E-Commerce

Onlinehandel der Zukunft: Miteinander statt gegeneinander

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World Wide Shopping – Connected Shops

Shopnetzwerke sind sozusagen die Krönung oder besser formuliert die jüngste Evolutionsstufe dieser Entwicklung. Kommunikation unter den einzelnen Shops – auf Sortimentsebene kennt man dies schon länger. Vor allem Multiversender wie Otto und Neckermann beziehen schon heute einen kaum mehr vernachlässigbaren Anteil ihres Sortiments direkt von anderen Shops. Diese spielen ihre Sortimente in die Plattformen der Versandhandelshäuser. Bestellungen werden dann direkt bei den angeschlossenen Shops getätigt, ohne dass der Kunde dies in der Regel sieht und mitbekommt. Allgemein ist dieses Vertriebskonzept bekannt als Streckengeschäft oder Drop-Shipping. Laut dem Shopanbieter-Blog generierte Neckermann bereits 113 Millionen Euro Umsatz mit Partnersortimenten. Und selbst Amazon soll circa ein Drittel seines Umsatzes über im Marketplace angeschlossene Partnershops erzielen. [5]

Der Hauptnutzen liegt darin, dass über solche Konzepte jeder Händler sein Sortiment punktuell und strategisch erweitern kann und damit an Attraktivität für den Kunden gewinnt. Auch kann er so einen Teilmarkt abdecken, der nicht zu seiner Kernkompetenz gehört. Nebst Provisionen und Umsatzanteilen an den Partnershops sind auch die Nutzerdaten und das Kundenverhalten sehr attraktiv für die weitere Marktbearbeitung.

Shopware Connect für die einfache Vernetzung von Onlineshops.

Shopware Connect für die einfache Vernetzung von Onlineshops.

Zum stärksten Antreiber von Connected-Shops sind in jüngster Vergangenheit aber die Open-Source-Shopsysteme geworden. Magento und Oxid können über ihre integrierten Connectoren nicht nur vereinfacht Produkt- und Lieferantendaten einlesen, sondern wollen vermehrt die auf diesen Plattformen basierenden Shops untereinander verbinden. Dies reicht vom einfachen Austausch definierter Sortimentsbereiche bis hin zum Teilen von Kernprozessen, wie man sie von den Fulfillment- und Checkoutservices kennt. Was bei den Marktführern funktioniert, passt auch für kleinere Anbieter. Voraussetzung ist, dass man über ein Shopsystem verfügt, das sich auch mit anderen Shops im gewählten Ausmaß verbinden lässt. Im Frühjahr sorgte Shopware, das jüngste Mitglied in der Open-Source-Shopsystem-Szene, mit der Ankündigung von Shopware Connect für Aufsehen. Damit soll das erste weltweit vernetzbare Shoppingsystem entstehen.

Man kann diese Ankündigung durchaus als nächsten Evolutionsschritt betrachten. Durch das Verknüpfen von Shops werden innovative Konzepte wieder zum Treiber, technische Schnittstellenproblematiken verlieren an Bedeutung. Zwischen einzelnen Shops lassen sich sehr schnell Marktplätze zu einzelnen Themen realisieren. Darüber hinaus werden damit Kooperationen, Partnerschaften, das Outsourcen von Kernprozessen und andere Aspekte des Fulfillment technisch sehr schnell realisierbar.

Man darf durchaus weiter denken: Was wäre, wenn sich Shopsortimente innerhalb definierter Parameter automatisch vernetzen? Wenn ein Kunde beispielsweise auf der Suche nach Outdoor-Ausrüstung ist und sich ihm innerhalb von Sekunden ein individueller Shop aufbaut, dessen Sortiment sich aus einer Vielzahl von vernetzten Shops zusammensetzt? Sich dynamisch aufbauende thematische E-Commerce-Malls und Online-Fachmärkte – nicht für die Masse, sondern für jeden individuell. Jeder erhält nach Bedarf sein eigenes Sortiment durch verbundene Systeme. Wohlgemerkt, gemeint sind komplette funktionale Shops inklusive Transaktionsprozess, keine Preisvergleichsplattformen.

Was zu wem, wann passt, diese Daten kann man sehr einfach aus den Social-Networks ziehen. So könnte sich ein ganz neuer Geschäftsbereich von Marktplatz-Buildern auftun. Zwar sind hier noch Hürden bezüglich Recht, Gewährleistung und Verantwortlichkeiten zu nehmen. Aber auch das wird lösbar sein.

Eine neue Form von Mass-Customizing kann so entstehen; nicht die Einzelanfertigung des Produkts steht im Vordergrund, sondern: jedem seine eigene Social-E-Commerce-Plattform. Wir stehen wohl erst am Anfang einer spannenden Entwicklung sich verselbständigender Shopsysteme und -sortimente. Sämtliche dafür benötigten Komponenten sind verfügbar – wer beginnt wohl als erster damit, ein neues lukratives Geschäftsmodell zu entwickeln?

