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t3n 37

Vielfalt zahlt sich aus: Warum die Tech-Branche sich dringend um mehr Frauen bemühen muss

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Der Preis homogener Entwicklungsprozesse

Das Gegenteil von Diversität ist Uniformität. Und eine Ahnung davon, was schief gehen kann, wenn Entwicklungsprozesse von allzu homogenen Teams durchgeführt werden, vermittelt die Forscherin Danah Boyd in ihrem Artikel „Is the Oculus Rift sexist?“. Ausgehend von der Beobachtung, dass Frauen weitaus häufiger in 3D-Simulatoren übel wurde als Männern, untersuchte Boyd die geschlechtsspezifischen Unterschiede in der räumlichen Wahrnehmung und verglich sie mit den Konstruktionsparametern der virtuellen Welten.

Ihre Tests legten nahe, dass die Geschlechter die verschiedenen Prozesse der Tiefenwahrnehmung in unterschiedlicher Häufigkeit verwenden: Während Männer vor allem anhand der Bewegungsparallaxe die Position eines Objekts im Raum bestimmen – also anhand der sich verändernden Größe, wenn man sich nähert – verlässt das weibliche Gehirn sich häufiger auf den Shape-From-Shading-Effekt, bei dem das Verhältnis des Objekts zum Raum durch die Schattierungen bestimmt wird. 3D-Simulatoren folgen dem Prinzip der Bewegungsparallaxe – kein Wunder also, dass sie bei weiblichen Gehirnen häufiger für Desorientierung sorgen.

Danah Boyd versteht ihre Beschreibung nicht als abschließend, sondern als Hinweis darauf, dass hier weiter geforscht werden muss. Dennoch bleibt schon jetzt ein Nachgeschmack zurück: Wie ärgerlich für den Hersteller, eine signifikante Gruppe an Konsumenten unwissentlich schon durch das Produktdesign verloren zu haben. Und den Sprung in den Massenmarkt per se nicht schaffen zu können, weil das Produkt gar nicht massenkompatibel ist.

Bevorzugt die 3D-Brille Oculus Rift per Design das männliche Gehirn? Die Forscherin Danah Boyd hat diese Frage aufgeworfen. (Foto: Sergey Galyonkin, Fickr)
Bevorzugt die 3D-Brille Oculus Rift per Design das männliche Gehirn? Die Forscherin Danah Boyd hat diese Frage aufgeworfen. (Foto: Sergey Galyonkin, Fickr)

Sorge um die Fachkräfte von morgen

Beim Startup Etsy, einer E-Commerce-Plattform für handgefertigte Möbel, Kleidung und Schmuck, sah die Situation längst nicht so desolat aus, als CTO Kellan Elliott-McCrea 2011 begann, sich für mehr Frauen in seinem Entwicklerteam einzusetzen. Und doch hing auch sein Antrieb mit der Zukunftsfähigkeit des Unternehmens zusammen. Denn ein Blick auf die zukünftigen Abschlussklassen der IT-Studiengänge in Harvard und Co. hatte ihm klar gemacht: Wenn du auch in drei bis fünf Jahren noch hochqualifizierte Entwickler einstellen willst, musst du ein Klima schaffen, in dem sich auch weibliche Absolventen wohlfühlen.

Auch in Deutschland erlangt dieses Argument zunehmend Gewicht. Denn auch wenn der Frauenanteil in IT-Studiengängen hierzulande insgesamt deutlich niedriger ist als an amerikanischen Ivy-League-Universitäten: Bereits jetzt sind über ein Fünftel aller Studierenden im Fach Informatik weiblich, Tendenz steigend.

