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Alles nur geklaut? Warum Teradata den Konkurrenten SAP verklagt

Auf SAP könnte ein längerer Rechtsstreit mit Teradata zukommen. Es geht um geistiges Eigentum und viel Geld. (Bild: Uwe Anspach/dpa)

SAP droht ein langwieriger Rechtsstreit mit dem Konkurrenten Teradata. Es geht dabei um viel Geld – und um einen krassen Vorwurf: SAP soll bei der Entwicklung von Hana geistiges Eigentum von Teradata gestohlen haben.

Wie Teradata gestern mitteilte, habe man vor einem nordkalifornischen Bezirksgericht Klage gegen SAP erhoben – wegen der Veruntreuung von Geschäftsgeheimnissen, wegen Verstoßes gegen das Urheberrecht und wegen Kartellrechtsverstößen. Um den Fall und die Vorwürfe zu verstehen, muss man rund zehn Jahre zurückgehen. In einem Joint Venture brachte die Walldorfer Softwareschmiede SAP ihre überaus erfolgreiche betriebswirtschaftliche Software ein, Teradata wiederum die Fähigkeit, große Datenmengen in minimaler Zeit zu analysieren und aufzubereiten. Was aus heutiger Sicht jede Wald- und Wiesenfirma können will, nämlich die Analyse großer Datenmengen, war zur damaligen Zeit noch die Domäne einiger weniger Firmen. Ziel sollte ein System sein, das es Unternehmen ermöglicht, seine Datenbestände über Geschäftsvorgänge, Cashflow und Kundenbeziehungen übersichtlich auszuwerten.

SAP gegen Teradata: Haben die Walldorfer ein falsches Spiel gespielt?

Heute klingt das bei Teradata deutlich anders. In einer Mitteilung des Unternehmens heißt es: „SAP köderte Teradata mit einem angeblichen Joint Venture, um Zugang zu Teradatas wertvollem geistigen Eigentum zu erhalten. Dabei war es SAPs Ziel, an Teradatas Geschäftsgeheimnisse zu gelangen, welche über einen Zeitraum von vier Jahrzehnten entwickelt wurden, um diese schnell zu nutzen und ein Konkurrenzprodukt – wenn auch ein minderwertiges – zu entwickeln und am Markt anzubieten.“ Kurz vor der Veröffentlichung von SAP Hana habe SAP die Partnerschaft aufgekündigt und später sogar versucht, seine Kunden auf Kosten von Teradata in SAP Hana zu drängen. Ob Teradata die Interessen des Walldorfer Unternehmens nicht schon damals hätte vorausahnen können, ist indes unklar. Schon vor zehn Jahren war SAP nicht irgendeine Softwareschmiede aus der badischen Provinz, sondern ein Weltkonzern – und für den lag das beschriebene Produkt durchaus als Vision nahe.

Der Vorwurf richtet sich gegen das wettbewerbsschädliche Verhalten von SAP gegenüber Teradata. Mindestens über ein Jahrzehnt habe SAP seine starke Position im Bereich Enterprise-Resouce-Planning (ERP) dazu genutzt, um Zugang zum Enterprise-Data-Analytics- und Warehousing (EDAW)-Markt zu erhalten. Ziel sei es gewesen, in diesem Markt, in dem das Unternehmen zuvor praktisch keine Relevanz hatte, schnell Marktanteile zu gewinnen. Ganz neu ist der Vorwurf allerdings nicht. Der Spiegel hatte 2015 über Anschuldigungen eines ehemaligen Mitarbeiters berichtet. SAP habe danach widerrechtlich geistiges Eigentum von Oracle, IBM, Blackberry und eben Teradata verwendet. Das Unternehmen hatte die Vorwürfe damals zurückgewiesen und als lächerlich bezeichnet.

Unsicherheit und drohender Imageschaden: Für SAP steht viel auf dem Spiel

Teradata klagt auf Unterlassung und fordert eine Wiedergutmachung, deren Höhe in der Anklageschrift nicht angegeben wird. Doch für SAP steht noch mehr auf dem Spiel: Das Image des Unternehmens, das in der Branche trotz seiner Größe immer noch den Ruf hat, kundenfreundlich zu sein und Kunden auf Augenhöhe und fair zu behandeln, könnte Schaden nehmen. Zudem haben ähnliche Prozesse in der Vergangenheit gezeigt, dass diese Ressourcen im Unternehmen binden und aufgrund des unsicheren Ausgangs immer ein Risiko darstellen. Im schlimmsten (wenn auch unwahrscheinlichen) Fall, dass SAP Teile seiner Hana-Technologie nicht mehr nutzen dürfte, müsste das Unternehmen praktisch alle aktuellen Anwendungen überarbeiten. Auch wenn der Kurs der SAP-Aktie sich weitgehend unbeeindruckt zeigte von der Klage, bleibt ein Risiko für Aktionäre, Kunden und nicht zuletzt für SAP selbst.

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