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Amazon und Ebay kämpfen mit Siegel und Seriencodes gegen Fakes

Amazon und Ebay führen neue Methoden im Kampf gegen Produktfälschungen ein. (Foto: dpa)

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Ist der Artikel, den ich kaufe, echt? Kann ich dem Händler vertrauen? Ebay und Amazon wollen mehr Sicherheit schaffen und führen neue Methoden ein.

Ebay und Amazon führen neue Marken- und Produktsiegel ein, die es windigen Händlern schwerer machen sollen, Fälschungen zu verkaufen. Für Marken bieten diese Systeme nicht nur Schutz vor Produktfälschungen sondern auch Kontrolle über Vertriebswege und Händler. Kunden helfen die Siegel dabei, selbst zu überprüfen, ob sie echte Produkte erhalten haben – und ob sie einem Händler oder Onlineshop außerhalb der Marktplätze vertrauen können. Aber auch dabei ist einiges zu beachten.

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Unsicherheiten beim Kauf von Markenprodukten: Fakeshops oder Produktfälschungen

Die Verunsicherung nimmt mehrere Stufen ein: Im Netz ist die erste Frage ob ich dem Onlineshop selbst trauen kann, ob ich für mein Geld überhaupt eine Lieferung erhalte. Das Problem ist auf Marktplätzen etwas geringer, da Ebay und Amazon eigene Kundenschutzprogramme haben, die bei nicht erfolgter Lieferung und einigen anderen Problemen den Kaufbetrag zurückerstatten. Schwieriger wird es, wenn es um Produktfälschungen geht – da müsste die Ware in Augenschein genommen werden. Und der Kunde muss sich im Zweifelsfall, wenn ein windiger Händler die Lieferung nachweisen kann, mit der Argumentation und der Beweislage herumschlagen. Zwar sind die Marktplätze mit eigenen Mustererkennungsprogrammen am Werk, wie Amazon mit Project Zero und Ebay mit dem Meldeprogramm für Rechteinhaber Veri, auch sperren sie wiederholte Übeltäter, aber Prävention wäre eine bessere Lösung. Das sollen jetzt die Marken- und Produktsiegel bei Amazon und Ebay erledigen.

Amazon Transparency: Produktseriencodes

Amazon hat ein Programm namens Transparency eingeführt, der Service generiert eindeutige Codes für Hersteller und Marken, die dann auf jeder Produkteinheit angebracht werden. Die Kosten für den Dienst sollen so gering sein, dass sich die Teilnahme auch für kleine Marken und Hersteller lohnt. Bei jeder Lieferung von Waren, die am Transparency-Programm teilnehmen, scannt Amazon den Wareneingang und überprüft so die Echtheit der Produkte.

Wird der Artikel von einem Marktplatz-Händler versandt, muss der Händler zwingend den Transparency-Code des Produktes einscannen, um die Transaktion abschließen zu können. Damit ist die Herkunft und die Echtheit der teilnehmenden Produkte sowohl für durch Amazon verkaufte als auch für durch Händler verkaufte Produkte gesichert.

Das Ziel von Transparency ist es, Produktfälschungen abzufangen und gar nicht erst zum Verkauf gelangen zu lassen. Transparency ist nach außen nicht sichtbar, sondern arbeitet im Hintergrund. Ob eine Marke an dem Programm teilnimmt ist also nicht auf den ersten Blick erkennbar, die Kennzeichnung erfolgt nur direkt am ausgelieferten Produkt.

In den USA nehmen aktuell rund 4.000 Marken an dem Programm teil, laut Amazon sollen monatlich mehrere hundert Marken hinzukommen.

Transparency ergänzt Amazons Programm Project Zero, dass registrierten Markeninhabern Zugriff auf automatisierte Mechanismen zum Schutz vor Fälschungen und ein Tool bietet, mit dem Marken Angebote mit enthaltenen Produktfälschungen selbst löschen können. Neben Transparency betreibt Amazon auch noch eine Markenregistrierung, die es unter anderem auch ermöglicht Fachhändler einer Marke als autorisiert zu markieren. Ein Beispiel dafür ist die Mode und Schmuckmarke Fossil, die ihre Fachhändler über dieses System verwaltet.

Ebay und das Marken- und Produktsiegel Authorized.by

Ebay setzt auf einen anderen Ansatz und verifiziert Händler seit kurzem mit Authorized.by, ein unabhängiger Anbieter für ein Marken-Authorisierungssystem. Marken können sich für die Teilnahme am Programm „Autorisierter Händler“ registrieren und dann ihre Händler selbstständig freischalten. Um autorisierter Händler zu werden, registrieren sich Händler ebenfalls in dem System. Die Marken aktivieren dann die Anzeige des Marken-Logos und des Schriftzuges „Autorisierter Händler“ in den Angeboten auf Ebay.

