Du hast deinen AdBlocker an?

Es wäre ein Traum, wenn du ihn für t3n.de deaktivierst. Wir zeigen dir gerne, wie das geht. Und natürlich erklären wir dir auch, warum uns das so wichtig ist. Digitales High-five, deine t3n-Redaktion

Analyse

5G-Technik: Warum eigene Netze für Unternehmen keine gute Idee sind

Die Automobilindustrie will eigene 5G-Netze. Doch das ist eine schlechte Idee, die uns allen schaden könnte. (Bild: BMW)

Es war bereits seit längerer Zeit im Gespräch – jetzt haben VW, Daimler und BMW angekündigt, dass sie auf ihrem Werksgelände eigene 5G-Netze einrichten wollen. Doch solche Eigenmächtigkeiten könnten das gesamte 5G-Geschäft für die Provider weniger attraktiv machen.

Die Automobilindustrie hat naturgemäß ein großes Interesse an der 5G-Techologie. Wohl kaum eine Branche ist für ihre Produkte stärker darauf angewiesen, dass es zeitnah ein flächendeckendes zuverlässiges Netz gibt, und benötigt gleichzeitig an den Produktionsstätten entsprechende Internetressourcen. Jetzt haben VW, Daimler und BMW gegenüber der Netzagentur angekündigt, man sei an lokalen 5G-Lizenzen „hoch interessiert“.

Offiziell ist die Begründung, man wolle die eigene Infrastruktur deswegen entwickeln, weil man nur so in der Lage sei, diese wirklich abzusichern. In der Praxis geht es aber noch um etwas anderes: Die Unternehmen wollen die Lizenzen möglichst günstig, was den Telekommunikationsprovidern naturgemäß gar nicht gefällt, die im Rahmen eines Vergabeverfahrens hierfür bezahlen müssen und in einem Bieterwettbewerb aller Voraussicht nach einen höheren Preis entrichten werden.

Automobilkonzerne wollen Sonderweg bei 5G

Die Automobilkonzerne sehen sich dabei gerne als die lokalen Betreiber, an die ein Teil der Frequenzen vergeben werden soll. Damit meinte die Bundesnetzagentur allerdings eher lokale Telekommunikationsunternehmen als weltweite Konzerne, die ihr eigene Süppchen kochen wollen. Das Handelsblatt hat entsprechende Papiere zitiert, wonach die Autohersteller sich in Sachen 5G-Versorgung nicht auf die Telekommunikationsanbieter verlassen wollen. Dass sie das wollen, ist verständlich – denn so oder so müssten sie ansonsten für die zur Verfügung gestellte Infrastruktur deutlich mehr bezahlen: entweder an die Betreiber oder aber zumindest an den Staat für die Nutzung der Frequenzen.

Den Telekommunikationsanbietern würde das umgekehrt richtig weh tun – denn sie entwickeln ihr Geschäftsmodell nicht bloß auf der Basis bestimmter Kundenzahlen und Gerätezahlen auf der Seite der Privatkunden, sondern haben natürlich insbesondere in den ersten Jahren die Unternehmensnetze und die IoT-Infrastruktur, die jedes Unternehmen im Rahmen der Industrie 4.0 brauchen wird, mit eingeplant. Anders als bisheriges Internet der dritten und vierten Generation ist 5G nämlich nicht bloß eine Möglichkeit zur Kommunikation, sondern die Grundlage für eine Vielzahl von Anwendungen rund um die Industrie 4.0. Jede Maschine, jeder Sensor im Unternehmen, jedes Monitoring-Tool werden in Zukunft eigene 5G-fähige Geräte sein.

Schon aus dieser Warte ist es für die Durchsetzung eines bundesweiten 5G-Netzes hinderlich, wenn jetzt große Unternehmen ihre eigenen Netze aufbauen. Abgesehen davon, dass die fehlenden Frequenzen, die die Provider aber ohnehin für lokale Anbieter hätten abtreten müssen, ins Gewicht fallen – auch wenn es sicher nicht flächendeckend in Deutschland lokale Anbieter gegeben hätte. „Es tut uns weh, wenn 25 Prozent eines Spektrums im 3,4- bis 3,8-Gigahertz-Bereich für uns nicht freigeben sind – dadurch fehlt uns Bandbreite und Kapazität“, sagte Walter Goldenits, Geschäftsführer Technologie gegenüber der FAZ.

Und da ist noch ein weiterer Faktor: Denn gerade die Automobilunternehmen müssten daran interessiert sein, dass es möglichst schnell ein möglichst flächendeckendes 5G-Netz in Deutschland gibt. Schließlich sind sie es, die mit IoT-Anwendungen in Autos Geld verdienen. Die Bundesregierung, respektive die Bundesnetzagentur, sollte die Großkonzerne hier nicht auskommen lassen. Denn wenn erst einmal Volkswagen, Daimler und BMW Sonderregelungen erzielt haben, werden andere Unternehmen nachziehen – Branchen, die aus Diskretionsgründen eigene Netze wollen, gibt es schließlich viele: von der Chemie über den Maschinenbau bis zu den Banken und Versicherungen.

Teurer wird's dann für alle Kunden

Zahlen würde die Zeche unterm Strich der Steuerzahler: zum einen direkt durch geringere Erlöse beim Verkauf der Lizenzen, zum anderen durch höhere Preise für die 5G-Technik in der eigenen Anwendung (der Provider muss ja schließlich sein Geschäftsmodell dann ohne die Industrie dargestellt bekommen) und nicht zuletzt durch deutlich langwierigere Ausbauphasen, insbesondere im ländlichen Raum.

Davon mal abgesehen gibt es noch einen weiteren Verlierer: all jene mittelständischen Unternehmen, die ebenfalls auf IoT-Strukturen und 5G-Netze angewiesen sind, möglicherweise noch in der Provinz sitzen, wo der Ausbau sich aus vielerlei Gründen ansonsten nicht lohnt und durch die Eigenmächtigkeit der Großkonzerne auf der Strecke bleiben könnten.

Das könnte dich auch interessieren:

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Eine Reaktion
Titus von Unhold

Kann es sein dass der Autor die Intention der Automobilhersteller vollkommen Missverstanden hat? Offensichtlich geht es um eine Lösungen ala Betriebsfunk, die nicht der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen soll. Daher ist alles Geschriebene nach dem dritten Absatz vollkommen am Thema vorbei und hat keinen Einfluss auf die Telkos.

Antworten

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.