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2 Kommentare
Mashen wäre schon besser
Mashen wäre schon besser

Und wem gehören die Daten von z.b. einer ISBNummer ? Na also.
Trivialpatente und Abmahnungen. Sonst hätte ich längst die SQl-Datenbanken von Supermkärten mit deren Einwilligung ausgelesen . Aber praktisch alle relevanten Datenbanken sind protected und wollen notarielle Nutzungsverträge mit totaler Haftung oder sind nicht bezahlbare oder nicht lizensierbar.
Wenn Amazon die Daten outet kriegen die natürlich keine Abmahnung. Wenn man ähnliche Datenbanken (WikiData für alle Produkte mit ISBN oder EAN wollte ich schon vor über 5 Jahren machen als mein Nokia-Symbian-J2ME-Phone Barcodes scannern konnte) selber Wikipasiert aufbaut und z.b. die Inhalts-Stoffe fotografiert und scannt und OCRt um alle Produkte mit Glutosamat gelb zu markieren weil man das nicht verträgt oder alle Glutenfreien Produkte grün zu markieren oder sonstwas sinnvolles (Sucht mal Frühstücksflocken mit weniger als 69 Gramm Kohlehydrate pro 100 Gramm. Da kann man auch was mit 90 Gramm pro 100 nehmen und mit ****bix auffüllen um unter 70 zu kommen.) kriegt man doch vermutlich gleich Ärger.

Geht mal bitte in die KaufDa-App und zoomt auf die Supermärkte. Früher gabs ein paar Ketten die ihre Kataloge dort nicht drin hatten sondern bestenfalls die Öffnungszeiten.

Manche Warenwirtschaftsfirmen sind wenig an Vergleichbarkeit und alternativen Apps interessiert.
Manche Ketten sind wenig an Vergleichbarkeit interessiert.

Data-Hubs sollten kleine Anbieter schon lange haben. Ricardo, OFDB, Filmundo oder hitflip und tauschticket usw. Wenn man ein eigenes Angebot hat, kommt das natürlich zuerst. Aber wenn man keine Harry-Potter Erstausgabe hat, muss man halt die vom „Konkurrenten“ listen und sich die Provision teilen.

Schade das in meinungsfreien fair-use-Ländern keiner auf meine Idee kommt um sie mal durchzusetzen :-(
Die EU will mit Millionen Euros als ÖPNV-Pläne sammeln und Optionator-mäßig Verbindungen z.B. quer durch Berlin auflisten. Sowas würde ich werbefinanziert schon ewig machen indem jeder User die Sbahn-Pläne fotografiert, upped und sie ocrt, gescannt und gemasht werden. Wenn man aber für Sbahn-Pläne Copyright oder Abmahnungen bezahlen soll, lässt man die EU das für Millionen Euros machen. Kennt ihr ein kostenloses EU-Förder-Projekt ? Semantic-Web-Suche ? Galileo ? Elena ? Hercules ? Hartz4-Software ? Google ? Streetmap ? Wikipedia ? Wiki-School-Book ? Collective-Learners-Wiki ? Students-Collaborate-for-Lectures-and-Tutorias ? (Nicht EU oder nicht kostenlos oder nicht existierend)
Wenn nicht das CERN sondern die EU das HTML erfunden hätte. Hätten sie dann Gebühren für HTML und HTTP genommen ?

Diese ganzen Sites arbeiten nicht zusammen und wenn man z.B. die Filialdaten von 20-1000 proprieträren Firmen-Apps zusammenfügen würde, würde das irgendwem vermutlich nicht passen.
Das sind also nur fromme Wünsche wie barrierefreies Design (am Handy ist man handycapped, deshalb heisst es auch so weil man keinen 1920×1080 50″-Screen hat) oder responsives Design. Denn Ricardo und die anderen Gebrauchthändler oder diese zig Kleinanzeigenportale könnten längst zusammenarbeiten.
Oder Myhammer und Blauarbeit usw. wenn man zu wenig eigene Leute in der Gegend hat.
Cashburning ist für manche Sites wohl wichtiger als Kundenzufriedenheit.
Gibt es eine Site oder funktionierendes Firefox-Plugin wo man alle Amazons weltweit parallel abfragen kann ? Teilweise gibts z.B. bei Amazon-Italien deutsche DVD-Staffelboxen billiger als hier. Migranten und Mehrsprachlern ist die Version evtl auch egal Hauptsache billiger als 50 Euro für eine Staffelbox (Bluray natürlich). Und mit seinem Amazon.de-Konto kann man (komischerweise manchmal nur mit Kreditkarte glaube ich) auch bei Amazon.fr co.uk spanien italien usa einkaufen. Japan und China sind separat.

Mashen klingt nett, hat in der Praxis aber Probleme.
Leider unterstützt der EU-Verbraucherschutz oder antikapitalistische Organisationen solche Projekte nicht juristisch (Geld braucht man dafür nicht) und hostet sie in guten Ländern um dem Bürger den niedrigsten Preis, billige Beamerlampen und billige legale korrekte Ersatzteile zu bringen wie es der wahre Kapitalismus doch täglich verspricht.

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