Startups

PaperC im Startup-Porträt: Auf dem Weg zur Fachbuch-Flatrate

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Harter Tobak: das Flatrate-Modell

Als gelernte Verlagswirtschaftlerin kennt Katja Splichal die Verlagswelt von innen. In vielen Gesprächen bemerkt sie die Angst vor Veränderung und davor, die Hoheit über die Inhalte zu verlieren. Die Angst ist nicht unberechtigt, schließlich bedeutet PaperC: Nutzer kaufen keine ganzen Bücher mehr, sondern nur das, was sie wirklich brauchen. „Von Fachbüchern benötigen Leser oft nur zwei bis drei Prozent des Inhalts“, zieht Splichal eine Statistik heran. Bisher lebten Verlage davon, dass Leser sich die kompletten Bücher kaufen mussten, wenn sie Teile daraus benötigten. Die neue Orientierung am Nutzerbedürfnis krempelt dieses Prinzip um.

Seit Kurzem geht PaperC nun noch einen Schritt weiter und strebt eine Flatrate-Lösung an, die von vielen Nutzern gewünscht wird. Angedacht sind eine Zehn-Euro-Flatrate, mit der Käufer zehn Stunden im Monat unbegrenzt Fachbücher lesen können, und eine All-inclusive-Flatrate für 30 Euro im Monat. Harter Tobak für Verlage. Allerdings hat auch Amazon seit Ende letzten Jahres eine E-Book-Flatrate angekündigt; dass es in diese Richtung gehen wird, ist also klar. Zumal das Flatrate-Modell in anderen Bereichen wie der Musik- und Videobranche schon längst gang und gäbe ist, Anbieter wie Spotify, Simfy und Lovefilm machen es vor.

Neu: EPUB-Format und Web-App

Vielen Verlagen sei bewusst, sagt Splichal, dass sie ein echtes Problem haben werden, wenn Branchenriese Amazon Flatrates einführt und dann selbst die Konditionen bestimmt. Dem Diktat des Marktführers könne sich dann kein Verlag widersetzen. Dies mache PaperC in den Augen vieler Verlage sympathisch: „Da ist ein überschaubares, branchennahes Unternehmen aus Deutschland, das unabhängig von den Marktführern Amazon, Google und Apple als Aggregator agiert und eine Lösung für alle anbietet“, erklärt Splichal. Nur die Sache mit der Flatrate ist für viele eben noch kritisch. Das junge Team ist trotzdem davon überzeugt, dass dies der einzig richtige Weg ist, um langfristig eine große Leserschar zu gewinnen. Weil sich „Flatrate“ für Verlage zu bedrohlich anhört, sprechen sie lieber von „Premium Subscription“ oder „subscription-basiertem Abo-Modell“. Getestet wird das Konzept aktuell in einer geschlossenen Betaphase mit 1.000 Usern aus dem IT-Bereich auf der neuen Plattform PaperC.com, da diese spezielle Nutzerschar sehr technikaffin sei. Im kommenden Jahr sollen dann die anderen Wissenschaften folgen. Zusätzlich spinnt das Team an weiteren Ideen, die bekanntlich nicht sehr zahlungswillige Hauptzielgruppe der Studenten für das Modell zu gewinnen. Eine Idee ist, dass sich Studenten im Rahmen von „Scholarships“ bei Firmen um ein Flatrate-Sponsoring bewerben können. Für Firmen wiederum könnte diese Möglichkeit ein Recruitment-Kanal sein.

Gemeinsam wird an neuen Features für PaperC.com gebastelt.

In manchen stillen Momenten fragt sich Fröhlich schon, ob sie mit dem Flatrate-Modell wieder etwas zu früh dran sind, ob die Verlagswelt schon reif dafür ist. Die Innovation des eigenen Produktes klar vor Augen zu haben, aber noch nicht richtig durchstarten zu können, ist für ihn nicht einfach. „Auch unsere Investoren brauchen einen langen Atem, wir sind ihnen sehr dankbar dafür. In diesem Bereich ist man in drei Jahren eben noch nicht durch“, seufzt Fröhlich. Zu den Unterstützern gehören der Technologiegründerfonds Sachsen, Estag Capital und verschiedene Privatinvestoren sowie Business-Angels.

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