Du hast deinen AdBlocker an?

Es wäre ein Traum, wenn du ihn für t3n.de deaktivierst. Wir zeigen dir gerne, wie das geht. Und natürlich erklären wir dir auch, warum uns das so wichtig ist. Digitales High-five, deine t3n-Redaktion

Kommentar

Amazons Bewertungssystem ist stark überholungsbedürftig

(Grafik: Jochen G. Fuchs)

Amazon hat beim Frühjahrsputz zehntausende Bewertungen gelöscht. Leider behebt das nicht das Grundproblem: Das Bewertungssystem funktioniert gar nicht mehr. Änderungen sind dringend nötig.

Amazon löscht zehntausende sogenannter incentivierter Bewertungen – gemeint sind damit Bewertungen, für die ein Kunde ein kostenloses oder stark vergünstigtes Produkt erhalten hat. Die Diskussionsspalte auf t3n war belebter als die Frankfurter Zeil und die Emotionen kochten hoch: Yeah! Endlich greift Amazon durch und löscht die doofen, gekauften Bewertungen.

Da gibt es nur ein Problem: Die Händler haben nicht grundlos auf diese Bewertungen zurückgegriffen. Das System an sich ist stark überholungsbedürftig, denn die Kunden bewerten kaum noch. Und das schadet Kunden wie Händlern.

Amazon Bewertungen: Die Bewertungslage der Nation

Aus vielen Gesprächen mit Händlern, aber auch aus eigener Erfahrung als Roman-Autor, kristallisiert sich eine Erkenntnis heraus: Die Kunden bewerten nicht mehr. Es gehen zwar Bewertungen ein, sie stehen aber in keinem vernünftigen Verhältnis zu den verkauften Stückzahlen.

Produkte, die keine hoch-emotionalen Reaktionen auslösen, dümpeln wochenlang ohne Rezensionen umher. Aber auch Alltagsprodukte müssen eigentlich irgendwie bewertet werden. Wie sollst du dich sonst für die richtige Handyhülle entscheiden?

Ein Großteil der Bewertungen wird von Vielnutzern, sozusagen immer wieder vom selben Personenkreis getätigt. Otto Normalbürger hat eigentlich keine Lust mehr auf Produktbewertungen. Und das ist der eigentliche Grund dafür, dass die mittlerweile verbotenen incentivierten Bewertungen überhaupt entstanden sind.

Händler brauchen Bewertungen

Die Bewertung an sich ist immer noch sehr entscheidend an der Kaufentscheidung beteiligt. Also sind diese verflixten kleinen Texte für Händler lebenswichtig. Ganz besonders gilt das beim Verkauf über Amazon. Eine einzelne Bewertung mit einem Stern kann schon das komplette Aus für ein Produkt bedeuten, wenn der Verriss gleich zu Beginn des Verkaufs erscheint – Aus, Schluss und vorbei.

Produkte ohne Bewertungen verkaufen sich aber auch nicht, Produkte mit wenigen Bewertungen verkaufen sich schlecht. Das ist schon fast ein Henne-Ei-Problem. Keine Bewertungen, kein Verkauf. Kein Verkauf, keine Bewertungen. Also was tun?

Kunden an Bewertungen zu erinnern, ist dem Händler auf dem Amazon-Marktplatz nicht gestattet und außerhalb fühlen sich viele Kunden durch Bettelmails gestört.

Diese gesamte Situation führt schließlich dazu, dass ein System wie das der incentivierten Bewertungen überhaupt erfolgreich entstehen kann.

Bewertet mehr!

Amazon Bewertungen: Nicht alle Produkte haben soviel Glück wie Amazons Tablet-Serie und können mit tausenden Bewertungen rechnen. (Screenshot: Amazon)

Ein erster Schritt zur Lösung dieses Problems wäre es, wenn wir alle etwas Zeit in die Bewertung der Produkte stecken würden, die wir erwerben. Schließlich profitieren wir selbst von unabhängigen Bewertungen, die Produkte ehrlich einschätzen.

