Analyse

Agile Teams gibt es nicht auf Knopfdruck: Der Weg ist das Ziel

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Unsicherheit gehört dazu

„Wann seid ihr fertig?“ ist eine beliebte Frage in der Softwareentwicklung. Und oft werden Schätzungen als Commitments missbraucht. Das Management möchte ein Commitment im Sinne von „bis wann das Team garantiert fertig ist“ (die roten 95 Prozent im Bild – 100 Prozent Sicherheit gibt es nicht). Das Team arbeitet aber mit Schätzungen: Eine Drei bedeutet, dass es mit 80-prozentiger Wahrscheinlichkeit zwischen Zwei und Fünf liegt (Einheit egal). Dies führt unweigerlich zu Missverständnissen und Problemen mit der Deadline.

Schätzungen und Commitments müssen angenähert werden.

Hier braucht es eine Annäherung von beiden Seiten. Das Management muss lernen, mit Unsicherheiten umgehen zu können – also Chancen und Risiken managen. Das Team muss lernen, dass Aufwandschätzungen alleine nicht reichen, diese müssen auch auf eine Zeitlinie gelegt werden unter Berücksichtigung von Risiken und Abwesenheiten.

Engineering-Praktiken

Leider tappen viele Teams auf ihrer agilen Reise in die Falle, dass sie zwar einen wunderbar agilen Prozess leben, die geschriebene Software aber keine Agilität zulässt. Der Quellcode ist zu träge, um schnell geändert und erweitert werden zu können. Die Architektur, das Design und die Engineering-Practices wurden vernachlässigt.
Nur wenn der Prozess (Scrum, Entscheidungsfindung), die Praktiken (TDD, Continuous Integration und Delivery), die Werkzeuge (kollaborativ und nicht einschränkend) und die Architektur und Design (flexibel und evolvierbar) zusammenpassen, ist Agilität langfristig möglich.

Ende gut, alles gut?

Irgendwann erreicht das Team, wenn es die Reise bis jetzt nicht abgebrochen hat, die agile Happy-Bubble: Alles ist gut, alle sind glücklich. Neue Funktionalitäten werden zügig entwickelt, die Qualität stimmt, das Team ist glücklich.
Das ist der Punkt, an dem Innovation und Verbesserungen stoppen. Es gibt nicht genügend Leidensdruck, um sich weiter zu verbessern. Dabei beginnt hier erst der spannende Teil der Reise. Denn die Reise bis jetzt war wie eine Pauschalreise aus dem Katalog, die für die meisten Teams sehr ähnlich abläuft. Aber ab hier beginnt der Individualtourismus. Jedes Team muss für sich selbst herausfinden, wie es sich weiter verbessern kann.

Der Weg ist das Ziel

  • Die agile Reise ist nie am Ziel, denn kontinuierliche Verbesserung ist immer möglich. Erfolgreiche agile Teams suchen wiederholt Antworten auf folgende Fragen:
  • Wie können wir besser zusammenarbeiten?
  • Wie können wir schneller liefern?
  • Wie können wir die Qualität erhöhen?
  • Wie können wir uns an die ändernden Wünsche unserer Kunden und Benutzer einfacher adaptieren?
  • Wie können wir besser werden im „Unsverbessern“?
  • Der Weg von den ersten agilen Gehversuchen bis zum erfolgreichen agilen Team ist lang und steinig, die Mühe aber wert. Denn der Lohn dafür sind zufriedene Kunden und motivierte Teams.

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Ein Kommentar
Lutz Müller
Lutz Müller

Ein guter Artikel, der aufzeigt, dass das Einführen von agilen Arbeiten viele Problem aufzeigt. Das ist jedoch eine Chance, um Verbesserungen voranzutreiben, da diese Probleme überhaupt erst einmal sichtbar werden.
Aus meiner Sicht ist der erste Schritt das WARUM zu klären. Teams und Mitarbeiter müssen die Notwendigkeit und Dringlichkeit agilen Arbeitens in ihrem Unternehmen kennen.
Im zweiten Schritt kann man neue Teams aufstellen. Dazu empfehle ich einen Kick-Off, der essentielle Grundlagen legt, damit das Team direkt starten kann: https://www.lutz-mueller.com/projekt-kick-off-agile-teams/

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