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Haben Sie Angst vor Amazon, Frau Nemat?

Telekoms Technik-Chefin Claudia Nemat. (Foto: Jan Helge Petri)

Ob Musicload oder der Aufbau eines Konkurrenten von Whatsapp – immer war das Silicon Valley schneller als die Telekom. Claudia Nemat will das ändern. Im Interview erklärt die Technologiechefin ihre neue Strategie – und gibt einen großen Fehler zu.

Säße Claudia Nemat nicht im Vorstandszimmer der Deutschen Telekom, sie hätte wohl auch Karriere als Quantenphysikerin gemacht. Die 48-Jährige, die schon als Kind einen Experimentierkasten besaß, hat einen Sinn für das Unerklärbare: „Mein Vater war selbst Physiker und hat mal gesagt: Wenn man eine ­Trillion mal vor die Wand läuft, kommt man irgendwann durch. Den Gedanken fand ich spannend“, sagt Nemat rückblickend. Folge­richtig schrieb sie sich nach ihrem Abitur als einzige Frau am Institut für theoretische Physik der Kölner Universität ein. Doch dann kam ein Kennenlern-Camp von McKinsey dazwischen.

Claudia Nemat soll die Telekom neu erfinden

Der ungeplante Beginn einer beachtlichen Manager-Karriere: Bei der Unternehmensberatung stieg Nemat schnell zur Leiterin des Europageschäfts mit High-Tech-Firmen auf. Nach 17 Jahren wechselte sie zur Telekom und übernahm dort jüngst das neugeschaffene Vorstandsressort Technologie und Innovation.

Damit verantwortet Nemat ein Milliarden-Geschäft. Schließlich geht es um nicht weniger als die Digitalisierung eines ehemaligen Staatskonzerns, dem der Innovationsgeist schon länger abhanden gekommen zu sein scheint. Ob Musicload oder der Aufbau eines Whatsapp-Konkurrenten – immer war das Silicon Valley schneller als die Telekom. Im Gespräch mit t3n erklärt Claudia Nemat, wie sie das ändern will. Könnte ihr ein bisher kaum im Telekommunikationsgeschäft in Erscheinung ­getretener Internetkonzern aus den USA dazwischenfunken?

t3n Magazin: Frau Nemat, haben Sie Angst vor Amazon?

Claudia Nemat: Ich habe vor vielen Organisationen sicher Respekt, aber Angst vor Amazon? Nein, dazu neige ich nicht. Wenn ich in Deutschland für den Einzelhandel verantwortlich wäre, würde ich mir gewiss mehr Sorgen um die Zukunft meiner Branche machen.

t3n Magazin: Finden Sie nicht, dass Amazon auch der Telekom zunehmend das Wasser abgräbt, Stichwort: „Cloudgeschäft“?

Claudia Nemat: Die Cloud ist für uns eines der wichtigsten Themen in den nächsten Jahren. Spätestens wenn wir zu 5G-Netzen kommen und Echtzeit-Anwendungen im Alltag erleben wollen, wird es notwendig sein, die Cloud-Infrastruktur direkt ins eigene Netz integriert zu haben. Und da sehe ich die Telekom klar im Vorteil.

t3n-Redakteur Daniel Hüfner im Gespräch mit Claudia Nemat. (Foto: Jan-Helge Petri)

t3n Magazin: Was macht Sie da so sicher?

Claudia Nemat: Nehmen Sie zum Beispiel eine Brille wie Ihre: Wenn Sie möchten, dass darauf bald Informationen in Echtzeit passend zum aktuellen Kontext eingeblendet werden, dann sollte die Brille leicht sein und nicht so schnell heiß werden. Sie müssen auch vermeiden, dass die Daten erst um den halben Erdball zu zentralen Serverfarmen geschickt werden, von denen dann eine Antwort zurückkommt. Es geht um möglichst kurze Reaktionszeiten. Ein Großteil der Rechenleistung muss also aus der Cloud kommen. Im Mobilfunknetz beispielsweise direkt an den Basisstationen.

t3n Magazin: Die Telekom-Cloud ist also schneller als die von Amazon?

Claudia Nemat: Nicht die Cloud ist schneller, sondern der Weg von der Cloud zum Kunden ist kürzer. Bei Glasfaser rauschen die Daten mit zwei Drittel der Lichtgeschwindigkeit durchs Netz, das sind 200 Kilometer pro Millisekunde. Für Anwendungen, die eine Re­aktionszeit von wenigen Millisekunden benötigen – zum Beispiel autonom fahrende Fahrzeuge – darf der Server aber höchstens 80 Kilometer entfernt sein. Die Lichtgeschwindigkeit ist also meine beste Freundin, auch wenn es um Amazon geht.

t3n Magazin: Angeblich plant Amazon aber auch den Einstieg in den deutschen Mobilfunkmarkt, beunruhigt Sie das?

Claudia Nemat: Wissen Sie, das kommt immer auf das Geschäftsmodell an.

t3n Magazin: Auf welches Geschäftsmodell?

Claudia Nemat: Wir werden natürlich keine Netzkapazitäten für ’nen Appel und ’n Ei an jemanden abgeben, der dann anfängt, gegen uns zu arbeiten. Grundsätzlich sind wir aber für Kooperationen mit großen wie kleinen Partnern offen. Dass wir zum Beispiel für Amazons smarten Lautsprecher bereits eigene Befehle anbieten, zeigt ja, dass wir keine Berührungsängste mit dem Konzern haben.

t3n Magazin: Sie erwähnen Amazon Echo. Noch in der ersten Jahreshälfte will die Telekom einen eigenen smarten Lautsprecher auf den Markt bringen. Gehen Sie jetzt zum Angriff über?

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