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Kommentar

Alibaba investiert in die Zukunft, der Anleger kapiert’s nicht

Alibaba liefert Wachstum, doc die schrumpfenden Gewinne verunsichern die Anleger. Zu Unrecht. (Foto: DPA)

Trotz 61 Prozent Umsatzwachstum reagieren die Märkte kritisch auf Alibabas Quartalszahlen, da die Marge schrumpft. Eine Fehleinschätzung, denn gerade die margenbeeinträchtigenden Segmente sind unverzichtbare Zukunftsinvestitionen.

Alibabas Kerngeschäft, das Onlinehandelssegment, wächst um 61 Prozent, doch die Gewinne brechen um 41 Prozent weiter ein – die Märkte und die Berichterstattung reagieren verschnupft: Die Aktie endete mit einem Minus von drei Prozent. Scheinbar interessieren sich die Märkte weniger dafür, dass Alibaba gerade das stärkste Quartalswachstums seit Bestehen hingelegt hat, sondern mehr für den Gewinneinbruch.

Auch wenn in diesem Quartal leicht nachvollziehbar Aktienkompensationen für Mitarbeiteraktien den Gewinneinbruch verursacht haben, werden Investitionen in den stationären Handel, Logistik und Food-Delivery die Marge noch langfristig belasten, zitiert die Financial Times das Management der Alibaba Group. Fälschlicherweise reagieren die Anleger darauf negativ.

Alibaba investiert mit Logistik, stationärem Handel und E-Food in die Zukunft

In Deutschland ist der Wachstumsmarkt E-Commerce zu einer Belastung für die Paketbranche geworden. Das Personal fehlt, die Margen schwinden und die Paketmengen belasten die Infrastrukturen bis über die Grenzen. Olaf Kolbrück von Etailment witzelte kürzlich auf Twitter, dass die Bundeswehr demnächst Pakete an Weihnachten austragen würde.

Alibaba steht in einem Land, dessen Bevölkerung erst zu einem Bruchteil zur wachsenden Mittelschicht gehört, und dessen Wachstumspotenzial im Onlinehandel dementsprechend noch enorm ist, in Zukunft vor vergleichbaren Herausforderungen. Das Investment in Logistik-Infrastruktur mag die Marge beeinträchtigen, aber es ist für die spätere Sicherung des Geschäftserfolgs unverzichtbar. Ohne Logistik keine Zustellung und auf fremde Infrastruktur, die von Wettbewerbern mitausgelastet wird – wie hierzulande –, ist kein Verlass.

Ein Alibaba-Logistikzentrum, wie hier von Cainiao in Guangdong, mag zukünftig die Marge drücken, sichert aber Alibabas Zukunft. (Foto: DPA) (Foto: DPA)

Der stationäre Handel, den Alibaba beispielsweise mit seiner in diesem Jahr auf 21 große Filialen angewachsenen Hightech-Supermarkt-Kette Hema stark ausbaut, geht ebenfalls zulasten der Marge. Doch wie die immer größer werdenden Aktivitäten des US-Konkurrenten Amazon zeigen, wird der stationäre Bereich allen Unkenrufen aus der Onlinebranche zum Trotz als wichtiger Wachstumsmarkt beziehungsweise Multiplikator gesehen. Nicht der stationäre Handel stirbt, sondern der stationäre Händler. Nicht umsonst beharrt Alibaba darauf, diesen Bereich als „New Retail“ zu bezeichnen.

Ein Anwohner bezahlt seine Medizin mit Alipay in einer Apotheke. Ein „Future Drugstore“, ein Prestigeprojekt von Alipay. (Foto: Dpa)
Ein Kunde bezahlt seine Arzneimittel mit Alipay in einer Apotheke. Ein „Future Drugstore“, ein stationäres Prestigeprojekt von Alibaba. (Foto: dpa)

Ein großer Teil des Handels wird immer noch stationär initiiert oder abgeschlossen. Auch wenn es sich dabei vielleicht zukünftig lediglich um einen Touchpoint handeln wird, ist das stationäre Segment angesichts der Marktanteile ein Wachstumsmarkt. Vor allem wenn Unternehmen mit Tech-DNA neue stationäre Konzepte ausrollen, wie im Bereich Food-Delivery oder Lebensmittel im Allgemeinen. Wie Amazon Go und Alibabas Hema.

Die Märkte sind kurzsichtig und behindern nur die Expansion

Auch wenn Elon Musk im Moment durch die körperliche und psychische Auslastung seines enormen Einsatzes bei Tesla scheinbar am Rande der Rationalität vorbei schrammt, hat seine Einschätzung, dass die Märkte langfristige Expansion nur behindern, volle Gültigkeit. Analysten schätzen, dass Alibabas Aktienkurs durch Verkäufe im Verlauf des Jahres weiter sinken wird. Mit dem reellen Wert und den möglichen Auswirkungen von Alibabas Expansionsbemühungen hat das nichts zu tun. Die Anleger werden in fünf Jahren durch einen Tränenschleier auf die Historie ihres Aktiendepots blicken und sich wünschen, sie hätten gehalten.

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