Alter in verschiedenen Berufsgruppen sehr schwer oder gar keine reguläre Anstellung mehr findet. Die Selbstständigkeit ist also der letzte Ausweg vor einer Arbeitslosigkeit. Leider wird man in dem Fall das man es erst im Nebengewerbe versuchen möchte kaum von Ämtern unterstützt. Lehrgänge in Buchhaltung oder Steuerwesen, usw. wären hilfreich. Diese Hilfen stehen leider nur zur Verfügung wagt man den Schritt in eine volle Selbstständigkeit. Da könnte man in den Regelungen nachbessern…Denn der Sprung ins kalte Wasser liegt nicht jedem. :-)

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ralf

wirklich sehr interessanter Artikel. Eine Sache, die ich persönlich nicht vergleichen würde – wird hier versucht. Als Selbstständiger habe ich nicht die Gewissheit, dass ich am 1ten *neues* Geld auf meinem Konto habe.

@WebdesignStuttgart

Selbständigkeit ist sicherlich kein Ausweg aus der Arbeitslosigkeit. Wenn ich keinen Job finde – soll ich plötzlich Aufträge finden – Welche Logik? Wo sollen diese Aufträge den herkommen?
Wenn ich für den Arbeitsmarkt zu „ALT“ bin – soll ich dann plötzlich für Kunden „Jung“ sein?
Dies funktioniert nicht – in meinem Alter erreiche ich eine bestimmte Zielgruppe halt nicht mehr… auch als Selbstständiger nicht.
Aus der Arbeitslosigkeit – bei der Kürzung und Rückgang bei Gründerzuschüssen – ist dies meiner Meinung nach keine gute Idee.

Des weiteren wird hier irgendwie auch die rechtlichen Probleme nicht berücksichtigt. Bei kleinsten Fehlern bekommt der Selbstständige doch eine Abmahnung. Darf sich mit nicht zahlenden Kunden vor Gericht treffen und lernt wilde Geschichten kennen. Und seine Dienstleistung wird von Google per se nicht angezeigt, weil andere schon längst den Markt beherrschen. Wo soll der Gründer aus der Arbeitslosigkeit ernsthaft Aufträge erhalten.

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