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Agile Transformationsbegleiter: Wie Agile Coaches einen Mindset-Wandel unterstützen können

(Foto: dpa)

Lesezeit: 5 Min.
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Unternehmen stehen vor der agilen Transformation. In Konrads Management-Kolumne stellt der Autor vor, wie Agile Coaches dabei helfen können.

Wenn die Gefahr des Coronavirus gebannt ist, pendelt sich auch der Arbeitsmarkt in Deutschland wieder ein. Dann werden wieder Agile Coaches gesucht – und die Unklarheit bleibt bestehen: Was ist eigentlich ein Agile Coach? Für die einen ist er ein Wegbereiter auf dem Weg zur agilen Transformation. Andere sehen in der Rolle die neue agile Sau, die durchs Dorf getrieben wird. In vielen Unternehmen fehlt der neuen Rolle ein minimaler Konsens bei der Jobbeschreibung. Je nach Einsatzort liegt die Erwartung gegenüber der Rolle des Agile Coach zwischen methodischem Theoretiker und psychologisch versiertem Teamtherapeut.

Dieser Artikel will praktisch und unideologisch zum besseren Verständnis beitragen: Schärfung des Berufsbildes Agile Coach und Abgrenzung vom Scrum-Master. Wie die agilen Methoden haben auch viele Agile Coaches ihren Ursprung in der Softwareentwicklung. Begonnen haben sie als Developer, wurden Scrum-Master und haben sich dann zum Agile Coach weiterentwickelt – und arbeiten in der IT-Abteilung. Weitere Agile Coaches sind beispielsweise im Bereich der HR tätig. Darüber hinaus sind Agile Coaches mittlerweile in nahezu allen Branchen und Industrien zu finden. Gemeinsam ist den Agile Coaches, dass sie Teams und Organisationen auf dem Weg der agilen Transformation unterstützen.

Die Rollen des Agile Coach

Eine wichtige Abgrenzung ist die zwischen Agile Coach und Scrum-Master. Beide Rollen sind gleichsam wichtig. Damit ist der Agile Coach auch nicht besser oder höher einzuschätzen als der Scrum-Master. Der Scrum-Master betreut ein Team und achtet darauf, dass Scrum richtig angewendet wird. Er ist Teil des Teams und räumt dessen Impediments aus dem Weg. Der Agile Coach hat dagegen einen Blick von außen auf mehrere Teams.

Somit ergeben sich zahlreiche Überschneidungen zwischen beiden Rollen, jedoch haben Agile Coaches und Scrum-Master verschiedene Zielsetzungen. Eine Gleichsetzung beider Rollen ist mehr als eine begriffliche Diskussion und in der Praxis weder sinnvoll noch hilfreich. Dennoch gibt es in der agilen Szene Verfechter einer solchen Gleichsetzung. Der Agile Coach führt Interventionen mit Teams durch und arbeitet mit der Organisation. Ihn zeichnet ein Growth-Mindset aus. Nach der US-Psychologin Carol Dweck bezeichnet der Begriff einen Menschen, der eine wachstumsorientierte Haltung hat.

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Menschen mit einem solchen Wachstums-Mindset streben nach Mastery. Sie wollen immer besser werden. Intrinsische Motivation treibt sie an. Agile Coaches unterstützen Teams dabei, sich selbst zu organisieren und zu arbeiten. Sie verfügen über ein hohes Maß an Resilienz und vertrauen in die Teams und Organisationen, die sie unterstützen. Hierbei hilft es, wenn Agile Coaches Erfahrungen mit Unternehmenskultur und Kommunikationsberatung haben. So können sie Dynamiken in selbstorganisierten Teams verstehen und helfen, Probleme zu lösen. Viele Agile Coaches arbeiten im IT-Bereich. Hier sind beispielsweise Erfahrungen mit Devops eine wichtige Kompetenz.

Rollen nach Lyssa Atkins „Agile Coaching“. (Grafik: Daniel Konrad)

Die Grafik zeigt den Agile Coach in seinem Arbeitsfeld mit den drei Ebenen Individual Development (einzelne Team-Mitglieder), Team und Organisation. Zentral für den Agile Coach ist dabei das Agile Mindset. Unabhängig von Branchen und Industrien benötigt der Agile Coach für die vielfältigen Aufgaben und Tätigkeiten verschiedene Kompetenzen und Rollen, die Lyssa Atkins in ihrem Buch „Agile Coaching“ (hier im Original verwendet) beschreibt:

