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Adobe Max 2018: Mehr Freiheit für Kreative

(Screenshot: Photoshop iPad Pro)

Adobe stellte in Los Angeles nicht nur Updates für Creative Cloud vor, sondern komplett neue Mobile Apps fürs iPad Pro und neue Ansätze für Augmented Reality. Für t3n war Stefan von Gagern vor Ort in Los Angeles.

Kreativität funktioniert in verschiedenen Umgebungen, denn Ideen kommen nicht nur, wenn man gerade am Schreibtisch vor dem Desktop-PC sitzt. Folglich machte Adobe „mehr Freiheit für Kreative“ zu einem wichtigen Motto auf der Max 2018 in Los Angeles. Desktop-Programme sollen künftig „Multi-Surface-Systeme“ werden. Gestalten ist damit überall möglich und die Arbeit wandert dank Abgleich mit der Cloud im Hintergrund von Gerät zu Gerät. Wie das konkret aussehen kann, machte Lightroom CC schon im letzten Jahr vor – jetzt folgen weitere Programme dem Beispiel.

Photoshop ohne Abstriche auf dem iPad

In den letzten Jahren gab und gibt es schon einige Foto-Apps, die den Namen Photoshop tragen, darunter zum Beispiel Photoshop Fix und Photoshop Mix. Das waren aber immer nur mobile Eigeninterpretationen des Vorbilds vom Desktop. „Man sitzt aber nicht immer am Desktop“, betont Scott Belsky. „Wir haben schon einige Apps in Richtung Photoshop veröffentlicht, aber sie haben nie die volle Power abgeliefert.“ Das soll sich ab 2019 mit Photoshop als mobiler App auf dem iPad Pro ändern. Dabei handelt es sich nicht um eine abgespeckte Mobilversion, sondern um den gleichen Code, der aufs iPad portiert wurde. Möglich wurde das nicht nur durch die deutlich bessere Hardware-Leistung des iPad Pro, sondern auch eine Kooperation mit Apple. Phil Schiller von Apple, der als Gast auf die Bühne kam, betont, dass Apple und Adobe schon immer eng beim Thema Kreativität zusammengearbeitet haben. Was sich heute verändert habe, sei der Stand der Technik, der Photoshop in vollem Umfang auf dem iPad Pro möglich mache.

Trotz der originalen Codebasis und Funktionen hat Adobe den Klassiker für eine Touch-Oberfläche neu überdacht und überarbeitet. Die Oberfläche erinnert stark an Lightroom, ebenso die Funktionen, die im Hintergrund arbeiten. Photoshop kann auf dem iPad nicht nur PSD-Dateien ohne Import oder andere Konvertierung öffnen, sondern bietet auch die Möglichkeit, Projekte mobil zu beginnen und am Desktop zu finalisieren oder umgekehrt. Auch die Performance macht einen guten Eindruck: Im Demo zeigt Adobe eine Datei mit 208 Ebenen, die sich flüssig scrollen lassen. Das Interface arbeitet stark kontextbezogen. Alles bleibt übersichtlich und aufgeräumt, Photoshop zeigt auf dem iPad die Optionen dann, wenn sie gebraucht werden und hält sie sonst im Hintergrund – wie auch die Synchronisierung mit dem Desktop, die automatisch erledigt wird. Ansonsten ist alles da, was man in Photoshop erwarten würde: Ebenen, Masken, Blendmodi und die bekannten Pinsel.

Neben der Vorschau auf Photoshop ging das Update für Lightroom auf dem iPad fast unter, das jetzt die Möglichkeit bietet, eigene Vorgaben zu speichern sowie die bessere Bildsuche mit Adobe Sensei KI-Unterstützung und Bildmanipulation mit neuen Profilen möglich macht. Photoshop auf dem iPad soll 2019 kommen.

Realistisch Zeichnen und Malen

Zeichnen und Malen sind eigentlich die essenziellen Disziplinen, wenn es um Kreativität und Design geht. Da ist es umso erstaunlicher, dass es dafür bisher noch kein umfassendes Tool – beziehungsweise mehrere – gab. Bisher bot Adobe fürs Zeichnen auf dem iPad Adobe Sketch für pixelbasierte Skizzen und Draw für Vektorkurven an. 2019 soll eine App kommen, die beides und beides viel besser kann – derzeit noch unter dem Arbeitstitel Project Gemini.

