Im täglichen Einsatz: Ubuntu Linux
Als Grundlage des Artikels dient die aktuelle Ubuntu-Version, die auf den Namen
„Breezy Badger“ (auf Deutsch: Frechdachs) getauft wurde. Ubuntu bietet schon auf den ersten
Blick einige handfeste Vorzüge:
- Ubuntu ist kinderleicht zu
installieren. Obwohl die Installationsroutine des bewährten Debian-Systems mittlerweile überarbeitet wurde, ist ihm
Ubuntu in punkto Benutzerfreundlichkeit um Längen voraus.
Bestehende Betriebssysteme, die neben Ubuntu die Festplatte
bevölkern, werden nicht angetastet; der Ubuntu Installer ist
sogar in der Lage, Windows-Partitionen aller Couleur zu verkleinern
und somit Platz für Linux-Installationen zu schaffen. - Ubuntu basiert auf der vielfach
bewährten Debian GNU/Linux Distribution, die mittlerweile mehr
als zehntausend Softwarepakete anbietet. - Im Gegensatz zu Debian
kommt Ubuntu mit einer überschaubaren Auswahl von
Softwarepaketen daher: Für die Installation genügt eine einzige CD. Ubuntu ist so konzipiert, dass im Lieferumfang der
Basisdistribution für jede Anwendungsaufgabe lediglich ein
bewährtes Programm zum Einsatz kommt. Dadurch werden
insbesondere Einsteiger nicht überfordert. - Ubuntu lässt sich spielend auf aktuellem Stand halten. Dafür sorgt der Ubuntu
Update Manager sowie das Debian Paketsystem. Ein simples „apt-get
upgrade“ aktualisiert alle Pakete, mit „apt-get dist-upgrade“
kann man sogar die komplette Distribution erneuern.
Sie erhalten die jeweils aktuelle
Ubuntu Distribution auf www.ubuntulinux.org/download und auf den dort verlinkten Mirrors. Freundliche Zeitgenossen
bedienen sich des BitTorrent-Downloads, um Bandbreite zu sparen.
Sie können dort auch Live-CDs herunterladen, um Ubuntu erst
einmal ohne Installation zu testen.
Installation
Nachdem das Installationsmedium vom
BIOS erkannt und für bootwürdig befunden wurde, begrüßt
Sie Ubuntu und fordert zu einem beherzten „Enter“ auf. Mit dem gebräuchlichen Druck auf F1 gelangen Sie bei Bedarf in ein
Hilfsmenü. Durch die Eingabe von „server“ können Sie
ein Minimalsystem installieren, das ohne grafische Oberfläche
auskommt. Die nachfolgende Installation verläuft
selbsterklärend. Ein wenig Vorsicht ist bei
der Partitionierung geboten, aber auch hier ist der Ubuntu-Installer
übersichtlich und verständlich, sodass mit ein wenig
Aufmerksamkeit nichts passieren sollte. Bei der Partitionierung haben
Sie sogar die Möglichkeit, Raids oder einen Logical Volume Manager (LVM) einzurichten. Die Installationsroutine ist vollkommen
textbasiert und kommt mit einem Minimum an grafischem Schnickschnack
daher.
Dies ist aber kein Nachteil, da die Installation selbst einem
absoluten Anfänger leicht von der Hand gehen dürfte. Es ist
eine Menge Arbeit in diesen Installer geflossen und man merkt sehr
schnell, dass man für eine einfache und übersichtliche
Installation gar keinen X-Server braucht. Wem die Installation nicht detailliert
genug verläuft, der gibt beim Installationsstart einfach die
Option „expert“ oder „server-expert“ ein. So bekommen Sie
den maximalen Zugriff auf die einzelnen Installationspunkte und
können alle Aktionen einzeln bestätigen und auswählen.
Ubuntu installiert sich problemlos parallel zu vorhandenen
Windows-Installationen. Hierbei ist es belanglos, ob
sich Windows als FAT32 oder NTFS breit gemacht hat. Die ganze
Installation dauert weniger als eine Stunde und belegt knapp zwei Gigabyte Festplattenplatz.
