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Zukunftsforscherin Amy Webb: „Biotech ist das nächste große Ding“

(Foto: Mary Gardella)

Amy Webb gilt als die Grande Dame der Zukunftsforschung. ­Forbes hat sie zu einer der einflussreichsten Frauen in der ­internationalen Techwelt gekürt. Mit t3n spricht sie über das Potenzial von Biotechnologien, die ethischen ­Fallstricke bei künstlicher Intelligenz und darüber, wie sehr der Westen China unterschätzt hat.

225 Tech-Trends auf 250 Seiten hat Amy Webb mit ihrem Team für den diesjährigen Tech Trend Report analysiert. Neben bekannteren Technologiebereichen wie Blockchain und künstlicher Intelligenz finden sich auch Tech-Trends, die nach Science-­Fiction klingen: „Smart Dust“ beispielsweise, mikroskopisch kleine ­Computersensoren, die über die Luft eingeatmet oder eingenommen werden könnten und anschließend Daten verarbeiten – für die Medizin etwa eine aussichtsreiche Technologie oder auch für die Umweltforschung, um beispielsweise die Luftqualität in Testgebieten zu messen.

Webb, die ihre berufliche Karriere als Journalistin beim Wall Street Journal begonnen hat, gründete 2006 das Future Today Institute. Mit ihrem Team berät sie Unternehmen in Technologie­fragen und gibt seit 2007 jährlich den renommierten Tech Trend Report heraus. Sie ist Buchautorin (zuletzt: „The Big Nine: How the Tech Titans & their thinking Machines will change Humanity“) und spricht auf zahlreichen Konferenzen. Bei der diesjährigen SXSW war der Vortragssaal bis auf den letzten Platz gefüllt – und das, obwohl es der größte Veranstaltungsraum der gesamten Konferenz war. t3n hat sie am Rande der Veranstaltung getroffen.

t3n Magazin: Amy, lass uns mit einer kleinen Zeitreise beginnen. Stell dir vor, wir schreiben das Jahr 2040. Was wird sich im ­Alltag der Menschen fundamental verändert haben?

Wir werden keine Smartphones mehr haben, sondern ­Brillen, die wir tragen. Und vermutlich werden wir keine großen, ­unhandlichen Laptops mehr herumschleppen. Eher Geräte, die mit einziehbaren oder faltbaren Screens ausgestattet sind. Das bedeutet, dass viele Geräte, die wir täglich nutzen, anders sein werden. Aber Technologie wird auch in unseren Körper wandern. Eines der wichtigsten Erkenntnisse unserer diesjährigen Studie ist, dass die Biologie sich zur wichtigsten Technologieplattform entwickeln könnte.

t3n Magazin: Kannst du das erklären?

Es gibt zahlreiche Trends im Bereich des programmierbaren Biologischen: beispielsweise smarte Nähte, also Fäden, die mit ­Nanosensoren ausgestattet und mit dem Smartphone oder mit anderen medizinischen Geräten verbunden sind und entsprechende Daten an Patienten, Ärzte oder medizinisches Personal senden – ob etwa ein chemisches Ungleichgewicht im Körper vorhanden ist und eine Infektion droht. Oder Nanohardware zum Herunterschlucken, die eine kontinuierliche Versorgung mit ­Medikamenten gewährleistet, wichtige Daten über die körperliche Gesundheit bereitstellt oder das Gehirn stimuliert. Der Körper wird Daten in Echtzeit liefern, und künstliche Intelligenz den Körperstatus autonom beobachten und kontrollieren. Wenn etwas nicht stimmt, werden wir frühzeitig informiert.

Wenn Amy Webb spricht, dann wird es voll: Die Zukunftsforscherin ist davon überzeugt, dass Biotechnologie der vielleicht wichtigste Zukunfts­trend wird. (Foto: Knight Foundation (CC BY-SA 2.0))

t3n Magazin: Wie werden diese biotechnologischen Entwicklungen die menschliche Gesundheit verändern?

Es ist ja bereits heute schon so, dass die Qualität der medizinischen Versorgung und der Zugriff auf präventive Maßnahmen davon abhängen, in welchem Teil der Welt du lebst. In den USA etwa haben wir eine hervorragende medizinische Versorgung, aber eine miserable Gesundheitsvorsorge. Wenn wir zunehmend Gesundheitstechnologie im Körper haben, werden wir in autonomer Weise eine bessere Vorsorge erreichen können. Gleichzeitig wird unser Körper eine Vielzahl an Daten generieren und diese Daten können von Forschern genutzt werden, um besser zu verstehen, wie der menschliche Körper funktioniert. Stell dir vor, dass all unsere Körper über unsere gemeinsamen Daten in einer Art gigantischem Organismus verbunden sind.

t3n Magazin: Klingt ein bisschen unheimlich.

Ja, das stimmt. Aber es ist auch irgendwie spannend, oder? Ein gigantisches menschliches Netzwerk, verbunden über Daten.

t3n Magazin: Glaubst du denn daran, dass wir in 20 Jahren ein Gehirn-Computer-Interface haben werden, an dem im Silicon Valley unter anderem Facebook und Elon Musk arbeiten?

Das ist eine gute Frage. Bezüglich des Zeitrahmens ist die Frage sehr schwierig zu beantworten. Aber ich sehe jetzt schon vielversprechende Forschungsarbeit dazu, etwa an der Universität in Washington oder der Duke Universität. Und es gibt Fortschritte im Bereich der Optogenetik, ein relativ junges Forschungsfeld der Genetik und der Biologie, das die Kontrolle von genetisch modifizierten Zellen mittels Licht erforscht. Es gibt also extrem viele Aktivitäten rund um Gehirn-Computer-Interfaces. Nissan hat ein relativ neues Projekt gestartet, das erforschen soll, wie man das Gehirn an das Auto anschließen kann.

t3n MagazinUnd das funktioniert?

Das weiß ich nicht, ich kenne das Projekt nicht gut genug. Aber ein Forscher namens Miguel Nicolelis vom Zentrum für Neuro­engineering der Duke Universität hat mit seinem Team eine ­Maschine gebaut, in der ein Affe sitzt, dessen Gehirn an die Steuerungseinheit des Vehikels angeschlossen wird und der nur mit seinen Gedanken das Fahrzeug fährt. Die Frage ist, was es braucht, damit diese Gehirn-Computer-Interfaces in 20 Jahren für uns Menschen wirklich funktionieren. Wir müssen noch so viel mehr über die Funktionsweise des menschlichen Gehirns lernen. Die Technologie mag in der Theorie überzeugen, aber wir werden vermutlich noch immer zu wenig wissen und praktisch testen können – selbst in 20 Jahren. Deshalb wird es vermutlich länger dauern.

t3n Magazin: Apropos Autos. Wann glaubst du, werden autonom fahrende Autos auf unseren Straßen unterwegs sein?

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