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Analyse

Allo: Warum Googles neuer Messenger kein WhatsApp-Killer ist

(Bild: Google)

Zur I/O 2016 trumpfte Google mit gleich zwei neuen Messengern auf: Allo und Duo. Mit den beiden neuen Messenger-Apps kommt noch mehr Verwirrung in den App-Kosmos Googles, denn damit hat das Unternehmen gleich drei Messenger zuviel in seinem Sortiment. Aber das ist nicht alles, denn gleichzeitig verschläft Google einen wichtigen Trend.

Allo, Hangouts und Co.: Viele Messenger-Apps, aber kein „WhatsApp-Killer“

Allo: Der neue Messenger von Google soll sich unter anderem durch KI, Smart- Reply-Funktion und bunte Emoji auszeichnen. (Bild. Google)
Allo: Der neue Messenger von Google soll sich unter anderem durch KI, Smart-Reply-Funktion und bunte Sticker auszeichnen. (Bild. Google)

Google ist bekannt dafür, viele Apps mit ähnlichem Funktionsumfang zu entwickeln – deshalb ließ ArsTechnica-Autor Ron Amadeo sich einst zu einem Artikel mit dem Titel „Google’s product strategy: Make two of everything“ hinreißen. Er meinte, dass das Produktangebot eine große Serie von A/B-Tests sei, angesichts dessen, dass viele Dienste und Apps nach einer „Testphase“ wieder eingestampft werden. Jetzt aber treibt es Google noch weiter. Denn neben dem 2013 gestarteten Messenger Hangouts und der SMS-App mit dem generischen Namen „Messenger“ hat Google im Zuge der I/O 2016 zwei weitere Messenger-Apps enthüllt: Allo und Duo.

Die beiden Apps sind in ihrem Funktionsumfang zwar verschieden – Allo ist textbasiert, Duo hat Videotelefonie im Fokus – aber eigentlich hätte Google auch sein Hangouts einfach aktualisieren können, denn die App beherrscht sowohl Videotelefonie als auch Textmessaging.

Allo lockt mit vielen Funktionen und Spielereien. (Bild: Google)
Allo lockt mit vielen Funktionen und Spielereien. (Bild: Google)

Bei den beiden neuen Messengern hat Google aber wohl unter anderem zum Ziel, KI (Künstliche Intelligenz) und Machine Learning zu pushen, da die Apps, vor allem Allo, dazu in der Lage sind, den Nachrichtenverlauf zu analysieren. Basierend auf den Eingaben kann die App Vorschläge für schnelle Textantworten im Stile des Schreibenden anbieten. Im Unterschied zu Hangouts ist Allo ausschließlich auf dem Smartphone verwendbar und wie WhatsApp mit der eigenen Telefonnummer gekoppelt.

Man könnte anhand der Funktionsweise meinen, dass Google mit den Apps nicht nur seine KI testen, sondern auch die Apps iMessage und Facetime von Apple klonen will, die im Ansatz den gleichen Funktionsumfang besitzen – von WhatsApp ganz zu schweigen. Der am weitesten verbreitete Messenger der Welt soll in naher Zukunft auch mit Videotelefonie bestückt werden. Wenn WhatsApp das alles beherrscht, wieso sollte man dann noch zu einer neuen App greifen, die kaum jemand kennt? Und selbst wenn die App toll ist, wie kann ich meine Freunde, Verwandten, Kollegen und Co. auf den neuen Dienst lotsen? Die Masse ist schließlich träge.

Ob Google mit seiner Messenger-Strategie trotz begründeter Skepsis nun erfolgreich sein wird, bleibt abzuwarten. Die Vergangenheit zeigt jedoch, dass Google kein gutes Händchen in Sachen Messenger hat. Hangouts – ich benutze den Messenger gerne und oft – kommt bei den meisten Usern nicht sonderlich gut an, und wird letzten Zahlen zufolge wenig genutzt, obwohl er auf jedem Android-Smartphone vorinstalliert ist. Auch der Vorgänger Google Talk fristete ein Schattendasein. Wieso sollte sich der Trend mit Allo und Duo ändern, selbst wenn die Apps auf jedem Samsung-Galaxy-, LG-, HTC- oder Huawei-Smartphone vorinstalliert sind? Außerdem bleibt Hangouts weiterhin bestehen – schon allein wegen des Google-App-Wirrwarrs wird man die neuen Anwendungen wahrscheinlich einfach ignorieren.

Die drei Kernfeatures von Allo – das letzte muss aber manuell aktiviert werden. (Bild: Google)
Die drei Kernfeatures von Allo – das letzte muss aber manuell aktiviert werden. (Bild: Google)

Allo: Googles Messenger ist nicht sicher – sagt Edward Snowden

Die inkonsistente App-Politik Googles und die Trägheit der Masse sind aber nur zwei Aspekte, die bei Allo, Duo und selbst Hangouts problematisch sind. Denn nur bei der Videochat-App Duo, quasi der Antwort auf  Facetime, setzt Google auf eine sichere Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Hier ist selbst WhatsApp schon weiter: Seit April dieses Jahres ist die Kommunikation Ende-zu-Ende-verschlüsselt, sodass ihr euch ziemlich sicher sein könnt, dass niemand eure Nachrichten mitliest – bei den Metadaten sieht es aber bei WhatsApp noch anders aus.

