Analyse

1-Klick-Bestellungen von Amazon: Warum das Auslaufen des Patents gut ist

Mit einem Klick Bestellungen abschließen: Das Amazon-Patent war für den EU-Markt gar nicht bindend. (Bild: Maxx-Studio / Shutterstock)

Das Amazon-Patent für 1-Klick-Bestellungen ist ausgelaufen. Warum das für den E-Commerce im Zeitalter mobiler Endgeräte Vorteile bringen kann und weshalb es dennoch bislang kaum jemand vermisst hat.

Schon als Ende der 90er Jahre Amazon das Patent für die 1-Klick-Bestellung zunächst in den USA für sich reklamierte, waren viele Konkurrenten empört darüber, dass man sich eine so allgemeine und weitreichende Funktion patentieren lassen kann. In der Tat mussten Website-Betreiber, die eine ähnlich schnelle Kaufabwicklung sicherstellen wollten, damals wie heute Lizenzgebühren an Amazon zahlen, was (auch) dazu führte, dass kaum jemand auf die Technik setzte. Doch das ist Geschichte: Dieser Tage lief das Patent aus und kann aus rechtlichen Gründen auch nicht weiter verlängert werden.

Amazon-Patent läuft aus – und alle können die Technik weiterentwickeln

Für Online-Händler bedeutet das, dass sie in Zukunft ihre eigenen 1-Klick-Anwendungen im Bereich der Bestellabwicklung und des Streaming-Kaufs entwickeln können. Das ist nicht nur für die Amazon-Konkurrenten ein echter Fortschritt – schließlich führt es aller Wahrscheinlichkeit nach zu höheren und schnelleren Umsätzen, gerade im Mobile-Bereich (quasi „im Vorbeigehen“) –, sondern auch für Amazon gut. Denn bekanntermaßen führen Technologien und Workflows, die jeder verwenden kann, zu Innovationen, die wiederum dem Erfinder gut tun und mit denen er selbst die eigene „Erfindung“ auf ein neues Niveau bringen kann.

Für Jeff Bezos ist das Auslaufen des Patents indes kein Beinbruch: Er hat schon vermeldet, dass es Amazon um nicht mehr und nicht weniger als das optimale Einkaufserlebnis gehe – und das ist ja deutlich mehr als die 1-Klick-Bestellung.

Deutsche Online-Händler haben 1-Klick-Bestellung wie bei Amazon nicht vermisst

Dennoch ist das nur die halbe Wahrheit: Denn die 1-Klick-Bestellung wäre zumindest in der EU bereits seit einer Gerichtsentscheidung von 2011 erlaubt gewesen, weil eben, anders als in den USA, dieses Patent hierzulande nicht anerkannt wurde. Dennoch hat keiner der großen E-Commerce-Händler diese Funktion seitdem genutzt.

Hinzu kommt, dass die Anwendungen, die sich hieraus ergeben, in der Tat erst jetzt angesichts der weiten Verbreitung von Mobile Commerce wichtiger werden, insofern in der Vergangenheit auch die Relevanz dieses Patents für den EU-Markt gar nicht gegeben war. Heute sind dagegen viele Anwendungen denkbar, die aber vor allem mit Mobile Commerce in Zusammenhang stehen: Essensbestellung von unterwegs, Medikamente, die kurzfristig aus einer Online-Apotheke kommen sollen, spontan benötigte Dinge, die per 1-Klick-Bestellung geordert und einmal am Tag gesammelt verschickt werden, sobald ein bestimmter Mindestbestellwert erreicht ist, der eine solche Vorgehensweise rechtfertigt.

All das geht einher mit den logistischen Anforderungen, die erfüllt sein müssen: Wirklich sinnvoll ist eine solche Bestellung vor allem bei schnell verfügbaren Artikeln, die entweder im lokalen Umfeld zugestellt werden oder bei Same-day-delivery durch die Paketdienste. Hier werden wir gerade in den nächsten Jahren die eine oder andere spannende Anwendung sehen. Ob die dann allerdings noch mit buchstäblich einem Klick aufgerufen wird, ist fraglich. Schließlich sind wir dank digitaler Assistenzsysteme schon mindestens einen Schritt weiter.

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2 Kommentare
LaMue
LaMue

Die zukünftige Entwicklung bleibt spannend.

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Klaus Hamper
Klaus Hamper

1-Klick-Kauf ist toll.

Ich drücke auf einen Knopf und habe einen Fernseher für 2000€ bestellt.

Mal versucht bei der Deutschen Post eine Briefmarke zu kaufen?

Da klickt man für 0,70€ gefühlt 10 mal, muss sich bei 2 Diensten anmelden und darf sich dann echt als Neulanderoberer fühlen, wenn man das Märkchen ausgedruckt hat!

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