Startups

Xing-Gründer Lars Hinrichs im Porträt: „Ich befreie Entwickler“

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Interessant ist auch seine Lektion, nur noch Profis einzustellen und sich „nicht für B-Kandidaten zu entscheiden, nur weil es drängt”. Nach der Pleite versucht er, diesen Grundsatz bei seinem nächsten Projekt OpenBC umzusetzen, das er bald darauf beginnt. Über das Netzwerk, das später den Namen „Xing” bekommt, sollen sich Menschen mit ihren Geschäftskontakten vernetzen. Im Jahr 2006, mit 29, bringt er das Unternehmen an die Börse und verkauft seine Anteile drei Jahre später für 48 Millionen Euro an Burda.

Überraschend bunt sieht es in Lars Hinrichs' Büro bei HackFwd aus. Von hier aus fördert er technikgetriebene Startups.
Überraschend bunt sieht es in Lars Hinrichs‘ Büro bei HackFwd aus. Von hier aus fördert er technikgetriebene Startups.

Hinrichs und die Kanzlerin

Welche Faktoren waren dafür entscheidend, dass Xing in relativ kurzer Zeit so erfolgreich wurde? „Ich beantworte keine Fragen mehr zu Xing.” Lars Hinrichs spricht lieber über Gegenwärtiges und Zukünftiges, vielleicht wurde ihm die Frage auch zu oft gestellt. Trotz des Xing-Erfolgs blieb er jedenfalls selbstkritisch. So verriet er dem Handelsblatt in einem Gespräch 2010, dass bei dem Business-Netzwerk eine gewisse Fokussierung gefehlt habe: „Xing wäre vielleicht noch viel größer geworden, wenn wir uns die Zeit genommen hätten, uns genau zu überlegen, mit welchem Angebot wir rausgehen.” [1] Das wollte er bei HackFwd anders machen und hat lange am Konzept gefeilt. Dennoch: Xing gehörte während der Lars-Hinrichs-Ära zu Deutschlands Vorzeige-Startups.

Möglicherweise ist es genau das, was Lars Hinrichs als Unternehmer auszeichnet und ihn zu einem begehrten Gesprächspartner für Gründer, Journalisten und Politiker macht: Er hat eine grandiose Niederlage hingelegt und auch einen grandiosen Erfolg. Für sein Scheitern schämt er sich nicht im Geringsten. Angela Merkel jedenfalls ist von seinem Blick auf das deutsche Unternehmertum so angetan, dass sie sich regelmäßig von ihm beraten lässt und sich mit ihm austauscht. Die Sympathie ist beidseitig: „Mit Angela Merkel haben wir eine smarte Frau an der Spitze, die die Zusammenhänge versteht und sich offen und ehrlich für das Thema interessiert. Sie hat verstanden, was für einen gesellschaftlichen Stellenwert diese IT-Themen haben.“

Ein Problem allerdings könne auch die Politik nur bedingt lösen: das der fehlenden Vorbilder in Deutschland. Hinrichs ist überzeugt, dass dies ein wesentlicher Punkt ist, warum Deutschland keine Weltmarktführer im Softwarebereich hervorbringt. Unternehmertum habe hierzulande einfach nicht denselben Stellenwert wie in den USA, es mangle an der gesellschaftlichen Anerkennung. Die Kultur sitzt eben tief. Von seinen eigenen Vorbildern kommt nur eines aus Deutschland: sein Großvater. Die anderen beiden sind Richard Branson und der US-Industrielle Andrew Carnegie.

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