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Amazon-Gründer: Raumfahrt ist das wichtigste, was ich mache

Amazon-Chef Jeff Bezos (rechts) im Gespräch mit Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner. (Foto: dpa)

Amazon-Chef Jeff Bezos wird bei einer Preisverleihung in Berlin vom Streit mit der Gewerkschaft Verdi eingeholt. Doch der reichste Mann der Welt präsentierte sich beim Axel-Springer-Award auch als Visionär.

Amazon-Gründer Jeff Bezos glaubt, dass sein Vermächtnis am Ende die Investition in die Erforschung des Weltraums sein werde. Die von ihm finanzierte Raumfahrt-Firma Blue Origin sei „das wichtigste, was ich mache“, sagte Bezos, mit Blick auf „eine Zeitspanne von ein paar hundert Jahren“, am Dienstag bei der Verleihung des Axel-Springer-Awards in Berlin. Er denke, dass die Erschließung des Sonnensystems unter anderem nötig sei, um künftige Energiekrisen zu verhindern. Außerdem werde die Menschheit irgendwann die Schwerindustrie von der Erde weg verlagern.

Bezos ist Gründer und Chef des weltgrößten Online-Händlers Amazon und aktueller Eigentümer der Washington Post. Seine Amazon-Beteiligung macht ihn – zumindest auf dem Papier – zum reichsten Mann der Welt mit einem Vermögen von mehr als 120 Milliarden US-Dollar. Springer verlieh ihm die Auszeichnung als Würdigung für visionäres Unternehmertum in der Internetwirtschaft sowie die konsequente Digitalisierungsstrategie der 140 Jahre alten US-Traditionszeitung.

Verdi fordert Löhne im Einzelhandel bei Amazon

Bezos wurde in Deutschland allerdings vom Streit mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi eingeholt. Verdi fordert für die Beschäftigten in Amazons Logistikzentren schon seit Jahren einen Tarifvertrag nach den Konditionen des Einzel- und Versandhandels und organisierte vor dem Springer-Gebäude eine Protestkundgebung mit mehreren Hundert Teilnehmern.

Die Gewerkschaft kritisiert, Beschäftigte könnten von den Gehältern nicht leben, während Bezos der reichste Mann der Welt sei. Der US-Konzern, der bundesweit mehr als 12.000 festangestellte Mitarbeiter beschäftigt, kontert, man zahle am oberen Ende dessen, was für vergleichbare Tätigkeiten üblich ist – „an allen Standorten in Deutschland mindestens 10,52 Euro brutto pro Stunde“.

„Ich bin sehr stolz auf unsere Arbeitsbedingungen. Ich bin sehr stolz auf die Gehälter, die wir zahlen.“

Auch SPD-Chefin Andrea Nahles kritisierte die Verleihung des Springer-Preises an Bezos. Dessen „innovatives Unternehmertum“ zeige sich vor allem darin, dass er mit anderen Internetplattformen „Weltmeister im Steuervermeiden“ sei, sagte Nahles am Dienstag vor einer Fraktionssitzung der Sozialdemokraten im Bundestag. Die Arbeitsbedingungen bei Amazon in Deutschland seien schlecht, ein Tarifvertrag werde verweigert. Bei der Kundgebung vor dem Springer-Gebäude am Abend ging allerdings zunächst einmal bereits die Vorstellung von Nahles in Buhrufen unter.

Rundgang in Seattle: Das Amazon-Hauptquartier in Bildern
Amazon-Headquarter, Day One North. (Foto: Jochen G. Fuchs)

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Bezos wies die Vorwürfe bei der Preisverleihung zurück. „Ich bin sehr stolz auf unsere Arbeitsbedingungen. Ich bin sehr stolz auf die Gehälter, die wir zahlen.“ Ohne Verdi direkt zu nennen, sprach er von Kritikern, die eigene Interessen verfolgten.

Bezos will seinen Reichtum für das Weltraumreisen verwenden

Bezos hatte Amazon 1994 gegründet und entwickelte das Online-Buchgeschäft zum weltweiten Einzelhändler, Marktplatz und Anbieter von Cloud-Diensten weiter. Die Washington Post kaufte er in einer persönlichen Investition im Jahr 2013.

Bezos betonte, die einzige Verwendung für seinen Reichtum – „den Lottogewinn mit Amazon“ – sehe er in Weltraumreisen. „Blue Origin ist teuer genug, um dieses Vermögen aufzubrauchen“, sagte er zu Lachern im Publikum. Bezos bekräftigte, dass er dafür jährlich Aktien im Wert von einer Milliarde Dollar verkaufte – und damit auch fortfahren wolle.

Der Frage nach Attacken von US-Präsident Donald Trump, der Amazon und der ihm kritisch gegenüberstehenden Washington Post Steuertricks vorwirft, wich Bezos aus. Zugleich betonte er, dass er die aktuelle grundsätzliche Skepsis gegenüber Internet-Unternehmen verstehe. Die Unternehmen seien inzwischen so groß geworden, dass dies eine stärkere Aufsicht rechtfertige – und die Branche müsse einsehen, „dass das nicht persönlich gemeint ist“.

Amazons Biosphäre „The Spheres“ in Seattle. Ein Teil des Headquarters in der Innenstadt. (Foto: t3n.de/Jochen G. Fuchs)

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Den undotierten Axel-Springer-Award erhalten nach Angaben des Unternehmens herausragende Persönlichkeiten, die in besonderer Weise innovativ sind, Märkte schaffen und verändern und sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stellen. Vorherige Preisträger waren 2016 Facebook-Gründer Mark Zuckerberg und 2017 der britische Physiker und Informatiker Timothy Berners-Lee, der das World Wide Web erfunden hat. dpa

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