Autorisierte Händler beziehen Ware direkt vom Hersteller oder über die von ihm vorgegebenen Vertriebswege. So soll sichergestellt werden, dass nur echte Ware und keine Produktfälschungen in den Handel gelangen.

Außerhalb des Ebay-Marktplatzes bietet Authorized.by ein Produktsiegel und ein Händlersiegel an, das direkt im Onlineshop integriert werden kann.

Wie Endkunden das Produkt und den Onlineshop überprüfen

Siegel, die in einem Onlineshop oder auf einer Produktseite eingebunden werden und für die Echtheit oder angenommene Seriösität eines Händlers bürgen sollen, müssen vom Verbraucher überprüft werden. Das Siegel selbst ist eine banale Bildatei, die ohne Aufwand schnell kopiert und in Fakeshops eingebaut werden kann. Erst mit einem Klick auf das Siegel landen Verbraucher auf der Zertifikatsseite des Siegelanbieters und können dort die Gültigkeit des Siegels überprüfen. Da findige Betrüger auf die Idee kommen könnten, auch noch das Zertifikat hinter der Siegelabbildung zu fälschen, muss überprüft werden, dass das Zertifikat auch wirklich auf der Website des Siegelanbieters gehostet wird. Die sicherste Methode ist im Zweifelsfall der direkte Aufruf der Website des Siegelanbieters, beispielsweise Authorized.byTrusted Shops, TÜV oder das EHI-Siegel.

Ebay blendet den Hinweis „Autorisierter Händler“ direkt in den Angeboten ein – sollte der Händler an dem Programm teilnehmen, ist das also direkt ersichtlich. Amazon kennt auch eine Kennzeichnung der Händler, aber nur wenige Marken nutzen diese Möglichkeit bisher, Händler als autorisierte Fachhändler zu kennzeichnen. Die Teilnahme an dem entsprechenden Programm scheint nicht für jede Marke attraktiv zu sein. Produkte, deren Echtheit über das Transparency-Programm gekennzeichnet wurde, sind mit einem QR-Code versehen worden. In Kürze erscheint die in den USA schon erhältliche Transparency-App, mit der Kunden die Echtheit eines Produktes prüfen können – zusätzlich können auch weitere Informationen zum Produkt vom Hersteller hinterlegt werden.

Die Anzahl der Produkte dürfte in Deutschland anfangs noch gering sein, seit dem Start im Jahr 2017 wurden in den USA 300 Millionen Produkte mit Codes versehen und rund 250.000 Produktfälschungen abgefangen. Laut Amazon sollen im Jahr 2019 für die durch Transparency geschützten Produkte keine einzige Beschwerde über Produktfälschungen mehr eingegangen sein.

t3n meint: Die Ansätze im Umgang mit Produktfälschungen sind unterschiedlich. Ebay will mit Autorisierungen Marken und Händlern mehr Kontrolle einräumen und für den Kunden weitere Trustfaktoren schaffen. Wobei die Autorisierung ja nicht nur Produktfälschungen betrifft, sondern die Kompetenz eines Händlers optisch unterstreichen kann und eventuell auch auf mögliche Zusatzdienstleistungen eines autorisierten Fachhändlers hinweist. Die Herkunft des Produktes sichert Ebay indirekt, da davon auszugehen ist, dass autorisierte Händler auch autorisierte Waren vertreiben.

Amazon hat sich dafür entschieden eher im Verborgenen zu arbeiten und geht statt an die Autorisierung eines Händlers gleich an den Herkunftsnachweis des einzelnen Produktes. Auf den Trustfaktor pfeift Amazon im Gegensatz zu Ebay ziemlich. Die autorisierten Fachhändler bei Amazon sind eher als Programm zur Sicherung von selektiven Vertriebsmodellen für Marken zu verstehen, statt als Trustfaktor für Endkunden. Es drängt sich der Schluss auf, dass Amazon Transparency  lieber verdeckt einsetzt, um nicht zu viel Aufmerksamkeit auf das Thema Produktfälschungen auf der Plattform zu lenken. Strategisch gesehen ist es für Amazon wichtiger das Vertrauen in die Marke zu stärken. Amazon will nicht, dass es sicherer erscheint bei einzelnen Händlern einzukaufen – Amazon will, dass die ganze Plattform sicher ist. Und entscheidet sich dafür jedes einzelne Produkt zu überwachen. Sollte es Amazon gelingen, den überwiegenden Teil der Marken für das kostenpflichtige Programm zu begeistern, ist das Ziel nicht mehr weit. Jochen Fuchs

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