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Interview

Linkedin-Gründer: Das ist das Geheimnis eines schlagkräftigen Teams

Allen Blue, Vice President Product Management bei Linkedin, prophezeit: "In einigen Jahren wird es keinen Job mehr ohne technischen Background geben." (Foto: Linkedin)

Wer macht in Zukunft Karriere und warum? Der Linkedin-Gründer erzählt, was die Daten verraten, warum für Gründer heute vieles einfacher ist als vor 15 Jahren und was ein gutes Team ausmacht.

Allen Blue, der vor rund 15 Jahren zusammen mit Reid Hoffman Linkedin gründete, kommt entspannt zum Interview, obwohl sein Terminkalender mehr als voll sein dürfte. Am Vortag habe er noch in Berlin bei Zalando und einigen anderen großen Unternehmen reingeschaut, heute eine Keynote gehalten und in den nächsten Tagen wolle er noch einige deutsche Internetunternehmer treffen und kennenlernen.

Doch Zeit nimmt sich der Vice President Product Management vor allem dann gerne, wenn es ums Thema Datenanalyse geht. Wenn er über die Chancen sprechen kann, die die Auswertung des riesigen Datenschatzes von Linkedin bietet. Auf Basis des von ihm mitentwickelten Economic Graph berät das Unternehmen inzwischen Arbeitgeber und Verwaltungen über die richtigen Schritte zur Mitarbeiterbindung und Ansiedlung von Branchen.

t3n.de: Allen, deine beruflichen Wurzeln liegen eigentlich im Theater, wo du als Bühnenbildner gearbeitet hast. Von dort ins Silicon Valley zu wechseln und ein Internetunternehmen zu gründen, ist ja nicht ganz naheliegend. Wie kam es dazu?

Meine erste große Liebe waren Computer. Das geht zurück bis ins Jahr 1981, wo ich einen Apple IIe hatte. Dann kamen im Laufe der Jahre andere Interessen dazu, beispielsweise das Theater. Ich habe nach dem College für sieben Jahre als Bühnenbildner und Lichttechniker gearbeitet. Aber da war auch meine große Leidenschaft für Videospiele und ihre Programmierung. Ich habe beschlossen, dass ich das auch machen will und mir einige Programmiersprachen beigebracht. Und als in meinem Umfeld viele Menschen ins Silicon Valley wechselten, habe ich das auch getan – zunächst zu Relationships.com, wo ich Reid Hoffman, meinen späteren Mit-Gründer traf. Der Rest ergab sich dann.

Mit Beziehungen und der Zusammenarbeit von Menschen hast du ja auch bei Linkedin täglich zu tun. Was ist für dich das Geheimnis eines guten Teams?

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, ein gutes, schlagkräftiges Team zu haben. Da gibt es Teams mit einem sehr starken Teamleiter, der den Ton angibt und sehr strukturiert sein muss, damit Dinge vorangebracht werden. Und es gibt Teams mit stark unterschiedlichen Charakteren und Persönlichkeiten, die auch effektiv funktionieren und innovativer sind, weil sie sich ergänzen. Ich glaube, das Wichtigste ist zu verstehen, dass jedes Team noch besser werden kann. Deswegen rate ich meinen Leuten immer, einmal die Woche innezuhalten und darüber nachzudenken, was im Team noch runder laufen könnte. Jede Woche!

Wie können Unternehmen sicherstellen, dass sie die richtige Mischung von Mitarbeitern im Team haben?

Zunächst einmal müssen sie sich darüber klar werden, was sie eigentlich erreichen wollen. Viele Unternehmen sind sich etwa nicht darüber bewusst, dass Innovation immer von den Leuten ausgeht, die dort arbeiten. Die Herausforderung ist, dieses Potenzial freizusetzen und zu nutzen. Viele CEOs kommen zu Linkedin, um unsere Innovationskultur kennenzulernen – und auch Linkedin selbst kann von anderen Unternehmen dazulernen. Das ist ein niemals endender Prozess und das Wichtigste ist, dass man sich als Führungspersönlichkeit dessen bewusst ist. Klar ist auch, dass es viele unterschiedliche Unternehmenskulturen gibt. Ein weniger technisches Unternehmen kann also in Sachen Digitalisierung beispielsweise von einem Silicon-Valley-Unternehmen oder einem Berliner Startup profitieren.

