Startups

„Wie ein Rudel fresswütiger Hyänen“ – Startups und die Kraft der Disruption

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Mach genau das, was die Experten als untauglich erachten!

Doch was können Unternehmen tun, um in einem sich so zerfasernden Wettbewerb konkurrenzfähig zu bleiben? Venture-Capitalist Daniel Gutenberg äußerte kürzlich in einer Diskussionsrunde in Zürich die Vermutung, dass sich das Top-Management in großen Konzernen zu häufig mit Experten umgibt. Dadurch kämen innovative Ideen von Innen und Außen nicht mehr zu ihm durch. Seine Faustregel: „Mach genau das, was die Experten als untauglich erachten!“ Mit anderen Worten: bleib agil.

Damit das gelingt, werden Nachwuchs-Managern an Universitäten wie der Rotman School of Management in Toronto heute Methoden wie das Business-Design-Thinking beigebracht. Es setzt sich aus Elementen des Design-Thinking, des Lean-Startup und des Customer-Development zusammen, um Innovation zu sichern und Disruptionen abzuwenden.

BWL und VWL waren gestern. Heute müssen Manager Mitarbeiter unterschiedlicher Disziplinen und Hierarchien in einem kreativen Umfeld zusammenbringen, um iterativ Fragen, Bedürfnisse und Motivationen von Menschen zu identifizieren und daraus innovative Konzepte und Produkte zu entwickeln.

Ein weiteres Zauberwort in diesem Zusammenhang: Resilienz-Management – also quasi das Unternehmensabwehrsystem gegen negative Einflüssen von Außen. Im Dreiklang von „Vorbeugung, Adaption und Innovation“ versuchen Unternehmen, sich durch neue Management-Methoden, Produktivitäts-Tools oder kollaboratives Arbeiten frühzeitig gegen Disruption zu wappnen und im Fall eines Falles schnell reagieren zu können.

Doch zum Schutz vor Disruption gehören auch Inkubatoren und Accelerator von Konzernen wie der Telekom oder Axel Springer. Hier geht es nicht um Anteile am nächsten Uber oder Google. Es geht um eigenes Know-how. „Außerdem fühlt man sich besser, wenn man ein Auge auf das disruptive Gebastel in seiner Umgebung hält“, so der ZEIT-Journalist Thomas E. Schmidt.

Der Disruptionsdienst par excellence: Der Mitfahr-Service Uber wirft so viele Fragen auf, dass sich nicht nur in Deutschland etliche Gerichte mit dem Dienst befassen. (Screenshot: uber.com)

Der Disruptionsdienst par excellence: Der Mitfahr-Service Uber wirft so viele Fragen auf, dass sich nicht nur in Deutschland etliche Gerichte mit dem Dienst befassen. (Screenshot: uber.com)

Denn selbst bei mächtigen Unternehmen scheint der Respekt groß, wie Springer-Vize Christoph Keese in seinem Buch „Silicon Valley“ zeigt: „Disruption heißt Unterbrechung. Es ist Chiffre für ein Lebensgefühl, eine Art Gehirnwäsche. Motto für die richtige Methode, Märkte zu attackieren und Marktführer zu verdrängen. Glaubensbekenntnis für eine vom Erfolg beflügelte Erfinderkultur, die weiß, dass sie alles erreichen kann, wenn sie nur radikal genug denkt“.

„Beschleunigung gehört zu den Symptomen des Übergangs“

Und wie radikal heute gedacht wird zeigt die Tatsache, dass selbst Staaten schon disruptive Ideen entwickeln. Estland beispielsweise, das letztes Jahr die weltweit erste virtuelle Staatsbürgerschaft eingeführt hat. Auch der Kampf von Regierungen um Unternehmen, Kapital und Arbeitskräfte ist im Internetzeitalter angekommen. Auch hier herrscht Verdrängung, was die von Allianzen und Wirtschaftsinteressen geprägte politische Landkarte dauerhaft verändern dürfte.

Bringt Airbnb ein neues Zeitalter der Unterkunft? Der Dienst kratzt jedenfalls ordentlich an dem Geschäftsmodell der Hotelindustrie. Bestes Beispiel: Allein an Silvester 2014/2015 haben über eine halbe Million Menschen in Airbnb-Unterkünften übernachtet. (Screenshot: airbnb.de)

Bringt Airbnb ein neues Zeitalter der Unterkunft? Der Dienst kratzt jedenfalls ordentlich an dem Geschäftsmodell der Hotelindustrie. Bestes Beispiel: Allein an Silvester 2014/2015 haben über eine halbe Million Menschen in Airbnb-Unterkünften übernachtet. (Screenshot: airbnb.de)

Die Gemengelage aus Agilität und Unberechenbarkeit auf der einen Seite sowie lähmender Angst vor der Kraft des Fortschritts auf der anderen kann den Untergang für Konzerne bedeuten. Sie kann aber auch Innovation bringen, wenn sich Unternehmen auf dieses Spiel einlassen.

Der Journalist Peter Glaser hat das schon auf der re:publica 2009 angemerkt: „Manche haben das Gefühl, nicht mithalten zu können mit den Beschleunigungen der digitalen Welt. Aber wir befinden uns in einem Übergang und die Beschleunigung gehört zu den Symptomen dieses Übergangs. Was wir erleben, ähnelt einem flimmernden Bildschirm, der so lange nervt, bis die Bildfrequenz über 72 Hertz steigt. Dann wird das Bild ruhig und klar. Beschleunigt man weiter, wird das Bild nur noch ruhiger und klarer“.

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Ein Kommentar
Walter Rizzi
Walter Rizzi

Da weiß man nicht ob man das für gut oder schlecht halten soll… Einerseits ist es ein technologischer Fortschritt wenn z.B. Google sich mit Autos beschäftigt. Andererseits begibt sich die gesamte Welt immer mehr in Abhängigkeit einzelner Großkonzerne (Google).
LG Walter Rizzi

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