Das entzieht der kommerziellen Bewertungsindustrie schon ein klein wenig die Lebensgrundlage. Aber dieser simple Aufruf wird noch lange nicht ausreichen, um ein überholungsbedürftiges System wieder vernünftig in Gang zu setzen.

Amazon Bewertungen: Das System muss überarbeitet werden

Dazu muss Amazon an den Zahnrädern dieses Systems drehen. Die teuren Bewertungen aus dem Amazon-eigenen Vine-Programm sind kein Ersatz für eine größere Anzahl an Kundenbewertungen.

Anreize für Bewertungen zu schaffen, könnte ein vielversprechender Ansatz sein. Das hat schon beim System der incentivierten Bewertungen für Händler gut funktioniert – Produkte zu rabattieren oder zu verschenken, erzeugt aber nur Gefälligkeitsbewertungen

Systemseitige Anreize vom Plattform-Anbieter wären aber eine Möglichkeit. Würden Kunden für die Abgabe einer Bewertung zentral vom Plattformbetreiber einen Anreiz erhalten, der Kunden unabhängig vom Händler, Produkt und vom Inhalt der Bewertung gewährt wird, ist eine ehrliche Bewertung noch am ehesten möglich. Vermutlich reicht es schon, wenn der Anreiz über einen begrenzten Zeitraum geschaffen wird, um die ersten Bewertungen anzustoßen.

Eine Möglichkeit wären Bonuspunkte, die in Amazon-Gutscheine umgetauscht werden können und/oder ein Gamificationansatz. Mit so einem Mechanismus könnten Marktplätze die Bewertungsfrequenz wieder steigern.

Das wäre ein weiterer Schritt in die richtige Richtung.

Das könnte dich auch interessieren:

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

8 Reaktionen
Allie

Ja wer möchte schon die 1000e Glühirnenbewertung lesen oder schreiben. Sehe ich auch so. Kaum jemand stört sich daran, dass Amazon immer noch mit dem Vinclub gekaufte Bewertungen erstellen lässt (unlautere Wettbewerbsverzerrung). Somit hat Amazon hier auch schon wieder einen sittenwidrigen Vorteil. Das kann man jedoch nur dann erkennen, wenn man weiß, wie die Umsätze steigen, sobald eine gute Produktbwertung geschrieben wurde. Nun merkt jedoch Amazon, dass es noch weniger Spaß macht etwas zu schreiben, wenn man weder ein Produkt oder Geld erhält oder auch damit rechnen muss, dass die Bewertung wieder gelöscht wird. Folglich bleiben jetzt auch die Bewertungen in erheblichem Ausmaß aus. Das wirkt sich auch generell negativ auf den Umsatz von Amazon aus, weil grade dieser neue Bewertungscontent ja für das Googleranking des Listings wichig ist. In Amerika führt Amazon deshalb jetzt die Möglichkeit für den Händler und Amazon ein, dass Listing mit eigenem Text und mehr Bildern zu erweitern, so dass doch wieder mehr googleförderlicher Content entseht. Insgesamt wundere ich mich nur, dass Amazon immer noch so eine gute Presse erhält. Das Arbeitsklima ist toxisch, Amazon beklaut die Händler (die Ware und Umsätze) und bezahlt kaum Gewinnsteuer und keine Umsatzsteuer. Dann hat Amazon die Amerikanischen Händler nach Deutschland geholt, die eine überaus großzügige Kleinunternehmerregelung von 100.000 Euro Umsatz in Deutschland erhalten. Deshalb haben die Amerikaner die Deutschen Händler verdrängt. Die "Soloselbständigen Händlerjobs" hätten wir sicherlich auch gerne in Deutschland behalten, aber da die Deutschen nicht erahnen, wie die Amerikaner sich in riesigen Gruppen absprechen und fördern mit Sofware, Preisabsprache, großzüge Kleinunternehmerregelung und damit einhergehende Umsatzsteuerbefreiung usw., sind diese Jobs und Steuergelder weg. Aber kaum jemand sagt was, dabei sollte Amazon im gleichen Atemzug mit Firmen wie Monsanto und Nestle erwähnt werden. Wie gerne brüstet sich der Assoziale Chef Bezos mit: alle anderen werden von der Klipper gescheudert! Amazon ist eine Firma die keine Werte hat und für die Sozialgemeinschaft auch nur schädlich ist.

