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So hart geht die US-Hotelindustrie gegen Airbnb vor

Brian Chesky, der Gründer von Airbnb, im Jahr 2016. (Foto: Airbnb)

Die US-Hotellobby kämpft mit harten Bandagen gegen Airbnb. Mit welchen Mitteln sie gegen das Wohnungsportal vorgeht, zeigt nun ein Bericht.

Airbnb sorgt für höhere Mietpreise, hält sich nicht an Sicherheitsstandards, zahlt keine Steuern: Mit solchen Vorwürfen versucht die US-Hotelindustrie, das Wohnungsportal gezielt zu diskreditieren. Mit Erfolg, wie eine Recherche der New York Times zeigt. Demnach zeichnet sich die Übernachtungslobby unter anderem für einen Gesetzesentwurf in New York verantwortlich, durch den Airbnb-Gastgeber hohe Gebühren zahlen müssen, wenn sie gegen lokale Gesetze verstoßen. Auch eine Untersuchung der Handelskommission bezeichnet die Lobby als „bemerkenswerte Leistung“ ihrerseits. Die staatliche Institution nimmt unter die Lupe, inwiefern die Vermietung über Airbnb die Mietpreise in die Höhe treibt.

Das klingt erst einmal harmlos, vielleicht sogar wenig überraschend. Aber die Recherche der Zeitung zeigt erstmals, wie ernst die Hotelindustrie das Wohnungsportal nimmt und wie rigoros sie gegen es vorgeht. Seit Anfang 2016 fährt sie gezielte Angriffe gegen Airbnb. Der Plan: „eine nationale Kampagne auf lokaler, Staats- und Bundesebene“, zitiert die New York Times aus Dokumenten der Hotellobby. Dafür setzt sie auf die Zusammenarbeit mit Politikern, Gruppen pro bezahlbarem Wohnraum und Nachbarschafts-Organisationen.

 „Airbnb betreibt eine Unterkunftsindustrie, hält sich aber nicht an dieselben Regeln.“

Gemeinsam wollen die Hoteliers die Nachteile der Übernachtungsplattform herausstellen: Dass Privatpersonen Hotelkomplexe aus privaten Wohnanlagen betreiben und dafür keine Steuern zahlen oder dass sie sich nicht an dieselben Sicherheitsstandards halten. „Airbnb betreibt eine Unterkunftsindustrie, hält sich aber nicht an dieselben Regeln“, sagt Troy Flanagan, ein Vertreter der American Hotel and Lodging Association. Für 2017 will die Organisation mehr Anti-Airbnb-Untersuchungen fördern und eine Kampagne initiieren, die herausstellt, wie einige Personen durch das Wohnungsteilen benachteiligt werden.

Bisher haben die Hotels die Bedrohung durch Airbnb eher heruntergespielt. Dass sie nun zum Angriff blasen, verdeutlicht, wie wichtig die Übernachtungsplattform in dem Segment geworden ist. Airbnb selbst zeigt sich wenig überrascht von dem Angriff. „Das Hotelkartell beabsichtigt, die Mittelschicht klein zu halten, sodass sie ihre höherpreisigen Kunden behalten kann“, so ein Sprecher des Portals gegenüber der New York Times.

Auch in Deutschland kämpft Airbnb mit Regularien

Die gezielte Aktion der Hotellobby symbolisiert auch den Konflikt zwischen einer alteingesessenen Industrie und einem disruptiven Konkurrenten. Airbnb habe die Hotelpreise in vielen Gegenden während Urlaubszeiten, Messen und anderen großen Veranstaltungen gesenkt, wenn die Zimmerpreise eigentlich am Höchsten sein sollten, so Vijay Dandapani, der Chef der Hotel Association in New York. Mit ihrer Kampagne versucht die Hotelindustrie nun, Airbnb ähnlich zu schaden.

Auch in Deutschland hat Airbnb mit Regularien zu kämpfen. So ist in Berlin seit Mai 2016 ein Zweckentfremdungsverbot in Kraft. Das verbietet es, Wohnungen ohne Genehmigung als Feriendomizil zur Verfügung zu stellen. Allerdings erklärte das Oberverwaltungsgericht das Gesetz kürzlich für verfassungswidrig. Nun muss das Bundesverfassungsgericht entscheiden.

 

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5 Kommentare
Markus
Markus

Als Beispiel: In Berlin werden pausenlos neue Hotels gebaut. Zeitgleich wird von zunehmender Wohnungsnot gesprochen. Wenn ich im Urlaub bin oder ein paar Wochen bei meiner Freundin schlafe: Warum soll meine Wohnung leer stehen? Ich habe absolut kein Verständnis für die Gier der Hotellobby.

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Holger Evers
Holger Evers

Wieder ein Beweis dafür, dass es in der Welt kein Schwarz und Weiß gibt. Niemand hat etwas dagegen wenn Leute ihre Wohnung zeitweise vermieten – wenn der Mietvertrag das zulässt. Aber etwas wie Airbnb wird leider grade in den Metropolen von gierigen Geschäftemachern massenhaft missbraucht, mit den üblichen Folgen (fehlender Wohnraum, steigene Mieten, hinterzogene Steuern). Das ist in Städten wie München schon heute ein ernsthaftes gesellschaftliches Problem.

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Markus
Markus

Jein. Meine Aussage bezog sich explizit auf die von mir geäußerte Schilderung. Wohnraum darf nur bis maximal die Hälfte vermietet werden – ohne amtliche Erlaubnis. Ich bin absolut bei Dir und dagegen, wenn sich Einzelpersonen oder gar Gruppen zehn, zwanzig Wohnungen mieten und damit Geld schöffeln. Wenn ich allerdings für ein paar Wochen verreist bin oder mehr als die Hälfte bei airbnb anbieten möchte, benötige ich eine Genehmigung bzw. wird es mir verboten. Das ist das Problem.

Und wie ich ansprach: Es werden massenweise Hotels bspw. in Berlin errichtet. Das zeigt, die Hotellobby macht ihre Arbeit.

Jutta Glöckner
Jutta Glöckner

Wenn aber ganze Hotels jahrelang als Flüchtlingsunterkünfte fungieren, arabische Touristen monatelang ganze Hoteletagen mieten, oder Prominente, wie Udo Lindenberg ihr Leben im Hotel verbringen, dann ist das kein Problem.
Wenn es Privatpersonen verboten werden soll, Wohnungen auf Tagesbasis zu vermieten, dann muss es im Gegenzug Hotels untersagt werden, längerfristig Gäste aufzunehmen.
Wie kann es zudem sein, dass es flächendeckend Ferienwohnungen in deutschen Urlaubsregionen gibt, man aber das gleiche in Städten verbieten will.
An der Ostsee darf man, was in Berlin verboten wurde. Wo bleibt da die Logic.
Vielleicht sollten deutsche Großstädte Wohnungen statt überflüssige Hotels bauen.

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Lars
Lars

„Demnach zeichnet sich die Übernachtungslobby unter anderem für einen Gesetzesentwurf in New York verantwortlich…“

Garantiert nicht. Entweder „zeigt sie sich“ verantwortlich, oder sie „zeichnet verantwortlich“. Das Pronomen gehört aber in der obigen Fassung nicht in den Text.

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