Analyse

5 Tech-Trends, die unsere Welt verändern

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2. Blockchain und Kryptowährungen

Es gibt vermutlich wenige technische Begriffe, die gleichzeitig so bekannt sind und von denen dennoch nur so wenige wissen, was sie eigentlich genau bedeuten, wie der Begriff Blockchain. Dabei ist die grundlegende Funktion einer Blockchain zunächst sehr einfach: Es handelt sich um eine Form der Datenbank, in der Informationen gespeichert werden. Anders als bei einer herkömmlichen Datenbank werden die Informationen aber nicht zentral gespeichert, sondern in einem Netzwerk von Teilnehmern, die ihre Rechenkraft einbringen, um die Integrität der Daten abzusichern. Das macht die Datenbank robust gegen Fehler, Ausfälle und Fälschungen.

Damit hat eine Blockchain immer dann Vorteile gegenüber einer zentral gespeicherten Datenbank, wenn es um Ausfallsicherheit und Vertrauen in die Daten geht, was Blockchains insbesondere für den Finanzbereich interessant macht. Die bekannteste Blockchain ist nach wie vor die Kryptowährung, die dem Prinzip zum Durchbruch verholfen hat: der Bitcoin. Als zweite große Kryptowährung hat sich das Ethereum-Netzwerk etabliert, das über die Blockchain geschlossene „Smart Contracts“, also Verträge, erlaubt. So kann mit dem Verschicken von Ether – der Währung von Ethereum – eine bestimmte Aktion ausgelöst werden, wie etwa das Öffnen eines Fahrradschlosses oder eines Autos, das der Geldsender damit mietet. Theoretisch sind damit Geschäftsmodelle wie Airbnb oder Uber auf dezentraler Basis möglich.

Blockchain-Technologien befinden sich derzeit – ebenso wie darauf basierende Kryptowährungen – auf einem Hype-Höhepunkt. Allein die fünf größten Kryptowährungen Bitcoin, Ether, Bitcoin Cash, Ripple und Litecoin bringen es auf eine Marktkapitalisierung von derzeit mehr als 132 Milliarden US-Dollar.

Das sind die fünf wertvollsten Krypto-Währungen der Welt
Immer noch unbestritten die Nummer eins unter den Kryptowährungen: Bitcoin mit einer Marktkapitalisierung von rund 280 Milliarden US-Dollar. (Stand: Anfang Dezember 2018) (Foto: Shutterstock/Julia Tsokur)

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Mit den sogenannten ICOs (Initial Coin Offering, angelehnt an den englischen Begriff IPO für einen Börsengang) und Token Sales gibt es auch bereits die erste „Killer-Applikation“ für Smart Contracts: Insbesondere Ethereum wird seit etwa einem Jahr massenhaft dazu genutzt, um immer wieder neue „Tokens“ per Crowdfinanzierung auszugeben – die Grenze zum Betrug ist dabei teilweise fließend. Dadurch fließt immer mehr Geld in den Kryptomarkt – in eine immer länger werdende Liste von Kryptowährungen und Tokens. Die Website coincap.io listet aktuell mehr als 800 Kryptowährungen mit einer Gesamtmarktkapitalisierung von rund 165 Milliarden Dollar auf – von Bitcoin bis „Caliphcoin“, mit einer Marktkapitalisierung von ganzen 163 Dollar. Coinmarketcap.com kennt aktuell sogar rund 1.100 Kryptowährungen.

Blockchain: Was bringt die Zukunft?

Das Wesen des Internets ist das Teilen von Informationen – mit dem Durchbruch der Blockchain-Technologie in Form von Bitcoin wurde eine Art digitaler Besitz erschaffen: Informationen, die sich eben nicht beliebig kopieren lassen, sondern immer nur ein einziges Mal vorhanden sind. Damit wurde Bitcoin mit seiner insgesamt gedeckelten Gesamtmenge von maximal 21 Millionen Bitcoin zum digitalen Gold des Internets, das als Währung, aber vor allem auch als Wertanlage und Spekulationsobjekt genutzt wird.

Der Währungseigenschaft von Bitcoin setzt dabei der Technik enge Grenzen: Die Gebühren für Transaktionen sind in den vergangenen Monaten in beträchtliche Höhen geschossen – bis zu rund sechs Euro pro Transaktion in Spitzenzeiten. Zum Bezahlen eines Burgers sind Bitcoin daher schon lange nicht mehr geeignet. Der Betrieb allein des Bitcoin-Netzwerks verschlingt derzeit mehr als 16 Terawattstunden pro Jahr an Strom. Zum Vergleich: Ein typisches Atomkraftwerk in Deutschland kam auf eine Leistung von rund 10 Terawattstunden im Jahr. Ein Atomkraftwerk reicht also nicht mehr aus, um das Bitcoin-Netzwerk mit Strom zu versorgen.

Auch das von manchen als „Blockchain 2.0“ bezeichnete Ethereum hat seine Probleme: Das Projekt kämpft mit Hacks, die laut Kritikern auch in der grundlegenden Architektur von Ethereum begründet liegen. Zahlreiche der Projekte versuchen daher so etwas wie eine „Blockchain 3.0“ zu erschaffen, die die Probleme von Bitcoin und Ethereum lösen – und sammeln das Geld dafür von der Crowd in Form von ICOs ein.

In der Regel  streben die Projekte an Blockchains zu erschaffen, die deutlich mehr Transaktionen pro Sekunde und eine sichere Methode für Smart Contracts bieten. Hier ist noch völlig offen, welche Technologie sich durchsetzt. Die Herausforderer tragen Namen wie IOTA und EOS. IOTA nennt seinen Ansatz, der die Blockchain ersetzen soll, „Tangle“, eine Art Blockchain „ohne Blöcke und Chain“, wie es ein IOTA-Entwickler ausdrückte. Das soll das System gebührenfrei und so leichtgewichtig machen, dass es für das Internet of Things (IoT) praktisch nutzbar wird.

Neben der Funktion als technische Basis für digitales Gold ist die Blockchain vor allem für alle möglichen Geschäftsmodelle interessant, bei denen eine dezentral gespeicherte, robuste Datenbank von Vorteil ist. Damit die Blockchain-Technologie funktioniert, muss allerdings ein Anreiz geschaffen werden, dass ein möglichst verteiltes Netzwerk Rechenkraft einbringt – bei Bitcoin funktioniert das über ein Belohnungssystem für die sogenannten Miner, die für das Einspeisen ihrer Rechenkraft zur Absicherung der Blockchain mit Bitcoin aus Transaktionsgebühren und neu erschaffenen Bitcoin belohnt werden.

Noch ist offen, wie viele solcher auf Blockchain-Technik basierender Geschäftsmodelle wirklich entstehen. In vielen Modellen wie einem dezentral organisierten Airbnb oder Uber ist fraglich, welchen konkreten Nutzen der Kunde eines solchen Netzwerks gegenüber den zentralen Plattformen wie Airbnb oder Uber wirklich hätte und entsprechend, ob sich das Blockchain-Modell hier wirklich durchsetzt. Technisch haben vor allem Banken und andere Finanzinstitutionen Interesse an der Blockchain als besonders robuste Form der Datenbank.

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2 Kommentare
Robin
Robin

Bitte schreibt IOTA richtig.
„Die Herausforderer tragen Namen wie IOATA und EOS. IOATA nennt seinen Ansatz, der die Blockchain ersetzen soll, „Tangle“, …“

Antworten
Stephan Dörner

Danke für den Hinweis, ist korrigiert.

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