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UX-Design: So gelingt ­Gamification wirklich

(Foto: Shutterstock/Mark Nazh)

Arbeit, die sich nicht nach Arbeit anfühlt: Gamification sollte es möglich machen. Doch eine Rangliste hier und personalisierte Avatare da machen noch lange kein gutes ­Nutzererlebnis aus. So lautet das ernüchterte Fazit immer öfter, Gamification sei nutzlose Spielerei. Die gute Nachricht: Es geht auch anders – mit Gameful Design.

Wenn es um Nutzerbindung und gute UX geht, wurde in den letzten Jahren gern ein Konzept als Wundermittel gehandelt: ­Gamification. Achievements, Levelsysteme und Ranglisten sollten Software interessanter, spaßiger und beliebter machen.

Als Vater des Begriffs gilt gemeinhin der britische Game-­Designer Nick Pelling. Er verstand Anfang der 2000er Jahre unter Gamification noch die Entwicklung von schnellen, spieleähnlichen User-Interfaces. Das Ziel war hier, elektronische Transaktionen angenehm und schnell zu gestalten – Pelling ging es dabei sowohl um Spaß als auch um Effizienz.

Welches Level der Avatar in „Habitica“ erreicht, spielt keine Rolle für die To-do-Funktionen. Die Spielmechanik ist abgekoppelt von der eigentlichen Verwendung der App und leistet deshalb keine Unterstützung bei der Erledigung von Aufgaben. (Screenshot: Habitica)

Welches Level der Avatar in „Habitica“ erreicht, spielt keine Rolle für die To-do-Funktionen. Die Spielmechanik ist abgekoppelt von der eigentlichen Verwendung der App und leistet deshalb keine Unterstützung bei der Erledigung von Aufgaben. (Screenshot: Habitica)

Mittlerweile bezeichnet Gamification den Ansatz, mit ­Game-Design-Elementen Produkte, Dienstleistungen oder Anwendungen so zu bauen, dass sie mit mehr Freude, Motivation und Engagement genutzt werden. Gamification ist, kurz gesagt, das Anwenden von Spielemechanismen in einem spielefernen Kontext. Dementsprechend ermöglichen sogenannte Gameful Applications das Lösen realer, ernsthafter Aufgaben mit einem guten Schuss spielerischer Unterhaltung.

Klingt eigentlich nach genau den Zutaten, mit denen sich ­Nutzerinnen und Nutzer für die eigene Plattform begeistern lassen – und doch wird mittlerweile oft höhnisch von „Medalification“ gesprochen. Das ernüchternde Fazit lautet, ­Gamification funktioniere nicht. Und nicht nur das: Auch namhafte Spiele­designerinnen und -designer distanzieren sich davon.

Hat sich die Idee verlaufen? Nein. Denn mit Gameful Design gibt es einen alternativen Ansatz, der sich durch seinen Fokus auf die Nutzerbedürfnisse tatsächlich positiv auf die Motivation auswirkt. Dafür ist es wichtig, zu verstehen, wie gute Spiele funktionieren, und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen.

4 Eigenschaften guter Spiele

1. Sie achten die Autonomie der Spielerinnen und Spieler

Damit wir freiwillig Lebenszeit in Spaßzeit umwandeln, müssen Spiele uns motivieren. Wichtig dafür sind Autonomie, Kompetenz und soziale Eingebundenheit. Wenn Nutzerinnen und Nutzer eine Aufgabe ­erledigen, wollen sie sich kompetent fühlen. Sie wollen selbstbestimmt entscheiden, ob und wann sie diese Aufgabe erledigen. Und sie wollen durch das Erledigen dieser Aufgaben soziale Eingebundenheit erleben.

Die gute Nachricht: Explizite Spielelemente braucht es hierfür überhaupt nicht. Die wesentlichen Merkmale eines ­guten Spiels lassen sich bereits durch gutes Anwendungsdesign realisieren, das die Faktoren Kompetenz, Autonomie und soziale Eingebundenheit berücksichtigt.

2. Sie sprechen das intrinsische Belohnungssystem an

Betrachtet man die drei genannten Faktoren, stellt man fest, dass Menschen von sich aus nach ihnen streben – man sagt auch, sie sind intrinsisch motiviert, sie zu erreichen. Dem gegenüber steht die extrinsische Motivation, die versucht, uns mit zugeführten Motivatoren wie Schulnoten oder Geld anzutreiben. Die extrinsische Motivation strebt also nach Belohnung von außen, während bei intrinsischer Motivation eine Tätigkeit in sich selbst ­belohnend wirkt.

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