Ratgeber

Wie Altersvorsorge dank digitaler Lösungen smarter wird

(Foto: Shutterstock)

Deutschlandweit droht die Rentenlücke. Man könnte meinen, die Deutschen würden als Konsequenz den privaten (Renten-)Versicherern die Tür einrennen. Dies ist aber mitnichten der Fall.

Die Bürger schieben das Thema auf die lange Bank, auch deswegen, weil es ihnen die Versicherungskonzerne schlichtweg zu schwer machen, sich zu informieren, sinnvolle Policen abzuschließen und die eigene Vorsorge selbst in die Hand zu nehmen. Dabei bietet die Digitalisierung aktuell viele Chancen für Versicherer, die Deutschen aus dieser Verdrängungshaltung abzuholen und neue Zielgruppen zu erschließen. Dafür braucht es aber vor allem eins: Moderne Lösungen, die Vertrauen schaffen.

Status quo – viele Optionen, keine zeitgemäßen Lösungen

An Auswahl mangelt es in der Altersvorsorge beileibe nicht: Investmentfonds, Bankeinlage oder Lebensversicherung. Theoretisch ist alles da, was der Bürger braucht. Einzig allein vernünftig und selbstbestimmt umgehen kann er damit nicht. Viele Vorsorgemodelle sind ein Relikt der Vergangenheit und orientieren sich am klassischen Modell der jahrzehntelangen Konzernkarriere ohne Gehaltslücken, die einen langsamen, aber steten Anstieg der Einlagen ermöglichen. Damit bieten diese Angebote nicht die nötige Flexibilität, die die heutige Generation von Vorsorgern benötigt. Heutzutage sind Arbeitsplatzwechsel, Jobpausen oder Sabbaticals nicht unüblich und Versicherte wollen vielleicht einmal mehr oder weniger einzahlen, pausieren oder ihre Vorsorge wechseln. Hier kann die Digitalisierung Abhilfe schaffen und flexiblere Einzahlungsmodelle bieten.

Vorsorge so einfach wie ein Bankkonto – weil es die Kunden wünschen

Mit einem Klick alles im Blick. Theoretisch kann auch Altersvorsorge heutzutage so einfach wie ein Bankkonto sein. Erste Vorsorger starten daher mit Online-Portalen, die den aktuellen Vorsorgestand anschaulich und in Echtzeit visualisieren, statt die Versicherten nur an Stichtagen über ihren Status zu informieren. Und damit sind sie auf dem richtigen Weg: Wie eine Befragung von Mercer zeigt, wünschen sich zwei Drittel aller Deutschen eine zentrale Informationsplattform bei der betrieblichen Altersvorsorge. Die Zahlen für die private Altersvorsorge dürften ähnlich ausfallen, würde man die Deutschen dazu befragen. Denkbar wäre auch, dass der Staat hier seine Fürsorgerolle ernster nimmt: Wieso nicht ein staatliches Online-Portal, das jeden über den Status quo seiner Altersvorsorge aufklärt? In Schweden ist das schon seit Jahren gang und gäbe. Hier loggt sich jeder Bürger regelmäßig in ein zentrales Portal ein und weiß daher bestens Bescheid, wie es finanziell um ihn im Alter bestellt ist. In Deutschland hingegen herrscht Zettelwirtschaft in Form eines jährlichen Rentenbescheids. Denkbar sind also viele Wege, allein am Willen, sich zu bewegen, mangelt es (noch).

Herausforderungen: Datenschutz, Produktvielfalt und Makler mit an Bord holen

Vor allem das Thema Datenschutz macht solch ein deutschlandweites oder zumindest innerhalb einer Versicherung zentrales Portal jedoch zur Mammutaufgabe. Dennoch ist das Thema Rentenniveau zu wichtig, um sich hiervon abschrecken zu lassen. Versicherungen sind schlichtweg moralisch verpflichtet, für mehr Transparenz und Aufklärung zu sorgen, um die sich anbahnenden Versorgungslücken zu schließen.

