Analyse

Amazon Business kommt: Wieso Händler sich jetzt anmelden sollten

(Bild: Shutterstock / dennizn)

Nicht mehr länger ein Gerücht: Die Anmeldung für Amazon Business ist jetzt möglich. Auch schon vor dem offiziellen Start gibt es einige Funktionen, die jetzt schon zur Verfügung stehen.

Worum geht es bei dem Amazon-Business-Programm?

Bereits 2015 führte Amazon sein Business-Programm in den USA ein. Es geht darum, für Unternehmen eine Beschaffungslösung zu schaffen. Das bedeutet, Unternehmer-Käufer können Ware auf Rechnung kaufen oder bekommen sogar die Möglichkeit, die Ware per Kredit zu finanzieren. Aber auch die Anbindung von externer Software, die unternehmensspezifische Beschaffungsprozesse abbildet, ist möglich.

Ist der B2B-Markt denn groß?

Im Grunde geht es Amazon darum, den wesentlich größeren B2B-Markt für sich zu erschließen. Denn dieser ist weit größer als der B2C-Markt. Laut dem Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (BEVH) verzeichnete der B2B-Versandhandel 2015 ein Plus von 32,5 %. Nach einer Hochrechnung des IFH in Köln hat das B2B-Marktsegment am gesamten E-Commerce-Volumen einen Anteil von 95 %. Das entspräche einem B2B-Umsatz von mehr als 900 Milliarden Euro. Bisweilen nutzen nur 14 % der Unternehmen das Internet zur Abwicklung ihres Gesamtumsatzes, sagt das statistische Bundesamt 2013 darüber.

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Screenshot: Amazon

Das Amazon-Business-Verkäuferprogramm

Ausgewählte Händler haben bereits am 5. Oktober einen Nachbericht in ihrer Seller Central gehabt. Sie wurden bereits zur Registrierung und zum Upgrade auf ein Amazon-Business-Verkäuferkonto eingeladen. Amazon hat hierzu bereits eine eigene Startseite eingerichtet.

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Screenshot: Amazon

Fazit

Bemüht man einmal die Amazon-Hilfe aus der Seller Central und gibt Amazon Business ein, so erscheinen schon alle Hilfeseiten. Diese dokumentieren, dass der offizielle Start von Amazon Business unmittelbar bevorsteht.

Es war ja nun seit fast einem Jahr zu erwarten, dass Amazon auch einen Markteintritt in den lukrativen B2B-Markt sucht. Für mich überraschend ist in der Tat, dass die etablierten B2C-Marktplätze noch nicht einmal ansatzweise versucht haben, ihre eigenen Services zu verbessern oder sich einen eigenen USP zu erarbeiten. Damit wäre dann die Frage, wer am Ende den Markt gewinnt, auch nicht mehr so schwer zu beantworten. Amazon wird recht schnell die Nase sehr weit vorne haben, denn der Handelsriese wird die gleiche Metrik an den B2B-Handel legen, wie man es schon beim B2C-Handel getan hat: 100-prozentige Konzentration und Fokussierung auf den Kunden!

Jetzt hatten ja nahezu alle B2B-Anbieter bereits mehrere Jahre die Möglichkeit, den Erfolg von Amazon zu beobachten. Auch die eigentlich freundlichen Institute haben gebetsmühlenartig bereits gepredigt, dass sich der B2B-Kunde nicht wesentlich von B2C-Konsumenten unterscheidet. Da muss ich mich doch echt Fragen: Warum tut sich nichts?

Wie schlecht ist denn zum Beispiel der Auftritt von mercateo.com? Auch der hochgelobte B2B-Marktplatz contorion.de glänzt nicht. Bevor ich mir überhaupt einmal Preise anschauen kann, muss ich erst einmal das ein oder andere Fenster wegklicken. Preislich scheint auch dieser Marktplatz nicht sonderlich attraktiv zu sein.

Jetzt sind ja gerade die Veranstaltungen, die B2B thematisieren oder aber Vorträge rund um Amazon, recht gut besucht. Ich frage mich, was das Auditorium denn in solchen Vorträgen macht. Ob sie sich in der Nase bohren oder Däumchen drehen?

