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5G: Chef von Hannover Messe spricht sich für eigene Netze der Industrie aus

Hannover-Messe-Chef Jochen Köckler. (Foto: dpa)

Viele Unternehmen wollen nicht auf den Ausbau der öffentlichen 5G-Netze warten. Jetzt spricht sich auch der Chef der Hannover-Messe für eine eigene Netzinfrastruktur aus. 

Der Aufbau industrie-eigener 5G-Netze könnte Unternehmen nach Ansicht des Deutsche-Messe-Chefs Jochen Köckler mehr Flexibilität geben. Auch für Messegesellschaften seien sie sinnvoll, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Im Vorfeld der Hannover Messe meinte er mit Blick auf die industrielle Nutzung des neuen Mobilfunkstandards: „Eigene 5G-Netze zu betreiben, ist für Unternehmen oder Messegesellschaften durchaus sinnvoll, weil man dann letztlich dieses Netz selbstständig betreiben kann.“

In der Tat ist das Interesse daran, dass sich Firmen eine eigene 5G-Infrastruktur aufbauen und sichern, verständlich. Zum einen lassen sich so Sicherheits- und Compliance-Anforderungen gerade im Produktivbetrieb besser umsetzen und zum anderen können vor allem Unternehmen im ländlichen Raum nicht damit rechnen, dass sie im Rahmen des Netzausbaus durch die Provider zeitnah bedacht werden. Hinzu kommt: Unternehmen mit größeren Produktionsstandorten können angesichts der großen benötigten Dichte an Verteilerstellen nicht davon ausgehen, dass sie an jedem Ort des Firmengeländes entsprechende Einrichtungen vorfinden werden.

Doch es gibt auch etliche Argumente, warum ein eigenes Netz für große Unternehmen keine gute Idee ist: Einerseits könnte das den Netzausbau der öffentlichen Netze verzögern, zum anderen dazu beitragen, dass bestimmte Gegenden sich für ein von den Providern ausgebautes Netz gar nicht mehr lohnen. Das hätte dann zur Folge, dass der Privatkunde gerade im ländlichen Raum auf der Strecke bliebe. Darüber hinaus würde die Zeche der Endkunde, respektive der Steuerzahler, zahlen – zum einen durch den langsameren Netzausbau, zum anderen aber auch durch niedrigere Erlöse bei der aktuell stattfindenden Frequenzauktion. Denn gerade für die großen Mobilfunkprovider sind die Firmenkunden wichtige „sichere“ Abnehmer der neuen Technologie.

Ob übrigens gerade die Deutsche Messe mit einer eigenen Netzinfrastruktur besser fahren würde, ist unklar. Denn ein solcher Betrieb mit einer schwankenden Auslastung, wie er in diesem Fall benötigt würde, ist nicht trivial, wie ein Experte eines großen Mobilfunkproviders auf Nachfrage erklärt. Zu befürchten stünde außerdem, dass Messebesucher und Standbetreiber hier zusätzlich zur Kasse gebeten werden könnten. Für eine Messegesellschaft, die nur an ein paar Tagen im Jahr überhaupt Betrieb hat, wäre das ein schwer umsetzbares Unterfangen.

Unternehmen sehen 5G-Netze als geschäftsrelevant

Firmen sind im Zuge der Vernetzung von Maschinen und Geräten in der Produktion auf schnelle Datennetze auch im Mobilfunk angewiesen. Aus der Automobilbranche gibt es dabei Überlegungen, selbst Betreiber dieser Funktechnologie im Produktionsbereich zu werden. Die VW-Tochter Audi hat bereits gemeinsam mit dem Ericsson-Konzern ein eigenes 5G-Testfeld für die Automobilfertigung angekündigt. Und auch andere Großkonzerne unterschiedlicher Sektoren (so auch die Deutsche Bahn) denken mehr oder weniger laut über eigene 5G-Infrastrukturen nach.

Der neue Funkstandard 5G treibt die ganze Telekommunikationsbranche um. Auf der Messe wird sich nach Köcklers Angaben auch China groß bei dieser Technologie präsentieren. Zuletzt wurde diskutiert, ob sich chinesische Unternehmen wie Huawei am Aufbau des 5G-Netzes beteiligen dürfen. Die Sorge ist, dass über technische Möglichkeiten Informationen abgefangen werden – und somit die Gefahr von Industriespionage besteht. Dabei stand eine Drohung der USA im Raum, dass Geheimdienstinformationen nicht mehr ausgetauscht werden könnten, wenn Huawei oder andere chinesische Anbieter beim Aufbau des 5G-Netzes in Deutschland beteiligt würden.

In der Tat könnte es sich gerade für Unternehmen rächen, dass es so gut wie keine heimische Industrie im Bereich der Netzinfrastruktur mehr gibt. Denn egal, ob eigenes Industrienetz oder öffentliche 5G-Netze: Die Gefahr von ungewolltem Datenaustausch (selbst im Sinne aggregierter Daten, die keinen Rückschluss auf einzelne Nutzer zulassen) und Industriespionage ist nicht von der Hand zu weisen. Und Unternehmen, die auf große Datenmengen angewiesen sind, um die Produktion im Industrie-4.0-Umfeld zu realisieren, benötigen 5G-Netze deutlich früher als der Endkunde. Dennoch ist auch im industriellen Umfeld entsprechende Übertragungs- und Empfangstechnik erst im Entstehen, wie Beobachtungen anlässlich des Mobile World Congress im Februar zeigen.

Mit Material der dpa

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Ein Kommentar
Titus von Unhold
Titus von Unhold

„Dabei stand eine Drohung der USA im Raum, dass Geheimdienstinformationen nicht mehr ausgetauscht werden könnten, wenn Huawei oder andere chinesische Anbieter beim Aufbau des 5G-Netzes in Deutschland beteiligt würden.“

Klingt eher nach einem Versprechen.

„Die Gefahr von ungewolltem Datenaustausch (selbst im Sinne aggregierter Daten, die keinen Rückschluss auf einzelne Nutzer zulassen) und Industriespionage ist nicht von der Hand zu weisen.“

Doch, weil Huawei nämlich kein Problem damit hat seinen Code offen zu legen. Im Gegensatz zu den Netzausrüstern aus den USA, von denen man weiß dass sie Backdoors eingebaut, bzw. nicht aktiv verhindert haben.

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