Antworten
contentwerkstatt

So schaut's aus. Aber darüber denkt keiner nach. Und wenn ich schon das Ziel von Amazon höre: Den Verbrauchern ein tolles Einkaufserlebnis zu bieten. Dass ich nicht lache. Es geht um Kohle und um Marktmacht, die wieder Kohle in die Taschen der Macher spült.
Das ganze Bewertungs-Tamtam ist doch hausgemacht und dem menschlichen Herdentrieb geschuldet. Denn was nützt es mir denn, wenn Lieschen Müller eine positive oder negative Bewertung abgibt? Kenne ich Lieschen Müller, weiß sie, wie man mit dem Artikel umgeht? Welche Erwartungen hatte sie eigentlich? Kann ich Lieschen Müller so weit vertrauen, dass ihre Meinung (und ich wiederhole mich gerne: Bewertungen sind Meinungen - keine Tatsachen!!!) auch für mich relevant ist? Alle sind schuld: die Werbeindustrie, Amazon, die Produkttester, die Testagenturen, die Händler, die Hersteller ... Aber nur der Verbraucher nicht, der gerne sein Gehirn abgibt und sich nicht über seine Rechte informieren will. Denn das ist bereits die Lösung. Es gibt ein Widerrufsrecht, von dem ich im Falle eines Falles auch Gebrauch machen kann!!!
Und übrigens: Wer sich ein Pfund Butter von Amazon liefern lässt, tut mir überhaupt nicht leid ;)

Antworten
Sven

Was gerade bei den Allerweltsprodukten nervt ist, dass man nicht einfach nur seine Sterne abgeben kann, sondern auch noch 3 Zeilen dazu schreiben soll, warum eine Glühbirne leuchtet und warum man damit zufrieden ist, wenn sie das tut, was sie soll: LEUCHTEN. Das ist mir und unter Garantie Millionen anderen Kunden einfach zu viel Aufwand.

Antworten
Jochen G. Fuchs

Wichtiger Punkt! Bewertungssystem vereinfachen. Danke!

Antworten
Jürgen Eder

Bewertungen werden auch nicht immer akzeptiert bei AMazon. So ist mir das passiert bei einer Überwachungskamera. Etwas über eine halbe Stunde investiert für einen Bewertungstest und dann kam innerhalb von Sekunden eine Antwort das die Bewertung irgendwelche Richtlinien nicht einhält.

Das war meine letzte Bewertung bei Amazon. Wenn ein Roboter meinen Text nicht versteht, ist das nicht mein Problem.

Antworten
Uli

Bei Amazon gibt es auch viele negativ Bewertungen von Menschen, die die entweder Produktbeschreibung nicht richtig gelesen haben, oder schlicht zu blöd sind, das Produkt ordnungsgemäß zu nutzen.

Antworten
Benjamin Wagener

Dringend überarbeitet werden müssten auch mal die Film-Bewertungen. Das ist oft so, dass da die Versionen total durcheinander gemischt sind, aber auch viele Bewertungen drin sind, die nur den Film an sich bewerten, völlig unabhängig von der DVD oder Blu-ray. Ist dann natürlich blöd, wenn z.B. die Alien-Anthology-Filme hoch gelobt werden, die DVD-Sammlung aber Müll ist, weil die Herstellung und die Verpackung so mies sind, dass die Scheiben schnell unbrauchbar werden.

Antworten
Christian Kelm

Moin Moin,

ein Blick in die Amazon Video App zeigt ja was getestet wird - es werden zwar alle Bewertungen in Summe angezeigt, aber nur die letzten Bewertungen eines kurzen Zeitraum als Balken angezeigt und nur die Relevantesten sind zu lesen.

Ein lange angekündigtes Ziel wird sicher bald umgesetzt - Bewertungen werden nur für einen festen Zeitraum angezeigt (Beispielhaft Zeitraum 1 Jahr). Oder es gibt in der App schlicht keine Möglichkeit alle Daten anzuzeigen ;-)

Antworten

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.