Wer seit Jahren aufmerksam zuhört, der weiß, dass es nur einen Weg gibt, sein Geschäftsmodell erfolgreich am Markt zu platzieren: die Bedürfnisse des Kunden bestens erkennen und bestens bedienen. So einfach das auch klingt, so schwierig erscheint das doch für den deutschen Handel und die Hersteller zu sein.

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3 Kommentare
Dublone
Dublone

Wenn man schon Wettbewerber wie Mercateo oder Contorion zitiert, sollte man sich wenigstens auch die Mühe machen, mehr als 5 Minuten an der Oberfläche zu kratzen.

Mercateos Webauftritt ist nur noch Legacy – ihr Hauptgeschäft sind direkte e-procurement-Anbindungen bei größeren Unternehmen (direkt in deren ERP-Systeme). Eigentlich ein Key Account Vertriebsmodell, was mit Online und Technologie wenig zu tun hat.

Der Grund warum Contorion sich von Amazon absetzt ist sicher kein banaler Widerspruch bei der Rückgabefrist (14 vs 30 Tage – im B2B ist Rückgabe oft ohnehin kein großes Thema). Vielmehr ist das Sortiment für die Kernzielgruppe (Handwerk & Industrie) einzigartig. Marken wie Festool oder Husqvarna gibt es bei Amazon nicht oder nur vereinzelt zu furchtbaren Preisen. Ganz zu schweigen von Schrauben in vernünftiger Sortierung und sinnvoll großen Verpackungseinheiten. Klar, die verramschte Bosch-Maschine gibts günstig bei Amazon – und noch günstiger auf anderen Seiten. Herzlichen Glückwunsch.

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mark.steier@wortfilter.de

Naja, ich mache da vlt. etwas falsch, aber ich dachte wenn ich die Seite (also den Marktplatz ) besuche und bewerte wäre das ein richtiger Ansatz :-) Scheinbar bedarf ja auch dann die eigene Darstellung einer Überarbeitung: „Mercateo ist Europas führende Beschaffungsplattform,..“

Gerne greife ich deine Anregung Festool auf: Artikel Festool Standard-Reinigungsset D 27 / D 36 S-RS Contorion: 37,5€ und Amazon 19 Angebote, Prime 33,78€. Bei Husqvarna ist Contorion stark, jedoch sind die Losgrößen bei Schrauben Cotorion zu Amazon identisch.

Aber ist nicht gerade die Rückgabemöglichkeit und auch die Verfügbarkeit ein relevantes Kriterium? Und da sind Angaben wie „Lieferzeit 1 bis 3 Tage“ einfach nicht zeitgemäß, wenn ich gegen Amazon antreten möchte.

Und der Knaller: Trotz verweigerte Zustimmung einer Bonitätsprüfung werden die Daten weiter geleitet. So so.

Ich glaube das ich mit meiner Einschätzung nicht ganz so falsch liegen werde :-)

Antworten
technikus
technikus

Herr Steier, was hat Amazon Ihnen für diesen schlecht recherchierten und unfassbar einseitigen Artikel bezahlt?
Warum steht in diesem Artikel nichts von z.B. dem Lebenszyklus von Händlern und Herstellern, die mit Amazon arbeiten:

Erst werden tolle Umsätze und Gewinne mit Amazon erzielt, bis zu dem Punkt wo man als Hersteller/Händler stark abhängig von Amazon ist. Dann verhandelt Amazon mit aller Ausnutzung seiner Marktmacht an den Konditionen, zu Lasten des Deckungsbeitrags der Hersteller/Händler. Zu guter Letzt fertigt Amazon die Artikel dann einfach unter seiner Eigenmarke, sodass der Hersteller/Händler am Ende auch noch der Umsatz wegbricht.

Aber danke für den Tipp Herr Steier, wir melden uns bestimmt sofort bei Amazon Business an!

P.S.: „Fokussierung auf den Kunden“ ist keine Metrik.

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