Software & Infrastruktur

Tipps zur Hoster-Wahl bei vServern: Virtuelle Heimat

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Virtualisierungstechnologie und Betriebssystem

Soll eine aktuelle Linux-Version zum Einsatz kommen, ist dies mit allen am Markt üblichen Virtualisierungslösungen kein Problem. Meist wird dann eine Paravirtualisierung genutzt, bei der ein angepasstes virtuelles System zum Einsatz kommt. Bei vielen Virtualisierungsumgebungen ist auch der Einsatz einer Vollvirtualisierung (meist in Verbindung mit entsprechender Hardware-Unterstützung) möglich, um beispielsweise auch Windows betreiben zu können.

Eine Besonderheit stellen die Ansätze von Linux vServer [1] und OpenVZ [2] dar. Hier wird der Kernel des Hauptsystems in „Zonen“ geteilt, in denen dann „eigenständige“ Systeme betrieben werden können. Bei diesen Systemen lässt sich der eingesetzte Kernel nicht austauschen. Daher kann bei diesem Ansatz nur Linux innerhalb von Linux als „virtuelles“ System genutzt werden. Auch einige technische Details für „Fortgeschrittene“ sind in einer derartigen Umgebung nicht nutzbar (beispielsweise „raw sockets“ für die Netzwerkkommunikation). Der Vorteil ist allerdings der ressourcenschonende Betrieb, der diese Lösung für kleinere virtuelle Systeme im unteren Preissegment interessant macht.

Je nach Hoster steht meist eine auf die Virtualisierungstechnologie abgestimmte Auswahl von Betriebssystemen/Distributionen zur Verfügung. Weitere sind aber in der Regel auf Anfrage verfügbar.

E-Mail-Dienste

Auf einem virtuellen System werden meist Webserver, Datenbankserver oder andere individuelle Serverdienste betrieben. Zum Betrieb von einigen E-Mail-Postfächern gleich komplette E-Mail-Dienste selbst zu konfigurieren, dürfte oft nicht notwendig sein. Wer allerdings Blacklisten, Virenscanner und Spamfilter einsetzen will, sollte den zusätzlichen Aufwand für Einrichtung und Administration einplanen. Zudem sollte man stets auf den zur Verfügung stehenden Speicherplatz achten,
denn beim Betrieb auf dem vServer selbst geht der für E-Mail genutzte
Speicherplatz vom eventuell auf nur wenige GB beschränkten
Speicherplatz des Systems ab. Daher bieten einige Hoster die Mitnutzung zentraler E-Mail-Dienste an, was auch die Performanceeinbuße anderer Dienste bei einer größeren Spam- oder Virenflut verhindert.

Firewall-Dienste

Innerhalb des Servers lässt sich eine „host-basierte“ Firewall aufsetzen, um beipsielsweise nur bestimmte Dienste außerhalb des vServers verfügbar zu machen. Teilweise wird diese Funktionalität aber bereits durch den Hoster bereitgestellt. Was bei dedizierten Servern oft über zusätzliche Firewalls realisiert werden muss, ist bei einigen Virtualisierungstechnologien unter Umständen bereits direkt auf dem Hostsystem möglich.

Wachstumsmöglichkeiten und Zusatzfeatures

Wie bei allen Projekten ist es auch bei vServern wichtig, sich Gedanken über mögliches Wachstum zu machen. Je nach eingesetzten Diensten kann der bei einem Standardsystem verfügbare Speicherplatz von 20 bis 40 GByte oder das zur Verfügung stehende RAM schnell knapp werden.Bei den meisten Hostern ist ein Upgrade jedoch problemlos möglich. Um zusätzlichen Platz zu nutzen, kann es bei der Nutzung von Festplattenimages gegebenenfalls erforderlich sein, die Partionen mit entsprechenden Hilfsmitteln zu vergrößern oder Daten auf eine separate Partition zu verlegen. Hier unterstützt der Hoster in der Regel oder bietet gar direkt entsprechende Migrationstools an.

Weitere interessante Zusatzfeatures können beispielsweise die Verfügbarkeit einer „virtuellen Remote-Konsole“ oder einer separaten beziehungsweise integrierten Backuplösung sein. Hier ist es durchaus sinnvoll, sich vor der endgültigen Entscheidung detailliert zu informieren.

Zur Tabelle
Die folgende Tabelle stellt die vServer-Angebote diverser Hoster gegenüber (Stand: August 2009). Dabei wurde jeweils das günstigste Angebot gewählt, das folgenden Minimalanforderungen entspricht:
  • 512 MByte garantierter RAM
  • 20 GB Speicherplatz

Achtung: Der Artikel wurde ursprünglich in t3n Nr. 17 veröffentlicht, die Daten sind möglicherweise nicht auf dem aktuellsten Stand.
Die Tabelle als Download.

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2 Kommentare
Andrej Radonic
Andrej Radonic

Ein Problem, welches ich bei den derzeitigen vServer-Angeboten sehe, ist dass in praktisch allen Fällen nur eine einzige IP-Adresse zur Verfügung gestellt wird ohne die Möglichkeit, weitere hinzuzukaufen. Der Betrieb mehrerer Websites oder Shops mit SSL-Zertifikaten verbietet sich dadurch auf so einem System, was wirklich schade ist.

virtualmachine
virtualmachine

Ich schätze die Technik sehr. Zu den IPs: Meist befindet sich im Auslieferungszustand nur eine dabei. Im Kleingedruckten steht aber oft „Weitere nach RIPE“. Prinzipiell kann dir keiner das Recht nehmen, eine weitere IP zu bekommen. Sie sind ja sozusagen Gemeineigentum.

Bei der Hosterwahl sollte man meiner Erfahrung nach wirklich aufpassen. Viele Glitzerangebote halten nur die Hälfte. Wer gute (qualitativ) Angebote bekommen möchte, sollte auch mal einen Blick in die WHL riskieren.