Project Gemini kann sehr überzeugend das Mischen sowie das realistische Verhalten von Öl- und Wasserfarben simulieren. Dabei können zum Beispiel Verläufe mit Wasser oder das Arbeiten mit Verdünner bei Ölfarben simuliert werden. Zu den natürlichen Maltechniken kommen dann die Vorteile der digitalen Arbeit. So merkt sich die App alle verwendeten Farben im Bild und hält sie einfach verfügbar. Neben den realistischen Maltechniken kommen auch die Vorteile von Vektorkurven und den bekannten Pinseln aus Photoshop in die App. Wie auch bei Photoshop auf dem iPad ist das nahtlose Arbeiten im „Roundtrip“ auf mehreren Geräten und mit Photoshop möglich: Man beginnt auf dem iPad Pro und arbeitet zum Beispiel auf dem Desktop weiter. Wir konnten auf der Max die App bereits auf dem iPadPro ausprobieren. Vor allem die Kontrolle über die Dicke der Ölfarben mit den Live Brushes und die Real Live Watercolor machen einen überzeugenden Eindruck. In Minuten sind damit realistische Aquarelle oder Ölbilder mit Nass-in-Nass-Techniken oder etwa reinem Verdünner-Auftrag bei Öl möglich.

(Screenshot: Gemini)

Pro-Video ohne Workstation

(Screenshot: Premiere Rush)

Die Generation neuer Filmemacher verlangt laut Adobe innovative Werkzeuge für Schnitt und Postproduktion: Adobe Premiere Rush CC soll nicht nur Youtubern, sondern allen, die mit Video Geschichten erzählen wollen, Profi-Werkzeuge an die Hand geben und dabei die Bedienung ohne große Vorkenntnisse und die Videobearbeitung nicht nur an der Workstation, sondern auf allen Geräten möglich machen. Premiere Rush CC will eine Video-Komplettlösung sein: Neben Schnitt sind auch die Bearbeitung von Farbe und die Veröffentlichung mit der App möglich.

Die Oberfläche der bereits erhältlichen App erinnert optisch und vom Prinzip her an Lightroom CC. Ähnlich wie in simplen Schnittprogrammen wie iMovie auf dem Mac gibt es unten eine Zeitleiste. Im Gegensatz zu iMovie kann Rush aber bis zu vier Spuren verarbeiten – drei davon in 4K-Auflösung. Clips lassen sich leicht hinzufügen und mit Farbfiltern sowie Überblendungen gestalten. Motion-Graphics liefern gebrauchsfertige Titelanimationen aus Adobe Stock, die sich leicht anpassen lassen. Die Projekte werden automatisch mit Creative Cloud synchronisiert und lassen sich am Desktop weiterbearbeiten. Bei der Audiobearbeitung hilft künstliche Intelligenz, die zum Beispiel Sprache von Musik unterscheiden und die Lautstärken automatisch anpassen kann. Farben lassen sich mit Vorgaben sehr einfach bearbeiten – und für künftige Änderungen können Vorgaben leicht abgespeichert werden. Premiere ist in der Creative Cloud enthalten und zum Einstieg kostenlos erhältlich. Ähnlich wie bei Lightroom CC gibt es ein Einzelabo für 11,89 Euro pro Monat, das 100 Gigabyte CC-Speicher beinhaltet. Zusätzliche Speicheroptionen bis zu zehn Terabyte sind ebenfalls erhältlich.

AR und VR verkaufen Produkte

Adobe betonte auf der Max seine Mission, immer auf der Suche nach dem nächsten Kreativ-Medium zu sein – und seiner Verpflichtung nachkommen zu wollen, die dafür entsprechenden Tools zu liefern. Ein großer Trend sind dabei Augmented und Virtual Reality, die laut Adobe Kreative „von den Limitationen des Bildschirms befreien“. Ergänzt werden die kreativen Möglichkeiten durch neue Interaktionsformen – beides braucht aber auch komplett neue Werkzeuge, die erdacht werden müssen. Bereits im Sommer hat Adobe dazu Project Aero vorgestellt. Aero soll nicht nur eine neue Software für die Gestaltung von AR- und VR-Anwendungen werden, die die digitale und die physische Welt zusammenbringt, sondern als Plattform alle Creative-Cloud-Apps um AR-Fähigkeiten erweitern. Das Gestalten der Anwendungen soll aber gewohnt einfach gelingen, mit Drag-&-Drop-Funktionen.

Wie das aussieht, zeigt das Demo: Im neuen AR-Autorentool Project Aero können Designer Photoshop-Dateien mit Ebenen einfach öffnen. Dann ist es für den Betrachter zum Beispiel möglich, interaktiv durch eine Photoshop-Datei zu wandern – ein verblüffender Effekt! Wie AR Verkaufsräume digital interaktiver gestalten kann, zeigte das Demo mit einem Verkaufsraum von Adidas. Der Kunde kann mit dem iPad einen virtuellen Schuh auf das Regal stellen und in verschiedenen Materialien und Farben betrachten und drehen. Tippt der Kunde den Schuh an, kann er animiert Zusatzinformationen über die Funktionen der Sohle und des Außenmaterials gezeigt bekommen. „Jedes Produkt hat eine Geschichte zu erzählen“, kommentierte Abhay Parasnis. Die AR-Anwendungen können dem Kunden nach der Gestaltung einfach per Webbrowser gezeigt werden. Project Aero ist jetzt schon als Beta-Version erhältlich.

(Foto: Stefan von Gagern)

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