  • Der Coach/Mentor arbeitet mit Scrum-Mastern, Product Owners, Agile Coaches, Agile-Manager- und Devops-Teams. Er versucht, neue Perspektiven zu zeigen, und beobachtet, wie Teams zusammenarbeiten. Dabei sucht er das Gespräch mit Einzelnen und führt Gruppencoachings durch. Agile Coaches begleiten meist mehrere Teams und unterstützen sie in ihrer Entwicklung, um bessere Ergebnisse zu erzielen.
  • Der Facilitator hilft dem Team, um in den agilen Standard-Meetings und täglichen Gesprächen wertvolle Ergebnisse zu erzielen. Er vermittelt und lebt den Sinn und Geist hinter den Daily Scrums, Retrospektiven und Reviews. Ein Facilitator versteht es, eine Umgebung zu schaffen, in der er offene Fragen stellt und eine flexible, niedrigschwellige Struktur anbietet. Damit schafft er den Rahmen für das Team, das kreative Ideen, reichhaltige Beiträge und Wert liefert.
  • Die Rolle des Teachers ist gerade dann gefragt, wenn ein Agile Coach ein Team neu übernimmt, einen Neustart macht oder das Team unerwartete Momente erlebt. In diesen Situationen liefert der Agile Coach wichtige Informationen, die dem Team dabei helfen, tiefer in Themen einzusteigen. Teaching sollte dabei immer auf Augenhöhe und zeitlich begrenzt erfolgen.
  • In der Rolle des Problem-Solver zeigt sich der Reifegrad eines Agile Coaches. Seine Aufgabe ist hier gerade nicht das Lösen eines Problems von außen, wie es ein „klassischer“ Manager tun würde. Stattdessen bringt er das Problem ins Team und zerlegt es mit ihm. Dadurch befähigt er das Team, das Problem selbst zu lösen. Die Leistung eines Managers liegt damit in der direkten Problemlösung, während der Agile Coach das Team befähigen möchte, das Problem selbständig zu lösen und dabei ein gemeinsames Lernerlebnis zu schaffen.
  • Als Conflict-Navigator achtet der Agile Coach besonders auf die dauerhaften Interaktionen zwischen den Mitgliedern eines Teams, die herausfordernd, angespannt oder verärgert sein können. Entsprechende Dynamiken und Konflikte sind Alltag in Teams. Auch selbstorganisierte, agile Teams bilden da keine Ausnahme. Agile Coaches unterstützen Teammitglieder auf dem Weg zu einem agilen Mindset. Dies hilft ihnen dabei, durch den Konflikt hindurch zu navigieren und zu einem konstruktiven Dissens zu gelangen, der High Performances hervorbringen kann.
  • Der Collaboration-Conductor will das Ergebnis des Teams steigern, indem er die Zusammenarbeit der Mitglieder verbessert. Dies hängt natürlich von den Zielen des Unternehmens und der Art der Arbeit des Teams ab. Je nach Ausgangssituation trägt er dazu bei, dass sich ein „Orchester“ formt und Kooperation entsteht. Weil Teamarbeit beim Einzelnen beginnt, vermittelt der Agile Coach wichtige Techniken und Fähigkeiten. So kann er das Team unterstützen, wenn es sich kollaborative Arbeitsweisen aneignet und sich weiterentwickelt.

Schritte in die „agile Welt“

Für Agile Coaches, die am Beginn stehen, finden sich hier einige Anregungen und Tipps:

  • Offenheit: Stelle offene Fragen und setze dich immer für den Erfolg des Teams ein.
  • Reflektion: Reflektiere deine Erlebnisse und führe ein Tagebuch.
  • Inspiration: Lass dich auf Barcamps, Meetups, Fuckup-Nights und agilen Treffen inspirieren und teile deine Erlebnisse.
  • Wissen: Lies aktuelle Bücher, Studien und Blog Posts rundum Agile, Lean und DevOps.
  • Vernetzung: Suche dir andere Agilisten und vernetze dich mit ihnen.

Viele Unternehmen haben ihre agile Transformation begonnen und sind auf der Suche nach Agile Coaches, die sie auf dem Weg in die Agilität begleiten können. An dieser Stelle sollen einige Tipps Unternehmen und Organisationen bei der Auswahl eines Agile Coaches helfen:

  • Erfahrung: Der Agile Coach hat in dieser Position bereits gearbeitet und hat idealerweise Erfahrungen mit Kulturwandel und in der Organisationsberatung.
  • Teacher: Als Agile Coach ist er erfahren in Scrum nach Lehrbuch und vermittelt es erfolgreich.
  • Mentor: Als Begleiter eines Teams hat er Erfahrung mit Hindernissen und Fallstricken auf dem Weg.
  • Coach: Er coacht Einzelpersonen und Teams. Dabei versteht er ihre Entwicklungen und Dynamiken.
  • Haltung: Er hat ein agiles Mindset und lebt die agilen Prinzipien und Werte.
  • Facilitator: Methoden passt er flexibel an die Bedürfnisse des Teams an.

Agile Coaches können wichtige Wegbereiter der agilen Transformation sein. Dazu müssen sich Unternehmen und Coaches bewusst über Anforderungen und Aufgaben sein. Agile Coaches unterstützen selbstorganisierte Teams, Scrum-Master und agile Manager – und können einen Mindset-Wandel im Unternehmen begleiten.

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Ein Kommentar
Sascha A. Carlin
Sascha A. Carlin

Meiner Erfahrung nach lässt sich die Aufgabe eines Agile Coachs so zusammenfassen: »Wie sorgen wir dafür, morgen nicht wieder die gleichen Fragen beantworten zu müssen?«

Auf welchem Wege, und daher auch welchen Hintergrund ein für die Situation des Kunden passender AG haben sollte, dieses Ziel erreicht werden soll/kann/muss, ist situativ unterschiedlich.

Darüberhinaus finde ich es spannend, das Agile Coaches zwar Coaches genannt werden, in den seltensten Fällen jedoch nach einem Codex arbeiten – was jedoch bei der teils persönlichen, intimen Kommunikation zwischen AG und Mentees dringend angeraten wäre.

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