Wenn du die Gründungszeit von Linkedin vor rund 15 Jahren mit heute vergleichst: Ist es in den letzten Jahren leichter oder schwerer geworden, zu gründen?

Beides. Einerseits ist es deutlich leichter geworden im operativen Geschäft, weil es deutlich mehr Tools von der Stange gibt, auf die Gründer heute zurückgreifen können. Wir mussten damals deutlich mehr selber programmieren. Und es gibt deutlich mehr Finanzierungsmöglichkeiten und Angebote für Kapital: Von staatlichen Zuschüssen über Venture-Capital-Beteiligungen bis hin zu Inkubatoren steht Gründern heute eine große Bandbreite an Möglichkeiten offen. Gleichzeitig starten heute aber deutlich mehr Gründer ihr Geschäft, was einen Kampf um die besten Köpfe und Talente bedeutet. Als wir 2003 anfingen, war die Internetblase gerade geplatzt, sodass man attraktive Mitarbeiter leichter finden konnte.

Der Economic Graph ist ein neues Feature von Linkedin, das dir sehr am Herzen liegt und mit dem Linkedin aus dem Datenmaterial Erkenntnisse gewinnt. Was steckt dahinter und wer profitiert davon?

Der Economic Graph generiert sich aus der permanenten Nutzung von Linkedin und er zeigt uns, wohin sich die Welt entwickelt – immer dann, wenn ein Unternehmen eine Stellenausschreibung postet, wenn jemand sich mit einem anderen Nutzer verknüpft und wenn jemand ein Profil aufruft. Der Economic Graph verrät mir als Einzelperson, welche Fähigkeiten ich benötige, er verrät Unternehmen, welches die vielversprechendsten Talente sind, auch wenn diese noch woanders arbeiten – und er verrät den Marketern, wie sie ihre Botschaften am besten positionieren. Wenn wir zurückschauen, dann hat der Economic Graph in seinen Anfängen 2009 schon dabei geholfen, den Mitarbeitern von Lehman Brothers neue Jobs aufzuzeigen nach dem großen Crash 2008.

Neben den Unternehmen und ihren Mitarbeitern habt ihr aber auch noch eine andere Zielgruppe in Form der Verwaltung. Wie passt das dazu und was versprecht ihr euch davon?

Ja, da ist noch eine größere Komponente: Wir können Verwaltungen und Regierungsorganisationen zeigen, wo regional Talente für einen bestimmten Bereich angesiedelt sind oder an welchen Hochschulen besonders viele junge Menschen ausgebildet werden, die über bestimmte Fähigkeiten verfügen. So können Städte wie New York, Brüssel oder Manchester gezielt in bestimmten Bereichen investieren. Wir verstehen diese Organisationen als Partner zur Anbahnung von Geschäft, Ausbildung und Generierung von Werten. Wir verbringen viel Zeit damit, darüber nachzudenken, wie und wofür jemand Linkedin nutzt und welchen Nutzen er daraus für sich zieht. Diese Beziehungen zu Verwaltungen und Regierungsorganisationen machen Linkedin per se nicht attraktiver oder helfen uns, Kunden zu gewinnen. Aber es ermöglicht der Verwaltung, mit Unternehmen effektiver zusammenzuarbeiten, und das trägt ebenfalls zum Unternehmenserfolg bei.

Lass uns mal etwas konkreter werden. Wenn ihr eine Verwaltung beratet, was wollen die von euch wissen, welche Erkenntnisse suchen die bei euch?

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Eine Reaktion
Guru

Warum nur ist Linkedin fast 10x teurer als Xing? Bekommen sie den Hals nicht voll? Dies wäre doch mal eine interessante Frage ;-)

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