Analyse

Alibaba: Schnappt sich der Riese aus China Zalando?

Alibaba-Logo. (Foto: dpa)

Gerüchten zufolge liebäugelt Alibaba mit einer Übernahme von Zalando. Doch auch wenn sich das nicht bewahrheitet: 2019 müssen sich Händler auf noch stärkere Konkurrenz aus China einstellen.

Gute zehn Prozent hat die Zalando-Aktie in den Tagen seit dem Jahreswechsel zugelegt – teilweise entgegen dem Trend und mit einem deutlichen Kurssprung am Freitag. Grund dafür sind Übernahmegerüchte durch den chinesischen Online-Riesen Alibaba. Ob der es tatsächlich auf Zalando abgesehen hat, ist unklar. Doch bereits im vergangenen Juli hatte Jack Ma keinen Zweifel daran gelassen, dass Europa für die Chinesen ein wichtiger Expansionsbringer sein wird. 2019 hat sich die Situation noch verschärft – insbesondere aufgrund der wirtschaftlichen Veränderungen und der Notwendigkeit, das schwierigere Geschäft in China mit den Auslandsmärkten zu unterstützen.

Alibaba investiert in ein Logistik-Drehkreuz in Belgien

75 Millionen Euro will das Unternehmen im belgischen Lüttich investieren, wo auf 220.000 Quadratmetern in der Nähe des Flughafens ein für Europa wichtiges Drehkreuz entstehen soll. So ambitioniert und schnell wie Alibaba vieles in China vorangetrieben hat, wird man in Europa zwar nicht vorgehen können, aber niemand zweifelt daran, dass auch hierzulande der Handel – und vor allem Amazon und Ebay – das Hinzukommen eines weiteren Global Players spüren werden. Dabei soll Lüttich nicht das einzige Drehkreuz in Europa sein – in Planung ist außerdem ein Logistik-Drehkreuz in Bulgarien nach dem Vorbild der Logistikzentren in Kuala Lumpur und Ruanda.

Dabei planen die Chinesen offenbar nicht weniger als eine „Electronic World Trade Platform“, wie es Jack Ma formuliert. Anders als Amazon, die gleichzeitig selbst als Händler tätig sind (und von diesem Geschäft her kommen) ist das, was Alibaba betreibt, ausschließlich eine Plattform, die somit den Händlern keine Konkurrenz aus dem eigenen Haus beschert. Interessant werden könnte das für deutsche Mittelständler, die mit Hilfe von Alibaba die asiatischen Märkte (und allen voran China) für sich erobern könnten. Deutsche Waren stehen bei chinesischen Kunden hoch im Kurs – von Bekleidung und Schuhen über Töpfe und Pfannen bis hin zu Kosmetik und Lebensmitteln.

Alibaba-Verfolger JD.com ist noch nicht abgeschüttelt

Hinzu kommt, dass die Handelshemmnisse zwischen China und den USA dazu führen könnten, dass Europa für Jack Ma und andere chinesische Unternehmer in den Fokus rückt. Denn sowohl Alibaba als auch JD.com haben trotz sinkender Aktienkurse weiterhin Expansionsinteressen, auch wenn Richard Liu, der Gründer von JD.com in den nächsten Monaten wohl kein Büro in Deutschland eröffnen wird. Der 21-Jährige hatte unterdessen mit Vorwürfen einer Chinesin zu kämpfen, die ihn der Vergewaltigung bezichtigt hatte – die Vorwürfe konnten allerdings trotz einer Festnahme Lius in Minnesota nicht konkretisiert werden, so dass es nach heutigem Stand zu keiner Anklage kommen wird.

Eines sollten deutsche Unternehmen dabei nicht vergessen: Ein Unternehmen wie Zalando ist aufgrund seiner aktuellen Bewertung für die Chinesen ein durchaus kleiner Fisch – aber ein wichtiges Element für die weitere Expansion. Und Alibaba ist mehr als eine einfache Handelsplattform – die Veränderungen werden somit auch in Deutschland tätige Payment-Dienstleister oder Logistiker betreffen. Gerade in letzterem Fall plant Alibaba mit Hilfe des Dienstleister Cainiao, Pakete weltweit innerhalb von höchstens 72 Stunden zum Kunden zu bringen – ein ambitioniertes Ziel, das bisher aufgrund entsprechender Schwierigkeiten nicht einmal in China realistisch ist.

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