Schon während der Installation
werden Sie eine Besonderheit von Ubuntu kennenlernen, die
„klassische“ Linuxbenutzer zu Anfang verwirren wird: Es wird kein
root-Passwort angelegt. Der Grund ist ein ganz einfacher: Ubuntu
Linux nutzt das Konzept „sudo“. Der
zuerst angelegte Benutzer (also der bei der Installation angegebene)
besitzt root-Rechte, wenn er jedem Befehl der root-Rechte erfordert
ein „sudo“ voranstellt. Das dabei abgefragte Passwort ist das normale
Benutzer-Passwort. Mit einem simplen
„sudo passwd root“ lässt sich ein
klassischer root-Benutzer anlegen, doch ist dies dem ambitionierten
Ubuntu-Benutzer nicht zu empfehlen, da viele grafische
Administrationstools auf sudo zurückgreifen und beim Anlegen
eines „klassischen“ root-Benutzers den Dienst verweigern. Aber keine
Angst: Man gewöhnt
sich schneller daran als man denkt. Besitzer eines Macs werden sich
gar nicht erst umgewöhnen müssen – ihnen ist dieses Konzept
bereits von Mac OS X bekannt. Ubuntu verwendet
GNOME als Standard-Arbeitsumgebung. Wer statt dessen KDE bevorzugt, dem
sei Kubuntu
empfohlen. Sie können, eine schnelle
Internetverbindung vorausgesetzt, auch jederzeit KDE parallel
installieren („sudo apt-get install kubuntu-desktop“) und dann
auswählen, mit welcher Desktop-Umgebung Sie arbeiten möchten.
Das System begrüßt Sie mit warmen Brauntönen – ein
bisschen trist, aber auf jeden Fall nicht so kühl wie bei
anderen Distributionen. Dieses sehr schlichte und aufgeräumte
Human-Theme ist ein Tribut an Afrika, wo der geistige Vater von
Ubuntu, Mark Shuttleworth, lange Zeit gelebt hat. Das Standard-Theme
lässt sich im Handumdrehen ändern und notfalls durch Designs aus
dem Internet ergänzen.
Erster Kontakt
Ubuntu Linux ist
nach einer Standardinstallation ein reines Desktopsystem, es
sind also weder Entwickler-Tools (z. B. Compiler) noch
Servererweiterungen
installiert. Dies alles lässt sich aber dank des komfortablen
APT-Paketmanagements und der grafischen Erweiterung „Synaptic“sehr
schnell nachinstallieren. Bis auf den DHCP-Port sind alle Ports von
Beginn an
geschlossen, sodass keine Angriffe von
außen möglich sind. Da Ubuntu auf einer einzigen CD
daherkommt, mussten Abstriche bei der Paketauswahl gemacht
werden. Es sind beispielsweise nicht alle deutschen Sprachpakete
installiert,
sodass an dieser Stelle manuell nachgearbeitet werden muss. Dies ist nicht
weiter schwer und lässt sich mit wenigen Handgriffen erledigen. Die
nötigen Werkzeuge werden mitgeliefert. Aus rechtlichen
Gründen fehlen ebenso die Codecs zum Abspielen von MP3s oder DVDs. Die Rechtslage für das Anschauen von DVDs auf
dem Computer ist sehr unklar, die MP3-Unterstützung
lässt sich jedoch durch ein simples „sudo apt-get install
gstreamer-mad“ im Terminal nachordern. Findige Naturen
werden aber im Internet auch für das Problem mit den DVDs fündig.
Ganz nach der
Philosophie von Ubuntu, es solle für jeden Zweck nur ein Programm
geben, ist der Desktop von Ubuntu auffallend aufgeräumt.
Selbst der Einsteiger findet sich hier sofort zurecht und wird nicht
mit ausufernden Menüs erschlagen. Als Musikplayer ist Rhythmbox
vorhanden, für Videos jedweder Art der Player Totem, den
Sie allerdings mit „totem-xine“ erweitern sollten. CDs und DVDs
lassen sich ganz einfach mit dem Dateimanager Nautilus brennen, bei
weitergehenden Ansprüchen fällt die Installation von
gnomebaker oder K3b sehr leicht. Zum Surfen im Internet
ist Firefox installiert, für E-Mails Evolution.
