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49-Euro-Ticket im EU-Vergleich: Wie machen die anderen das mit dem ÖPNV?

Die Bedeutung des öffentlichen Verkehrs wächst. Nach dem Erfolg des 9-Euro-Tickets soll das 49-Euro-Ticket Anfang 2023 starten. Aber wie machen die anderen EU-Länder das mit dem ÖPNV und Fernverkehr?

Von Salla-Noora Kokkonen
5 Min. Lesezeit
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49-Euro-Ticket: Wie machen die anderen EU-Länder das mit dem ÖPNV? (Foto: ReginaPivetta / Shutterstock.com)

Begünstigter oder sogar kostenloser öffentlicher Verkehr? Wir vergleichen für euch einige günstige beziehungsweise kostenlose ÖPNV-Angebote innerhalb der EU. Wie sehen sie im Vergleich zum 49-Euro-Ticket aus? Was waren die Folgen des günstigeren ÖPNV-Angebots?

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Estland

In der Hauptstadt Estlands gibt es seit 2013 kostenlosen öffentlichen Nahverkehr für die Einwohner:innen der Stadt. Tallinn gilt damit als die erste Hauptstadt in Europa mit einem kostenlosen ÖPNV.

Laut Allan Alaküla, dem Hauptentwickler von Tallinns kostenlosem ÖPNV, ist ein Viertel der Tallinner:innen erst gegen die Idee eines kostenlosen ÖPNV gewesen. Ihm zufolge hatten die Gegner:innen befürchtet, dass die kostenlose Nutzung die Unruhe und die Kriminalität im öffentlichen Verkehr erhöhen würde. Fünf Jahre nach der Einführung befürworteten laut Umfragen mehr als 90 Prozent der Tallinner:innen den kostenlosen öffentlichen Nahverkehr.

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Während Tallinn durch diese Umstellung Gewinne erzielt hat, haben die umliegenden Städte finanzielle Verluste erlitten: Zwischen 2013 und 2018 sind etwa 35.000 Menschen aus anderen Gemeinden nach Tallinn gezogen. Mit den neuen Steuerzahler:innen hat Tallinn mit kostenlosen öffentlichen Verkehrsmitteln in diesem Zeitraum jährlich bis zu 20 Millionen Euro Gewinn gemacht. Gleichzeitig haben aber die umliegende Städte Steuergewinne verloren.

Darüber hinaus begannen im Juli 2018 mehrere Städte in Estland, dem Beispiel der Hauptstadt zu folgen und ihren Einwohner:innen kostenlose ÖPNV anzubieten. Den Berichten zufolge führte dies aber nicht zu den gleichen Ergebnissen wie in Tallinn: Obwohl die Nachfrage nach ÖPNV stieg, nutzt mehr als die Hälfte der Pendler:innen weiterhin ein Auto. Und da dies alles mit Steuergeldern finanziert wird, ist nicht sicher, wie lange sich Estland das außerhalb Tallinns noch leisten kann.

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Frankreich

2018 hat die französische Stadt Dünkirchen ihre öffentlichen Verkehrsmittel kostenlos gemacht. Finanziert wird dies durch eine leichte Erhöhung der Gewerbesteuer.

BBC berichtet, dass diese Umstellung laut einer Umfrage dazu geführt hat, dass die Passagierzahlen unter der Woche um 60 Prozent gestiegen sind und sich am Wochenende verdoppelt haben. Die Hälfte der befragten Bürger:innen gab an, den Bus heute deutlich häufiger zu nutzen als früher. Rund fünf Prozent der Befragten gaben an, wegen des kostenlosen ÖPNV entweder ihr Auto verkauft oder sich gegen den Kauf eines Zweitwagens entschieden zu haben.

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Luxemburg

Seit März 2020 können sowohl Einwohner:innen als auch Tourist:innen den luxemburgischen öffentlichen Nahverkehr kostenlos nutzen. In Luxemburg wird der kostenlose öffentliche Transport ebenfalls über Steuergeld finanziert. Das war ein Bestandteil des Wahlprogramms der drei Koalitionsparteien, die seit Oktober 2018 die luxemburgische Regierung bilden.

Laut der offiziellen Website des Landes gilt dies für Züge, Busse sowie Straßenbahnen. Nur wer in der ersten Klasse mit der Bahn fahren oder über die Grenzen nach Deutschland, Frankreich oder Belgien reisen möchte, muss eine Fahrkarte kaufen.

Da der kostenlose ÖPNV etwa zeitgleich mit Beginn der Pandemie eingeführt wurde, ist es sehr schwierig, eine verlässliche Aussage über die Veränderungen der Fahrgastzahlen zu treffen. Laut der offiziellen Website von Luxemburg soll das nächste globale Monitoring im Jahr 2023 erfolgen. Dann sollte klarer werden, was sich durch den kostenlosen ÖPNV verändert hat.

