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Analyse

Warum die Google-Gründer jetzt noch mächtiger werden

Eric Schmidt tritt hinter Larry Page und Sergey Brin zurück und übernimmt bei Google eine neue Rolle (Foto: Archiv, Google)

Nach mehr als 16 Jahren verlässt Eric Schmidt die Managementebene von Alphabet. Für die Google-Mutter bedeutet das: Die Gründer bekommen noch mehr Macht.

Den wichtigsten Satz hat Alphabet am Schluss des Schreibens versteckt. In der Erklärung, in der die Google-Mutter am Donnerstag den Abschied von Eric Schmidt als Chefaufseher verkündete, heißt es am Ende: „Das Unternehmen geht davon aus, dass der Verwaltungsrat einen Non-Executive Chairman ernennen wird.“

Der Satz gibt einen Hinweis darauf, was sich bei Alphabet mit dem Abgang des langjährigen Kopfes des Onlineriesen verändern wird: Der Verwaltungsrat erhält weniger Macht, die Gründer mehr. Bisher besitzt Schmidt als Executive Chairman auch Managementaufgaben, er repräsentiert den Konzern beispielsweise unter anderem nach außen, hat Einfluss auf die Strategie.

Was sich bei Alphabet ändert

Mit seinem Abgang im Januar dürfte sich das ändern. Denn ein Non-Executive Chairman fungiert als reiner Aufsichtsrat. An zukunftsweisenden Entscheidungen ist er nur insofern beteiligt, als dass er sie abnicken darf. Mitgestalten wird er sie aber nicht.

Larry Page und Sergey Brin zementieren damit ihre Macht bei Alphabet. Die Zukunftsplanung wird künftig komplett aus ihrer Feder stammen, ein Einbeziehen des Verwaltungsratschefs ist nicht mehr notwendig. Das geht einher mit der bisherigen Strategie der beiden Unternehmenslenker: so wenig Kontrolle wie möglich abgeben. Schon in der Aktienstruktur haben sie ihren Einfluss gefestigt: Obwohl sie nur noch zwölf Prozent der Papiere an Alphabet halten, haben sie sich die Mehrheit der Stimmrechte gesichert.

Eric Schmidt war von April 2011 bis zum 10. August 2015 Executive Chairman von Google. Danach wechselte er in derselben Position zu Alphabet. (Foto: Frederic Legrand - COMEO / Shutterstock.com)

Das funktioniert über einen Kniff: Alphabet hat seine Papiere in A-, B- und C-Aktien unterteilt. Wer C-Aktien hält, besitzt lediglich einen Anteil am Unternehmen, aber kein Stimmrecht. Wer A-Aktien hält, besitzt sowohl einen Anteil am Unternehmen als auch ein Stimmrecht pro Papier. Der Clou sind die B-Aktien: Sie sind nicht börsennotiert, geben dem Aktionär aber sowohl Anteile am Unternehmen als auch das zehnfache Stimmrecht. Genau diese Papiere gehören Page und Brin, die Gründer können mit ihren 52 Prozent erheblichen Einfluss nehmen.

Bisher konnte Eric Schmidt, der in Zukunft nur noch beratend zur Seite stehen wird, qua Amt noch ein Wort mitreden. Als er 2001 zu Google kam, sollte er die beiden Gründer beaufsichtigen und anleiten. Die dpa schreibt von „Erwachsenen-Aufsicht“. Die scheint nun als nicht mehr notwendig erachtet zu werden. Page und Brin dürfen jetzt wieder allein bestimmen. Und ihre Macht weiter ausbauen.

Was der Rückzug von Schmidt für Googles Kurs bedeutet

Was bedeutet das für den Kurs von Alphabet? Page und Brin waren anders als andere Silicon-Valley-Unternehmen nie in erster Linie zahlengetrieben. Das gut laufende Werbegeschäft von Google nutzten sie dazu, Geld in oftmals visionäre Projekte mit ungewissem Erfolg zu stecken. Von der Erforschung des Alterns über fliegende Autos bis zu selbstfahrenden Autos – Alphabet investiert viel in Projekte, die erst einmal vor allem Geld kosten. Fraglich, ob sich das Unternehmen ohne den großen Einfluss der Gründer so hätte aufstellen können.

Als Google 2010 entschied, sich aus China zurückzuziehen, waren es die beiden Gründer, die aus moralischen Gründen im Verwaltungsrat darauf drängten, berichtete damals das Wall Street Journal. Eine Entscheidung, die später wieder relativiert wurde: Erst kürzlich eröffnete der Konzern ein KI-Zentrum in Peking. Doch bis heute sind in China wichtige Google-Dienste wie Gmail und die Websuche nicht verfügbar.

Den Rückzug aus China mussten sie demnach gegen ihren eigenen damaligen Chef Eric Schmidt durchsetzen, der auf die riesigen Marktchancen der Diktatur verwies. Mit der zementierten Macht der Gründer dürfte klar sein: Alphabet und Google werden zwar auch künftig viel Geld verdienen – aber es wird nicht die einzige Priorität des Unternehmens sein.

Mitarbeit: Stephan Dörner

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