Reportage

Die neuen Social-Media-Stars und was Unternehmen von ihnen lernen können: Plötzlich berühmt

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Das Unter-sich-sein-Gefühl

Den Umgang auf den neuen Plattformen empfinden viele Nutzer als deutlich persönlicher als etwa bei Facebook. Denn das ehemals als studentisches Netzwerk gegründete Portal gehört schon längst nicht mehr nur privaten Nutzern, sondern ist zur bis ins letzte Detail perfektionierten Werbeplattform für Unternehmen geworden. So können Firmen ihre Anzeigen dort genau auf bestimmte Zielgruppen abstimmen und sich von einem digitalen „Werbeanzeigenmanager“ anzeigen lassen, wie effizient ihre Werbung ist. Und auch bei Twitter zählt Präsentieren inzwischen mehr als die Kommunikation: „Vier weitere Jahre“, twitterte etwa US-Präsident Barack Obama nach seiner Wiederwahl 2012. Ein Tweet, der mehr als 800.000 Mal weiterverbreitet wurde. Die neuen sozialen Plattformen dagegen gehören bisher noch weitgehend ganz normalen Nutzern, die alltägliche Szenen aus ihrem Alltag mit Freunden teilen. Die Sprache ist lockerer, selbst ein schmutziger Joke mal erlaubt: Man ist schließlich gefühlt unter sich.

Genau darin liegt allerdings auch die Herausforderung für Unternehmen, die die neuen Plattformen für sich nutzen wollen, sagt Caspar Tajbakhsh. „Einfach Inhalte von Facebook zu übertragen, funktioniert nicht“, so der Experte. Bei Snapchat oder Musical.ly gehe es vor allem um eines: Authentizität. Die Stars posten das, was sie bewegt – und sie interessieren sich für die Antworten ihrer Follower. Für Pamela Reif etwa gehört es zur abendlichen Routine, Kommentare unter ihren Posts zu beantworten – auch wenn das locker eine halbe Stunde dauern kann. „Es ist sehr wichtig, dass man für seine Follower auch erreichbar ist“, sagt Reif. Allerdings: Gerade bei Instagram droht die Authentizität schon in Teilen verloren zu gehen. Denn je mehr Firmen ihren eigenen Account starten, je mehr Werbung in dem Netzwerk geschaltet wird und je mehr die Influencer ihre Posts nicht als Hobby, sondern als Beruf verstehen, desto mehr verschwindet auch das Gefühl von Authentizität. Auch Pamela Reifs Bilder sind heute so professionell, dass sie manchmal unnahbar wirken. Dem Das-könnte-ich-auch-sein-Gefühl vieler Nutzer könnte das auf die Dauer schaden.

Die Zwillinge Lena und Lisa haben ihre Karriere mit ihren Choreografien auf der App Musical.ly gestartet. Heute vermarkten sie ihre eigene Mode und sind auch auf Instagram echte Stars. Die Zwillinge Lena und Lisa haben ihre Karriere mit ihren Choreografien auf der App Musical.ly gestartet. Heute vermarkten sie ihre eigene Mode und sind auch auf Instagram echte Stars. Besser klappt das mit dem Unter-sich-bleiben derzeit noch bei Snapchat. Das erlebt zumindest Rechtsanwalt Thomas Schwenke so. Die Fans seien bereit, auch Patzer zu verzeihen: „Wenn ich mich mal verhasple oder sogar einen kleinen inhaltlichen Fehler machen sollte, schreckt das meine Follower nicht ab.“ Für gestandene Unternehmen ist das allerdings kaum vorstellbar. Dort heißt gutes Marketing, ein perfektes Bild nach außen darzustellen. Bei Instagram funktioniert das vielleicht gerade noch. Bei allen anderen Netzwerken nicht. „Ich würde Unternehmen daher raten, es nicht gleich auf eigene Faust zu versuchen, sondern zunächst mit bekannten Influencern zusammenzuarbeiten“, sagt Tajbakhsh. So könnten sie sich langsam an das Auftreten dort gewöhnen. Amerikanische Sportmarken wie Nike oder Under Armour machen es vor.

Zwei Buzzfeed-Mitarbeiter spannten Gummiband um Gummiband um eine Wassermelone, bis diese platzte – und streamten die Aktion live auf Facebook. Das Video hat inzwischen knapp elf Millionen Klicks. „Watermelon Challenge“: Zwei Buzzfeed-Mitarbeiter spannten Gummiband um Gummiband um eine Wassermelone, bis diese platzte – und streamten die Aktion live auf Facebook. Das Video hat inzwischen knapp elf Millionen Klicks. Gut durchdacht sollte auch eine Marketing-Kampagne auf Facebook live oder Periscope sein. „Einfach Veranstaltungen mitstreamen bringt nichts“, sagt Caspar Tajbakhsh von Tobesocial. „Am besten nutzt man die Plattformen für gezielte Aktionen.“ Ein gelungenes Beispiel dafür ist etwa die so genannte Wassermelonen-Challenge von Buzzfeed. Im April dieses Jahres starteten zwei Mitarbeiter des Online-Portals einen Selbstversuch. Ausgestattet mit weißen Schutzanzügen spannten sie in einem Facebook-Live-Stream Gummiband um Gummiband um eine Melone. Bis 680 kamen sie – dann explodierte das Obst. Die Aktion wurde zeitweise von rund 800.000 Menschen weltweit gleichzeitig verfolgt und machte das US-Nachrichtenportal auch jenen bekannt, die sich sonst weniger gut mit neuen Medien auskennen.

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3 Kommentare
Gandalf
Gandalf

Ich bin selbst Gründer, aber ich hoffe dass keiner von diesen „Stars“ „lernt“. Das Ergebnis ist nur noch mehr irrelevanter Bullshit in einer Welt, die echt andere Probleme hat.

Kein Unternehmer, der ein solides Produkt hat, das ein echtes Problem löst, braucht derartigen Marketing-Müll.

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Eva
Eva

Hallo t3n Redaktion,

könntet ihr den Text bitte noch einmal lesen und die doppelten Sätze ab Seite 2 entfernen?
Man liest einige Sätze mehrmals und zweifelt dann am eigenen Verstand :-D

Sowas bin ich als Euer regelmäßiger Leser doch gar nicht gewöhnt :-)

Viele Grüße
Eva

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Big Dislike
Big Dislike

Als Unternehmen sollte man sich immer zuerst fragen: Welche Informationen will ich vermitteln? Über welche Plattform erreiche ich meine Kunden am besten?“, rät Tajbakhsh. „Danach kann ich dann entscheiden, wo ich wie welche Inhalte publiziere.“

Wow, genius! Gut, dass es Menschen gibt die diesen Durchblick haben und es anderen gegen etwas Aufmerksamkeit mitteilen.

Zu den „Stars“: Was genau soll man aus diesem Artikel nun mitnehmen? Es ist doch nicht mehr als „Sex Sells“ in einer modernen Form. Getragen von einer Armee von gehirnlosen Konsumzombies. Immer schön auf heile Welt machen und die wirklichen Probleme die unsere Gesellschaft hat am besten auch garnicht erst ansprechen, sonst gibts Dislikes!

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