Selbst das Erstellen von Audio-CDs geht mit dem integrierten
Programm Serpentine schnell von der Hand. Zusätzlich
ist das gesamte OpenOffice-Paket an Bord, sodass Sie sofort eine
Textverarbeitung und ein Tabellenkalkulationsprogramm zur Hand
haben. Oben rechts auf dem Desktop meldet sich relativ schnell nach
dem ersten Start der Update-Notifier, der Ihnen bekannt gibt, wenn es
Updates für Ubuntu gibt. Bei Updates verhält
sich Ubuntu vorbildlich, allerdings werden nur Sicherheitsupdates, jedoch keine Programmupdates, etwa zum Hinzufügen
neuer Features,
automatisch veröffentlicht. Ubuntu hat sich für diesen Weg
entschieden, da der Release-Zyklus mit einem halben Jahr so kurz ist, dass
man bei aktuellen Ubuntu-Versionen oberste Priorität auf
Stabilität gelegt hat. Es wird versprochen, dass für jedes
Release eineinhalb Jahre lang Sicherheitsupdates zur Verfügung
gestellt werden.
Wenn Sie mehr
Software brauchen, können Sie diese, wie bereits beschrieben,
sehr leicht aus den umfangreichen Repositories nachinstallieren. Hier
gibt es für fast jeden Zweck das geeignete Programm.
Sie können
diese Repositories über Synaptic-Paketquellen ganz einfach
konfigurieren oder die Datei „/etc/apt/sources.list“ manuell editieren.
Sie haben schließlich die Auswahl aus über 20.000 Paketen
und damit die Qual der Wahl – wenn Sie es wünschen. Im Übrigen
ist ein Upgrade der gesamten Distribution ohne weiteres möglich.
Sie müssen hierzu lediglich in der Datei „sources.list“ alle
Bezeichnungen „breezy“ durch den Namen des Nachfolgers, also ab
April „dapper“, ersetzen. Ein anschließendes „sudo
apt-get update“ und „sudo apt-get dist-upgrade“ aktualisiert
dann Ihr altes Ubuntu auf das aktuelle. Dies ist auch schon
während der Entwicklung des Nachfolgers möglich, aber nicht für den produktiven Einsatz empfohlen, sondern
eher für Bastler und Entwickler gedacht. Dennoch ist es schön
zu sehen, dass Ubuntu hier, wie in allen anderen Bereichen, mit offenen Karten
spielt.
Ubuntus Hardwareerkennung funktioniert sehr gut und dürfte an die
von Knoppix heranreichen. Für bequeme Naturen funktioniert sogar
„Plug&Play“. Schließt man beispielweise ein USB-Gerät an, sei
es eine externe Festplatte oder ein Stick, so werden diese Geräte
automatisch eingebunden, ein entsprechendes Icon auf dem Desktop
angelegt und der Dateimanager geöffnet. Wem dieses Verhalten
nicht zusagt, der kann es beeinflussen. Auch
USB-Mäuse und ähnliche Geräte stellen Ubuntu vor kein Problem.
Fazit
Bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe steht mit Dapper Drake (auf
Deutsch: Eleganter Erpel) schon der Nachfolger von Breezy Badger in den
Startlöchern. Das Release vereint die neuesten
Pakete in sich, etwa Gnome 2.14 oder die neueste
x.org-Version. Zum Zeitpunkt der Drucklegung war noch nicht
auszumachen, welche Neuerungen tatsächlich Einzug in das
neue Release halten werden. Alles in Allem bleibt festzuhalten, dass Ubuntu sich als eine sehr einsteigerfreundliche
Linux-Distribution darstellt, die
auch dem fortgeschrittenen Anwender jede Art der Konfiguration und Anpassung an
die eigenen Bedürfnisse auf bequeme Weise ermöglicht.