Nur im Inkognito-Modus unterstützt Allo Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. (Bild: Google)
Nicht mehr zeitgemäß: Nur im Inkognito-Modus unterstützt Allo Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. (Bild: OpenWhisperSystems)

Whistleblower Edward Snowden hält Googles Lösung angesichts der fehlenden Verschlüsselung für gefährlich, wie er auf Twitter mitteilt. Er geht so weit zu sagen, dass man Allo meiden solle:

Nicht nur Snowden, sogar Thai Duong, einer der Mitentwickler von Allo und Sicherheitsexperte bei Google, ist nicht glücklich: Bei Allo ist die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, die auf dem Open-Whisper-Systems-Protokoll basiert, standardmäßig deaktiviert. Auf seinem Blog verschaffte er sich Luft darüber, löschte aber später entsprechende Passagen. Auf Techcrunch können sie aber noch in vollem Umfang nachgelesen werden. Zusammengefasst schrieb er, dass Allo standardmäßig nicht sicher sei, weil eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zwar integriert, sie aber ab Werk deaktiviert sei. Dies ändere sich nur mit der Aktivierung eines Inkognito-Chats. Er setze sich aber dafür ein, dass wenigstens eine leicht zugängliche Option zur Aktivierung der Verschlüsselung in den Messenger integriert wird.

Ob das aber geschieht, ist fraglich. Dadurch kann eines der Ziele, für die Google Allo überhaupt entwickelt hat, nämlich nicht erreicht werden. Der Google-Assistant und die KI können bei aktivierter Ende-zu-Ende-Verschlüsselung nicht genutzt werden, da sie keinen Zugriff auf die eingegebenen Nachrichten haben. Google legt bei Allo also mehr Wert auf seine KI und eine bequeme Nutzung als auf Sicherheit. Ob das in Zeiten, in denen User immer mehr  Wert auf verschlüsselte Kommunikation legen, eine kluge Entscheidung ist, ist zu bezweifeln. Die Felder maschinelles Lernen, smarte digitale Assistenten und  künstliche Intelligenz werden von allen großen Unternehmen wie Apple, Facebook, Amazon und Google umfassend erforscht und weiterentwickelt. Trotzdem sollte man meiner Meinung nach Produkte, die einen Fokus auf privater Kommunikation haben, entsprechend absichern. Im Google-Assistenten oder bei Apples Siri dürfte das Ganze hingegen seinen Zweck erfüllen und den Nutzen umfassend erweitern.

Abgesehen vom Test der KI dürfte Google auch mit Blick auf das Geschäftsmodell wenig Interesse an komplett abgesicherter Kommunikation haben, schließlich nutzt das Unternehmen unsere Daten, um seine Suche und Werbeanzeigen zu optimieren. Generell habe ich kein Problem damit, denn als Gegenleistung bekomme ich großartige Produkte. Beim Messenger sollte Google aber vielleicht umdenken ...

Was ist euch lieber: Ein smarter Messenger mit vielen coolen Funktionen, oder ein sicherer? 

via www.independent.co.uk

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3 Reaktionen
Guest

Die Punkte sind ja alle ok, aber der eigentliche Grund aus dem sich neue Programme nicht gegen Whatsapp durchsetzten ist einfach nur der, dass nicht jeder diese neue Software nutzt und dann steht man wieder da und kann nur mit der Hälfte der Kontakte (wenn überhaupt) kommunizieren und braucht doch wieder mindestens zwei Apps auf dem Smartphone für den gleichen Zweck.

Das wird auch solange so bleiben bis Whatsapp/Facebook einmal die Sch**** greift und sie ihre gesamte Userbase verlieren. Also warscheinlich nicht so schnell.

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Guido

Ich glaube nicht, das Verschlüsselung für die Mehrheit eine große Rolle spielt. Die verstehen gar nicht, was Transport-Verschlüsselung, Ende-zu-Ende-Verschlüsselung usw. bedeutet. Und die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Sicherere Alternativen wie Threema hatten ihren kleinen Snowden-Boom. Aber Threema hat nicht mal 1% der Nutzer, die Whatsapp hat. Völlig irrelevant.

Allo und Duo werden scheitern, weil ihnen die einzigartigen Features fehlen, mit denen man Leute aus dem Whatsapp-Universum zum Umstieg bewegen könnte.

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Firas

Man kann auch nicht einfach annehmen dass Ende-zu-Ende Verschlüsselung wirklich sicher ist.

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