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Europas neue Startup-Hotspots: Das sind die heimlichen Stars jenseits von Berlin, London und Stockholm

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Hör auf zu reden und mach es einfach!

Manchester sei der Hauptstadt London demographisch durchaus ähnlich, sagt Alex Depledge, Mitgründer von Hassle, einer Plattform, die Reinigungskräfte vermittelt. Es gebe hier eine aufstrebende, junge Generation, der die Mentalität der Stadt in die Karten spiele: Hör auf zu reden und mach es einfach. „Die Menschen hier sind direkt, sie sind ehrlich – und sie haben keine Angst davor, hart zu arbeiten.“

Manchester profitiert von niedrigen Mieten und der guten Anbindung an die britische Hauptstadt. (Foto: Dom Crossley / Flickr / Lizenz: CC by 2.0)

Manchester profitiert von niedrigen Mieten und der guten Anbindung an die britische Hauptstadt. (Foto: Dom Crossley / Flickr / Lizenz: CC by 2.0)

Wie auch London kommt Manchester dabei zugute, dass sich der britische Staat verstärkt um Startups kümmert, so Depledge. Das Land mache nicht alles, aber vieles richtig, etwa mit der neuen Position des „Minister for digital industries“, die David Cameron mit dem ehemaligen Kultur-Minister Ed Vaizey besetzt hat. Vor allem aber die Lokalpolitik in Manchester mache einen unglaublich guten Job, so Alex Depledge, sie habe gezielt regionale Projekte im Ballungsraum mit seinen 2,7 Millionen Einwohnern gefördert und damit die lokale Wirtschaft gestärkt – eine wichtige Basis für die wachsende Startup-Szene, die vor allem im Norden der Stadt derzeit ganze Stadtviertel umkrempelt.

Eine Alternative zu London

Darüber hinaus profitiert Manchester natürlich davon, dass die Mieten hier um einiges günstiger sind als im überteuerten London – und von der guten Zuganbindung, mit der man trotzdem in weniger als zwei Stunden in der Hauptstadt ist. Accelerator-Programme entstehen hier ebenso wie Events und Workshops – beinahe jeden Tag findet sich in irgendeinem Veranstaltungskalender ein passender Termin. Dazu kommen Co-Working-Spaces wie TechHub oder das „Sharp Project“ und nicht zuletzt bietet die Stadt mit dem „Manchester Science Park“ mehr als 150 Unternehmen aus Wissenschaft und Technologie ein perfektes Arbeitsumfeld – ein weiterer Magnet für Gründer.

Einige dieser Gründer haben es auch schon geschafft, mit ihren Ideen erfolgreich zu sein. Capsule beispielsweise, Anbieter eines Cloud-CRM-Tools, Canddi, eine Big-Data-Analytics-Lösung, Fatsoms, eine Online-Marketing-Plattform für Event-Manager oder malinko, ein Startup, das Cloud-Software für die häusliche Pflege anbietet. Sie alle sind auf dem Weg, Kunden und Umsätze zu generieren und eines nicht ganz so fernen Tages schwarze Zahlen zu schreiben – oder den Exit zu schaffen.

Europa braucht mehr Blicke über den Tellerrand

Schon diese fünf Abstecher nach Krakau, Vilnius, Eindhoven, Zagreb und Manchester zeigen: Es lohnt sich, bei der Suche nach Startups die Nadel auf der Europa-Karte auch mal abseits von Berlin, London oder Stockholm zu setzen. So unterschiedlich die Voraussetzungen für Startups in den einzelnen Regionen auch sind, so unterschiedlich sind auch die jeweiligen Strategien. Die Anbindung an andere Branchen und die Hochschulen in Krakau, der Fokus auf die technische Infrastruktur in Vilnius, die Konzentration auf die Forschung in Eindhoven, das Meistern schwieriger politischer Bedingungen in Zagreb oder das Zusammenspiel von lokaler Wirtschaft und Kultur in Manchester – es gibt viele Wege, eine Startup-Szene aufzubauen und zum Erfolg zu führen.

Doch es wird mehr brauchen, um Europas Startups konkurrenzfähig zu machen. Der Grund, warum Europa den USA oder Asien in diesem Bereich nach wie vor hinterherhinke, seien weniger Faktoren wie Enthusiasmus, die Fähigkeiten von Gründern oder gute Ideen, es sei schlicht das Geld, schrieb die Journalistin Cayleigh-May Forbes im Sommer. Es sei die Möglichkeit, an Kapital zu kommen, an Investoren. Und es wird die Unterstützung der Politik brauchen, die mehr und mehr zu merken scheint, welches Potenzial in Startups steckt. Darüber hinaus aber braucht es internationale Kooperationen, denn Europas Startup-Landschaft ist stark fragmentiert: Nach wie vor haben viele Regionen mit sich selbst zu tun – es liegt in Europas Natur, dass die Szene heterogen ist. Doch sie wächst zusammen, Stück für Stück, und internationalisiert sich. Die Projekte, Unternehmen und Persönlichkeiten, die sie dabei hervorbringt, sind jetzt schon beeindruckend.

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