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Amazon gesteht Probleme mit Produktfälschungen ein

Insbesondere im Mode- und Kosmetikbereich kursieren immer wieder Produktfälschungen. (Bild: Dino Geromella / Shutterstock)

Amazon gesteht in einer Mitteilung an die US-Börsenaufsicht ein, Probleme mit Produktfälschungen auf dem Marketplace zu haben. Wie der Konzern dagegen vorgehen möchte und was das dem Kunden bringen wird.

Amazon räumt erstmals Probleme mit Produktfälschungen ein. Wie eine Mitteilung gegenüber der US-amerikanischen Börsenaufsichtsbehörde (SEC) belegt, hat das Unternehmen Probleme damit, zu verhindern, dass externe Anbieter über den Amazon Marketplace gefälschte Markenware oder gestohlene Produkte verkaufen. Es könne dabei auf Amazon selbst zurückfallen, erklärt man gegenüber den Aktionären und so Schäden verursachen. Auch wenn die Mitteilungen an die Börsenaufsicht in den USA auch mal aus vorbeugenden juristischen Gründen erfolgen, zeigt das Papier, wie ernst Amazon die Problematik nimmt und welche Größenordnung das sie erreicht hat.

Nicht immer sind Fälschungen als solche zu erkennen

Nun ist es ja nicht so, dass Amazon-Kunden, Händler und Hersteller zum ersten Mal über solche Probleme stolpern. Auch wenn Amazon gebetsmühlenartig wiederholt, dass man alles tue, um so etwas zu verhindern, etwa entsprechende Angebote lösche und Händler mit gefälschten Produkten sperre, bleibt gerade bei Markenprodukten eine erkleckliche Zahl an Fälschungen. Und gegen die kommt Amazon aufgrund der teilweise erstaunlichen Ähnlichkeit der Waren nicht zuverlässig an.

Hinzu kommt, dass gerade bei den Drittanbietern nicht immer klar ist, woher die Ware stammt. Und auch technische Verfahren, etwa die Überprüfung von Seriennummern, ergeben oft nur, dass Produkte über diverse Im- und Exporte nach Deutschland gelangt sind. Woher sie genau stammen und wie Preise zustande kommen, die deutlich unter denen im deutschen Handel liegen, bleibt dabei unklar. Herstellern wie Birkenstock sowie anderen Modelabels und Kosmetikkonzernen ist das seit Jahren ein Dorn im Auge. Sie versuchen, nicht immer erfolgreich, Amazon den Verkauf der eigenen Waren zu verbieten.

Amazon betont in dem Papier, man fahre eine Null-Toleranz-Politik gegen Händler und arbeite mithilfe von KI-Verfahren, um das Problem nachhaltig zu bekämpfen. Auch wenn Amazon offenbar neben den offiziellen Maßnahmen mit technischen Wahrscheinlichkeitsverfahren versucht, die Angebote flächendeckend zu scannen, kann dies nie hundertprozentige Sicherheit bieten. Für die Kunden ist das ebenso ärgerlich wie für die herstellenden Unternehmen: Erstere bemerken manchmal gar nicht, dass sie kein Originalprodukt erhalten haben, Letztere sehen erst anhand von Beschwerden und Kommentaren, dass der Kunde offenbar eine minderwertige Fälschung bewertet, die gar nicht aus dem eigenen Haus stammt.

Kunde unterscheidet nicht zwischen Amazon und dem Marketplace

Problematisch ist in dem Zusammenhang für Amazon auch der wachsende Anteil an Marketplace-Umsätzen – rund zwei Drittel der Waren kommen inzwischen nicht mehr aus dem Unternehmen selbst, Amazon ist nur noch Marktplatz und bestenfalls Abwickler der Lieferung. Dass der Kunde dies zu trennen weiß, ist aber nicht selbstverständlich. Er wird im Bekanntenkreis erzählen, dass er „bei Amazon“ ein bestimmtes Produkt erworben hat, auch wenn Amazon selbst nicht der Händler ist.

Und der Kunde, der an ein gefälschtes Produkt gerät? Er hat trotz der meist kulanten Reklamationsregeln im Rahmen der A-bis-Z-Garantie erst einmal Schriftverkehr und Aufwand. Und er kann bis heute nicht als Reklamationsgrund „Gefälschtes Produkt“ oder Ähnliches angeben – und auch die Auswahl „Ware anders als geliefert“ führt dazu, dass er sich mit dem Händler auseinandersetzen soll – doch der sitzt oftmals nicht in Deutschland und antwortet in vielen Fällen mit unpassenden Textbausteinen.

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Ein Kommentar
Margit
Margit

„Amazon betont in dem Papier, man fahre eine Null-Toleranz-Politik gegen Händler und arbeite mithilfe von KI-Verfahren, um das Problem nachhaltig zu bekämpfen.“

Alleine diese Aussage, lässt mich laut lachen! Bei Amazon habe ich seit November vier Testkäufe bei chinesischen Anbietern zu einem bestimmten Artikel gemacht, von dem ich zu 100% weiß, dass es nur einen Anbieter in Deutschland gibt, der diesen im Original haben kann. 4x habe ich ein Plagiat erhalten und 4x entsprechend bei Amazon darum gebeten, genau diesen Artikel für alle, die keinen Nachweis über die Herkunft der Ware erbringen können, zu sperren. 4x hat Amazon sich dafür nicht interessiert. Warum wohl?

Amazon verdient an jeden Plagiate-Verkäufer und das scheint entschieden wichtiger zu sein, als zufriedene Kunden oder gar Marketplace-Verkäufer. Im KI-Verfahren werden nämlich oftmals die Verkäufer gefunden und angezeigt, die keine Fälschungen verkaufen.

Auch ist es Amazon völlig egal. ob die ganzen Plagiat-Verkäufer ohne Impressum und Widerruf auftreten. Wenn das bei Amazon schon niemanden interessiert, wieso sollte dann das Anbieten von Fälschungen relevant sein? Selbst wenn ein Händler den Nachweis bringt, dass ausschließlich er im Besitz eines Artikels sein kann – und somit kein anderer ihn anbieten kann – ist das bei Amazon kein Grund dem nachzugehen.

Wenn schon Meldungen bei Amazon zu Plagiat-Verkäufern eingehen, wäre es ein wichtiger Schritt, den jeweiligen Verkäufer aufzufordern, seinen Einkauf zu dem betroffenen Produkt zu belegen. Kann man nicht beweisen, dass es sich um das originale Produkt handelt, sollte es eine Sperre dafür geben. Aber auch das scheint bei Amazon zu viel verlangt zu sein!

Tausende Anbieter – ohne Impressum und Widerruf – können bei Amazon tausende Plagiate anbieten … was passiert denn schon?

Somit halte ich die Amazon-Stellungnahme für puren Hohn – oder nennt man das Schönreden, weil man nicht zugeben will, dass man sich nur die Kasse füllen will?!

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