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Kolumne

Airpods & Co: 2018 wird das Jahr smarter, kabelloser Kopfhörer

Werden Träger von kabelgebundenen Kopfhörern bald Exoten sein? (Foto: Apple)

Schon Ende 2018 könnten mehr Menschen kabellose Kopfhörer nutzen als solche mit Kabeln, spekuliert Martin Weigert. Warum und mit welchen Folgen für die digitale Welt, erklärt er in seiner Kolumne.

Das neue Jahr ist noch sehr jung, doch mein digitaler Alltag hat sich bereits signifikant verändert: Vor einigen Wochen legte ich mir endlich komplett kabellose In-Ear-Kopfhörer zu. Nicht Apples Airpods, da ich In-Ear-Stecker bevorzuge – aber ein vergleichbares Produkt. Und ich kann nur sagen: Wow, was für ein Unterschied.

Seit meinem ersten Walkman Mitte der 90er habe ich mich wie viele andere mit verkabelten Kopfhörern herumgeplagt. Es gab ja keine Alternative. Kabelsalat und Verhakungen in Kleidungsstücken mit anschließendem ruckartigen Lösen der Stecker aus den Ohren waren die Norm. Hätte ich eine Strichliste über die Momente geführt, in denen die Kabel Frust produzierten – die dafür notwendigen Papiere würden von der Erde bis zum Mond reichen.

All das ist plötzlich vorbei. Zumindest einige Wochen nach der Inbetriebnahme weiß ich diese Verbesserung noch genauso zu schätzen wie am ersten Tag. Der tägliche Anblick anderer Träger von Kabelkopfhörern ruft bei mir immer wieder in Erinnerung, wie der Zustand vorher war.

Doch derartige Individuen erhalten vermutlich innerhalb weniger Jahre Exotenstatus. Apples Airpods sind ein Verkaufsschlager, und die Zahl der Alternativen wächst stetig. Selbst mit Alexa kommen nun welche. Die Abkehr vieler Smartphone-Hersteller vom 3,5-mm-Audioausgang treibt die Entwicklung ebenso an wie die Möglichkeiten der neuen Apple Watch mit LTE sowie die Kunde darüber, wie großartig der kabellose Musik- oder Podcast-Konsum ist. Zu meiner eigenen Verwunderung verwende ich die kleinen Ohr-Stecker auch immer häufiger zu Hause. Es ist nun für mich sehr nachvollziehbar, warum Apple mit der Einführung von iOS 11 die Deaktivierung von Bluetooth komplizierter gemacht hat: Es handelt sich um eine Art Erziehungsmaßnahme. Bluetooth soll in der Wahrnehmung der Anwender als ähnlich unverzichtbare Schnittstelle positioniert werden wie WLAN und die mobile Datenverbindung, um das Verbinden eines iOS-Geräts etwa mit der Apple Watch oder mit den Airpods (beziehungsweise anderen Bluetooth-Kopfhörern) so einfach wie möglich zu machen.

Bluetooth-Kopfhörer sind leicht zu unterschätzen

Im ersten Augenblick erscheinen Bluetooth-Kopfhörer wie ein triviale technische Innovation. Aber wie bei Smart Speakern für die eigene Wohnung kann man die Tragweite der Produktkategorie allzu leicht unterschätzen. Das Paradigma von Ohrsteckern mit Kabeln ist eines der großen Hindernisse für den Durchbruch auditiver Benutzeroberflächen für mobile Nutzer. Sobald aber Millionen Menschen winzige Bluetooth-Stecker in den Ohren tragen, keine Wutausbrüche über lästige Kabel mehr erleben und wie ich schlagartig nicht mehr den Drang verspüren, sie wann immer möglich aus den Ohren zu nehmen, verändern sich die Vorzeichen radikal. Dann ist der Markt bereit für die nächsten Schritte, um Audio zu einem omnipräsenten Interaktionskanal im digitalen Alltag zu machen.

Wobei „der Markt” zugegebenermaßen ein schlechter Begriff ist. Die Triebkräfte sind Amazon (mit Echo beziehungsweise Alexa bislang vor allem im Smart Home) und Apple. Nicht alle Akteure haben ein kommerzielles Interesse daran, dass digitale Technologie eine stärkere auditive Komponente erhalt. Für Unternehmen und Plattformen, die sich durch Werbung finanzieren, birgt ein solcher Trend große Unwägbarkeiten. Sie brauchen eigentlich Menschen, die ständig auf Bildschirme starren. Sich dem Trend zu verschließen wäre trotzdem fatal, weshalb auch Google in dem Bereich mitmischt.

Für kabellose Anwender gibt es kein Zurück

Sind erst einmal genug Konsumenten angefixt und überzeugt, dann lässt sich Expansion des Feldes nicht mehr aufhalten. Meines Erachtens nach ist der „Tipping Point” bereits erreicht. Wer einmal die Kabellosigkeit schätzen gelernt hat, kann nicht mehr zurück. Ich schließe nicht aus, dass man in Bussen, Bahnen und Einkaufszentren zumindest in Metropolen schon Ende dieses Jahres mehr Menschen mit kabellosen Kopfhörern sehen wird als solche mit verkabelten Ohrstöpseln. Kurz darauf werden sichtbare, zu den Ohren führende Kabel dann wohl ähnlich altmodisch wirken wie Monokel und Einräder (bis vor kurzem zogen eher noch Nutzer kabelloser Ohrstecker die Blicke auf sich, aber das verändert sich langsam).

Angesichts des großen Erfolgs von Smart-Home-Speakern sowie der rosigen Aussichten für kabellose Kopfhörer mit intelligenten Funktionen sieht alles danach aus, als wird 2018 das große Jahr von Audio als digitaler Interkationskanal.

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