Startups

Europas neue Startup-Hotspots: Das sind die heimlichen Stars jenseits von Berlin, London und Stockholm

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„The world’s smartest region“

Eine deutlich kleinere und fokussiertere Szene trifft an, wer sich in Eindhoven auf die Suche nach Startups macht. Hier, im Süden der Niederlande, liegt ein Zentrum der High-Tech-Industrie. Neben dem wichtigsten Forschungsstandort von Philips sitzt auch ASML, ein Konzern der Halbleiterindustrie, hier – und mit dem „High Tech Campus“ hat die Stadt ein Forschungszentrum angesiedelt, das immer mehr Startups anzieht. Die gerade einmal 200.000 Einwohner große Stadt ist der Mittelpunkt der Brainport-Region, einem Wirtschaftsraum mit Universitäten, Forschungszentren und Unternehmen.

Doch Eindhoven profitiert auch von der niederländischen Politik, die ein offenes Ohr für Startups hat. So läuft in dem Land derzeit eine Abstimmung über neue Visa-Bestimmungen für Gründer, die in das Land kommen und Arbeitsplätze schaffen wollen. Aus all diesen Bemühungen und Initiativen sind etliche erfolgreiche Startups hervorgegangen. Effect Photonics etwa, ein Spin-Off der technischen Universität, das Chips für Glasfaser-Netzwerke produziert, Progression Industry, ein Startup, das im Bereich der Biokraftstoffe forscht, Cortina, das seine Wurzeln bei Philips hat und hochmoderne Produkte für den Pflegebereich entwickelt, oder Flowid, ein Unternehmen, das Mikro-Reaktoren für die Chemie- und Pharmaindustrie produziert.

Schon diese Produkte und Branchen zeigen: Nicht umsonst hat der Think-Tank „Intelligent Community Forum“ die Brainport-Region 2011 zur „World’s smartest region“ ernannt und das Magazin „Fortune“ Eindhoven 2012 zu den sieben besten Städten für Startups weltweit gezählt.

Startup-Hub auf dem Balkan

Deutlich weniger Unterstützung haben Startups bislang noch in Kroatien zu erwarten. Und so zog es kroatische Gründer lange Zeit erst mal ins Ausland, wenn sie ihre Ideen umsetzen wollten. Doch nach und nach ändert sich dieser Trend, und so konnte sich in der Hauptstadt Zagreb, die die Regierung nicht nur politisch zum Mittelpunkt des Landes gemacht hat, mittlerweile eine florierende Startup-Szene etablieren.

In Zagreb sind es – wie in ganz Kroatien – vor allem private Initiativen, die Gründer unterstützen. Davon gibt es allerdings eine ganze Menge. (Foto: Ullisandersson / Flickr / Lizenz: CC by 2.0)

In Zagreb sind es – wie in ganz Kroatien – vor allem private Initiativen, die Gründer unterstützen. Davon gibt es allerdings eine ganze Menge. (Foto: Ullisandersson / Flickr / Lizenz: CC by 2.0)

Eine Szene, die sich um diese Zentralisierung allerdings so wenig wie möglich kümmert, sondern international denkt, wie Ivo Spigel betont, Journalist und Mitgründer des europäischen Startup-Magazins Tech.eu. Investoren und Mentoren der Startup-Szene seien regelmäßig in der 800.000-Einwohner-Stadt zu Gast, was Gründern die Vernetzung über die Grenzen hinaus erleichtere.

Und das sei auch nötig, denn die politische Unterstützung für neue Geschäftsmodelle werde zwar allmählich besser, gut allerdings sei sie noch lange nicht. Dazu kommen schwierige Grundbedingungen: eine komplexe Gesetzeslage, eine im internationalen Vergleich sehr hohe Steuerlast sowie eine in vielen Fällen zähe Bürokratie. Und auch die Mentalität, sich nach dem Studium sichere Jobs in sicheren Branchen oder der Verwaltung zu suchen, verändere sich nur langsam, so Spigel.

„Kroatische Gründer denken von Anfang an international“

Nach wie vor sind es in Zagreb wie in ganz Kroatien vor allem die privaten Initiativen, die Veränderungen erzwingen. Zum Beispiel die Organisation CRANE (Croatian Business Angels Network), die regelmäßig Events veranstaltet. Oder die „Croatian Private Equity and Venture Capital Association“, die ebenfalls nicht nur Investitionen vermittelt, sondern sich auch für den Know-how-Transfer einsetzt. Doch auch die Stadt Zagreb scheint allmählich zu begreifen, dass die Startup-Szene Unterstützung verdient hat: Anfang 2013 hat die Stadt gemeinsam mit Kooperationspartnern die „Startup Live“ nach Zagreb geholt, ein dreitägiges Pitch-Event für Gründer. Mitte November findet hier zum ersten Mal die ZagrebConnect statt, neben etlichen etablierten Startup-Events das erste, das die Stadt selbst veranstaltet. Und auch ZIP, ein lokaler Accelerator, hat kürzlich eine Förderung von 50.000 Euro für seine Infrastruktur erhalten.

Schritte in die richtige Richtung, die erste Erfolge zeigen: So hat Repsly eine Software-Lösung für die Koordination von Außendienstmitarbeitern auf den Markt gebracht, Bellabeat eine Gesundheits-App für werdende Mütter, Farmeron eine App für modernes Landwirtschafts-Management und Shoutem einen erfolgreichen „Mobile App Creator“. Und nicht zuletzt ist da noch Rimac Automobili, das vielleicht aufsehenerregendste Startup Zagrebs, das drauf und dran ist, mit elektrischen Supersportwagen die Automobilbranche zu revolutionieren.

Zukunftsmusik, wo einst die Industrie zu Grabe getragen wurde

Wie wichtig neben Geld und Infrastruktur auch weiche Faktoren für Startups sind, wird klar, wenn man 1.500 Kilometer weiter nach Nordwesten reist und sich eine Stadt anschaut, die früher als Industrie-Metropole galt: Manchester. Nicht nur hat die 500.000-Einwohner-Metropole den Strukturwandel souverän gemeistert und zählt heute zu den wirtschaftlich stärksten Regionen des Landes – nach dem zweiten Weltkrieg hat hier auch eine Informatik-Szene mit Größen wie Alan Turing den Grundstein für die Tech-Branche gelegt.

Doch noch ein dritter Faktor spielt eine wichtige Rolle für die vielen Startups in Manchester, betont Jeremy Evans, Journalist bei „Tech City News“: „Manchester ist eine extrem kulturelle Stadt – die BBC hat hier ihren zweitgrößten Standort und die Musik-Szene gehört zur Spitze in Großbritannien – das sind durchaus Innovationstreiber für die Startup-Szene.“ In anderen Städten wie Cambridge, Oxford, Brighton oder Bristol allerdings sage man ganz sicher, Manchester sei „overhyped“, fügt er hinzu – zumindest, was die tatsächlichen Umsätze angeht. Doch die Szene wächst.

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