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Malta

Auch in Malta kann man seit dem 1. Oktober 2022 kostenlos mit dem öffentlichen Nahverkehr fahren – allerdings gilt dies nur für die Einwohner:innen; Tourist:innen müssen weiterhin die regulären Tarife bezahlen. Zuvor war der ÖPNV bereits für 14- bis 20-Jährige, Studierende ab 21 Jahren, Menschen mit Behinderung und über 70-Jährige kostenlos.

Passagiere müssen beim Einsteigen in den Bus weiterhin ihre Tallinja-Reisekarte vorweisen. Laut Transport Malta wird die personalisierte Tallinja-Karte deshalb beibehalten, da sie wertvolle statistische Informationen liefert, die den Behörden helfen können, den Service zu verbessern. Dadurch können sie unter anderem die Anzahl der Passagiere nachverfolgen. Es wird allerdings erwartet, dass die Maßnahme zu einer Erhöhung der Zahl der Passagierfahrten führen wird.

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Spanien

In Spanien werden kostenlose Monatsfahrkarten angeboten, um die Lebenshaltungskosten zu senken und mehr Menschen zur Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel zu ermutigen. Diese wurde Anfang dieses Jahres eingeführt und soll bis Dezember 2023 andauern. Auch Tourist:innen können das Angebot nutzen.

Am Anfang haben viele das System genutzt, indem sie mehrere Reservierungen zu unterschiedlichen Zeiten gebucht haben. Da die Züge jetzt kostenlos sind, bedeutete dies, dass es keine finanziellen Strafen für die Nichtnutzung der gebuchten Fahrten gab.

Diese sogenannte Geisterreservierungen ließen die Züge bis zu zehn Tage im Voraus so aussehen, als wären sie voll besetzt. Dies führte zu Kritik von Pendler:innen, die keinen Sitzplatz buchen konnten, aber ihren üblichen Zug nur halb besetzt vom Bahnhof abfahren sahen.

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Aus diesem Grund hat der Bahnbetreiber die Fahrgäste auf zwei Hin- und zwei Rückfahrten beschränkt, um dem Problem vorzubeugen.

Die ökologischen und sozialen Auswirkungen dieser kostenlosen Mehrfahrtenkarten werden 2023 bewertet, um zu sehen, ob es sich lohnt, das Programm fortzusetzen.

Gescheiterte Projekte

Einige andere Länder haben in der Vergangenheit ebenfalls versucht, kostenlosen ÖPNV anzubieten. Ein beliebtes Beispiel ist die belgische Stadt Hasselt: Die Stadt wurde berühmt, als sie schon 1997 den kostenlosen öffentlichen Nahverkehr einführte. Die Bürger:innen von Hasselt durften bis 2013 kostenlos mit Bus und Bahn fahren. Das Konzept wurde daraufhin wieder eingestampft, weil die Kosten auf Dauer zu hoch waren.

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Der kostenlose ÖPNV ist auch in Deutschland kein neues Konzept: Schon 1998 führte die brandenburgische Stadt Templin kostenlose Busfahren ein. Der Finanzierungsplan ging nicht lange auf und 2003 endete die kostenlose Nutzung des ÖPNV wieder. Heute zahlt man dort allerdings nur 44 Euro für eine Jahreskarte.

Wie geht es weiter?

Günstigere oder sogar kostenlose öffentliche Verkehrsmittel werden immer beliebter. Um die steigenden Spritkosten auszugleichen und die globale Erwärmung zu reduzieren, machen immer mehr europäische Länder und Städte den ÖPNV kostenlos, und dieser Trend wird sich wahrscheinlich auch fortsetzen.

In der Vulkaneifel gibt es Gespräche über einen kostenlosen ÖPNV. Vorgeschlagen wurde, dass Schüler.innen, Auszubildende, Studierende sowie Senior:innen über 65 zwei Jahre lang die Busse im Landkreis kostenlos nutzen können. Ziel ist es, den ÖPNV attraktiver zu machen. Der zuständige Bezirksausschuss muss nun unter anderem über die Finanzierung des Projekts beraten. Die Vertreter:innen des Verkehrsverbundes Region Trier haben erstmal von dem Pilotprojekt abgeraten. Das Projekt befindet sich allerdings noch in der Planungsphase und es könnte zwei Jahre dauern, bis das Pilotprojekt starten kann.

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In Deutschland soll das 49-Euro-Ticket voraussichtlich Anfang 2023 eingeführt werden.

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