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Amazon will deine Daten – und zahlt dafür lausige 10 Dollar

Amazon-Logo an einer Hausfassade. (Foto: Ioan Panaite/Shutterstock)

Was sind dir deine Daten wert? Dein Browserverlauf und das lückenlose Tracking darüber, was du im Internet getan hast? Amazon macht US-Kunden ein Angebot, das doch verwunderlich niedrig ist.

Zehn US-Dollar in Form eines Einkaufsgutscheins erhält aktuell als Amazon-Prime-Kunde in den USA, wer mithilfe einer Browser-Extension den Onlinehändler an seinem Browser-Verlauf teilhaben lässt und am Prime Day in den USA für mindestens 50 Dollar eingekauft hat. Dazu hat das Unternehmen am Montag eine entsprechende Aktion gestartet – und viele Kunden dürften das Angebot annehmen. Jene, die meinen, nichts zu verbergen zu haben, jene, die ohnehin bei jeder Aktion, die einen Gutschein verspricht, mitmachen, und vielleicht auch jene Kunden, die planen, die Browser-Erweiterung sobald wie möglich wieder zu deinstallieren, sobald sie von dem Rabatt profitiert haben.

Amazon erklärt, man nutze die Daten, um die Marketingprodukte und die Services rund um Werbung zu verbessern und zu optimieren. Dass Amazon diese Daten Geld wert sind, ist verständlich – schließlich sind es ohnehin schon umfangreiche Datenbestände, die der Kunde auf der Plattform hinterlässt, wenn er dort einkauft oder sich informiert. So erhält Amazon noch den letzten Rest an Informationen, die man für einen 360-Grad-Blick auf den Kunden benötigt – nämlich all das, was der Kunde außerhalb von Amazon treibt.

Das Amazon-Angebot wäre auch in Europa legal

Immerhin ist es auch möglich, bestimmte Funktionen des Assistenten auch zu deaktivieren, wenn der Kunde dies wünscht. Doch wir alle wissen spätestens seit Erfahrungen mit diversen Browsern und Werbeblockern, dass die meisten Nutzer von Software diese mit den Standardeinstellungen verwenden. Übrigens wäre auch in Deutschland – DSGVO hin, Datenschutz und Privatsphäre her – ein solcher Deal denkbar. Denn der Kunde gibt seine Daten ja in Form eines Art Vertrags freiwillig ab und erhält dafür eine Gegenleistung. Ob das ein fairer Handel ist, sei einmal dahingestellt – anfechtbar dürfte der Deal auch hierzulande nicht sein.

Doch es ist beileibe nicht die einzige Tracking-Technologie, mit der Amazon versucht, ein möglichst umfassendes Bild vom Kunden zu zeichnen: Tracking-Pixel auf der einen Seite (damit erfasst das Unternehmen die Zugriffe auf rund 15 Prozent der zehntausend wichtigsten Websites), die Einkaufs-App auf der anderen Seite und nicht zuletzt die Sprachassistenten auf Alexa-Geräten und Smartphones – all das trägt dazu bei, dass Amazon mehr über den Kunden erfährt als jeder andere Handelskonzern.

10 Dollar gegen viele Daten – ein Pakt mit dem Teufel?

Was Amazon mit der Browser-Integration-Technologie plant, hat das Unternehmen nicht näher erläutert. Wahrscheinlich ist aber, dass das Unternehmen wertvolle Einblicke in das Suchverhalten, die Auswahl und den Kontext für Käufe erhält, auch wenn diese eben nicht über Amazon stattfinden, und nicht zuletzt auch viel über die mögliche Preisgestaltung online wie offline erfährt. Schon deswegen lohnt sich der Deal mit den zehn Dollar.

t3n meint:

Mehr Daten über das Surfverhalten dürfte nur Google haben – und dieses Ungleichgewicht wird Amazon in den nächsten Jahren vor allem im E-Commerce-Kontext aufzuweichen versuchen. Wie viel jeder Kunde von sich preisgibt, hat er zumindest zum Teil selbst in der Hand. Dabei gilt immer noch die einfache Regel „Convenience gegen Daten“.

Tobias Weidemann

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2 Kommentare
Jonny
Jonny

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Sepp
Sepp

Google und vor allem Microsoft ziehen auch meine Daten und zahlen nix. Da hilft auch Verlauf/Cookies löschen nix.

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