Der Vergleich der Studienanfänger von 1975-2012 zeigt: Immer mehr Informatik-Studenten sind weiblich. (Grafik: Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit 2013)
Der Vergleich der Studienanfänger von 1975-2012 zeigt: Immer mehr Informatik-Studenten sind weiblich. (Grafik: Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit 2013)

Bei Etsy stand Ende 2011 einer überwiegend weiblichen Nutzerschaft ein 100-köpfiges Entwickler-Team gegenüber – davon 97 Männer. Für Elliott-McCrea war das ein unhaltbarer Zustand: Auf der einen Seite die hochbezahlten Techniker, auf der anderen die weitaus weniger verdienenden Frauen in Marketing und Support – welches Image wollte das Startup in den Augen seiner Nutzer einnehmen?

Weibliche Programmier und die Image-Frage

Zusammen mit Marc Hedlund, dem damaligen Head of Programming bei Etsy, krempelte Elliott-McCrea die Recruiting-Prozesse des Unternehmens auf links. Oberste Prämisse dabei: Keine Abweichung von den hohen Einstellungsstandards des Unternehmens. Durch verstärkte Anstrengungen bei der Suche nach hoch qualifizierten Programmiererinnen, neue Interview- und Probearbeitsprozesse und ein ganz öffentliches Bemühen um eine inklusive Unternehmenskultur gelang es, die Quote weiblicher Programmierer innerhalb eines Jahres von drei auf 15 Prozent zu steigern.

In den Augen von Elliott-McCrea profitiert von dieser Entwicklung nicht nur das Image von Etsy, sondern auch die Plattform selbst: Nicht etwa, weil weibliche Programmierer aufgrund ihrer Chromosome – also quasi von Natur aus – einen „Draht“ zum Produkt von Etsy besäßen. Vielmehr trügen ähnliche Perspektiven und Erfahrungen, so Elliott-McCrea, dazu bei, die Plattform im Sinne der Nutzerinnen zu gestalten und zu optimieren.

Qualität und Performance

Und nicht nur die Plattform – oder anders gesagt: das Produkt –eines Unternehmens profitiert von gemischten Teams. Unternehmen mit einer oder mehreren Frauen in Führungspositionen performen in Bezug auf den Return on Equity, das EBIT und die preisliche Entwicklung der Unternehmensaktien signifikant besser.

Im Gegensatz zu weiteren Diversitätsfaktoren wie Internationalität, Alter oder Berufserfahrung bleibt die positive Korrelation zwischen Frauen im Management und Unternehmenserfolg über die verschiedensten Branchen und Strukturen hinweg bestehen. Warum ist das so? Immer wieder wird auf das Einfühlungsvermögen verwiesen, das der Ellenbogenmentalität der Männer überlegen sei. Dieses Pauschalurteil haben Forscher der London Business School allerdings schon 2007 zurückgewiesen.

Mehr Programmiererinnen bei Etsy: Damit das Startup auch in Zukunft gut aufgestellt ist, bemüht CTO Kellan Elliott-McCrea sich besonders um Frauen. (Foto: Etsy)
Mehr Programmiererinnen bei Etsy: Damit das Startup auch in Zukunft gut aufgestellt ist, bemüht CTO Kellan Elliott-McCrea sich besonders um Frauen. (Foto: Etsy)

Davon abgesehen: Ist das „Warum“ denn überhaupt wichtig? Liegt in den genannten Beobachtungen nicht Handlungsanreiz genug? Wir alle sollten uns mit dem Thema Gender Equality auseinanderzusetzen.

Lea Weitekamp
Lea Weitekamp

gehört seit Januar 2014 zum t3n-Team und ist für das Ressort Startups & Digital Business verantwortlich. Zuvor hat sie mehrere Jahre als PR-Beraterin für die digitale Wirtschaft gearbeitet und als Gastautorin unter anderem Artikel für t3n.de und thenextwomen.com verfasst.

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Eine Reaktion
Insomnia88

"Wir alle sollten uns mit dem Thema Gender Equality auseinanderzusetzen"

Wohl eher, wir sollten den HR bzw. den für eine Einstellung verantwortliche Personen das Thema näher bringen. Ich als einfacher Entwickler habe da garnix zu sagen, da kann ich auch 'n "gender equality guru" sein. Das übliche Problem :P

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