Dabei wird es auch eine Herausforderung sein, die Makler mit ins Boot zu holen. Denn ganz klar ist auch: Trotz Digitalisierung will nicht jeder künftig das sensible Thema Altersvorsorge ganz alleine online abschließen. Die Mehrheit der Deutschen wünscht sich hier persönliche Beratung von Mensch zu Mensch. Jedoch erst, nachdem sie sich online bereits vorinformiert hat. Der Makler nicht als Verkäufer, sondern als Sparringspartner und Berater. Auf diese neue Rolle müssen sich Makler künftig einstellen. Damit öffnen sich ihnen jedoch auch viele Türen hin zu einem besseren Berufsimage, geringerem Verwaltungsaufwand und Verkaufsdruck.

Zu guter Letzt stellt auch die Produktvielfalt beim Thema Vorsorge Versicherer vor Herausforderungen bei der Digitalisierung. Die Masse der Anlageformen erschwert es, ganzheitliche digitale Lösungen zu schaffen oder die verschiedenen Erträge gut zu vergleichen.

Drei Tipps für Versicherer, um diese Herausforderungen zu bewältigen

1. Kundenorientiert denken, statt blindem Technologieaktionismus zu verfallen

Letzten Endes interessiert es den Kunden nicht, ob ein Versicherer eine toll durchdesignte App hat, mit Chatbots experimentiert oder Zahlungen per Blockchain akzeptiert. Das ist technologischer Schnickschnack, der nur verschleiert, dass viele Versicherer gar nicht so recht wissen, was der Kunde eigentlich will. Deshalb: Geht das Thema Einfachheit an. Macht euer Kundenportal einfach navigierbar und überarbeitet eure Anlageformen dahingehend, dass sie möglichst übersichtlich, flexibel und verständlich sind. Das Ganze 100 Prozent digital und es ist schon viel gewonnen.

2. Die Digitalisierung zum Umdenken nutzen

Sind wir doch mal ehrlich: Versicherer profitierten in der Vergangenheit von der Unwissenheit ihrer Kunden. Mit der Digitalisierung werden die Karten jedoch neu gemischt und Kunden können schneller zwischen Versicherern wechseln, als es manchem lieb ist. Versicherer sollten daher in der Digitalisierung die Chance zum Richtungswechsel sehen: mehr Transparenz, mehr Kundenbindung. Das schafft auch Neukunden, die sonst aus Unsicherheit gar nichts abgeschlossen hätten.

3. Keine Angst vor Insur-Techs haben, sie aber auch nicht belächeln

In der Branche gibt es eine Tendenz dazu, entweder Angst vor dem Zeitalter der Insur-Techs zu haben oder aber das Aufkeimen dieser jungen Szene zu Unrecht zu belächeln. Versicherer sollten diese neuen Services und Unternehmen genau beobachten. Nicht selten haben sie ein Gespür dafür, was der Kunde eigentlich will. Versicherer können sich hiervon einiges abschauen und sich gleichzeitig künftige Akquise-Kandidaten warmhalten. Auch wenn es vielen Insur-Techs sicher noch an praktischem Nutzen oder großen Zahlen fehlt, zu belächeln sind sie keineswegs.

Fazit

An den Versicherten liegt es nicht, wenn das Thema Digitalisierung nur schleppend vorangeht. Die Bürger wünschen sich mehr Aufklärung und angesichts der drohenden Rentenlücke müssen und werden sie sich irgendwann aktiv mit dem Thema Vorsorge auseinandersetzen. Auch wenn die digitale Transformation für Schwergewichte wie große Versicherungen keine triviale Aufgabe ist, bietet sie doch die Chance, Akzente zu setzen, statt dem Fortschritt wie sonst in der Branche üblich lediglich hinterherzulaufen. Auf eine zentrale politische Lösung zu hoffen, ist angesichts der Trägheit der politischen Parteien bezüglich dieses Themas utopisch. Daher: Packen wir’s an!

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