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Jeff Bezos kontert Verdi: „Ich bin stolz auf unsere Löhne in Deutschland“

Verdi-Demonstration am 24.04.2018 in Berlin während der Preisverleihung des Axel-Springer-Awards an Jeff Bezos. (Foto: Jochen G. Fuchs/t3n.de)

Vor der Preisverleihung des Axel-Springer-Awards an Amazon-CEO Jeff Bezos protestiert Verdi lautstark vor den Toren des Axel-Springer-Hauses. Die Gewerkschaft beklagt die Arbeitsbedingungen –  Bezos hält dagegen.

Der Abend sollte eine glanzvolle Ehrung des Amazon-CEOs Jeff Bezos sein,  „maßgeschneidert auf den Preisträger zugeschnitten“, so Axel Springer. Doch den rund hundert handverlesenen Gästen präsentierte sich zuerst eine lautstarke Demonstration der Gewerkschaft Verdi, die Tarifverträge und bessere Arbeitsbedingungen fordert. Während der Preisverleihung darauf angesprochen, erklärt Jeff Bezos mit deutlichen Worten die Politik von Amazon.

Verdi demonstriert bei prestigeträchtiger Preisverleihung gegen Arbeitsbedingungen bei Amazon

Rund 500 bei Amazon beschäftigte Verdi-Mitglieder aus fünf von sechs deutschen Amazon-Logistics-Standorten demonstrierten laut der Organisatoren vor den Toren des Axel-Springer-Hauses. Insgesamt arbeiten in den Amazon Logistikzentren in Deutschland rund 12.000 Menschen in Vollzeit. Begleitet wurde Verdi von der Kampagne „Make Amazon Pay“, Attac, den polnischen Gewerkschaften IP und Solidarnosc und von Mitgliedern der Partei Die Linke. Im Verlaufe des Abends sprachen Gewerkschaftschef Frank Bsirske, Linken-Chef Bernd Riexinger sowie unter lauten Buhrufen die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles.

Luftansicht der Verdi-Demonstration am 24.04.2018 in Berlin während der Preisverleihung des Axel-Springer-Awards an Amazon-CEO Jeff Bezos. (Foto: Jochen G. Fuchs/t3n.de)

Verdi wolle den Beschäftigten von Amazon ein Gesicht geben, so die Bundessekretärin Versandhandel Lena Widmann gegenüber t3n über den Zweck der Demonstration. Die Mitarbeiter würden zum Teil bis zu 20 Kilometer am Tag laufen, harte, monotone Arbeit verrichten und ihre Gesundheit aufs Spiel setzen. „Es geht darum, dass sich Amazon einem Tarifvertrag und einer Sozialpartnerschaft mit Gewerkschaften grundsätzlich verweigert“, so Widmann weiter. Die bei Verdi organisierten Beschäftigten fordern eine tarifvertragliche Regelung ihrer Arbeitsbedingungen: Wochenarbeitszeit, ihres Entgelts, der Urlaubsvergabe sowie der Themen, die für die Gesundheit wichtig sind.

Jeff Bezos verteidigt Amazons Arbeitsbedingungen

Bezos äußert sich während der Preisverleihung im Gespräch mit Springer-Chef Döpfner zu den Arbeitsbedingungen bei Amazon in Deutschland, als Döpfner ihn auf die Kritik anspricht. „Ich bin stolz auf die Kondition und Löhne in Deutschland, wir bezahlen Löhne, die am am oberen Ende der Gehaltsspanne sind.“

Bezos Prinzip sei es, bei Kritikern einen Blick in den Spiegel zu werfen, um zu prüfen, ob die Kritik zutrifft, so der Amazon-Gründer weiter. Treffe die Kritik zu, müsse man sich ändern. Generell gäbe es zwei Arten von Kritikern: diejenigen, die konstruktiv kritisieren und besorgt sind, weil etwas nicht funktioniert. Diese Kritiker seien vorrangig darauf bedacht, eine Lösung zu finden. „Die zweite Sorte der Kritiker verfolgt eigene Interessen", so Bezos. Eine Bemerkung, die sich vermutlich an Verdi richten dürfte. Amazon hätte einen guten Draht zu den Betriebsräten und zu seinen Mitarbeitern, rechtfertigt der CEO zum Abschluss die Verweigerungshaltung gegenüber Verdi. Das scheint Amazon auszureichen.

Amazon: Versandhändler oder Logistikunternehmen?

Ein Teil der Argumentation von Verdi basiert auf der Einordnung von Amazon als Handelsunternehmen. Amazon beschäftigt die Logistikarbeiter aber als Logistikunternehmen – ein Tarifvertrag für den Handel würde den Mitarbeitern eine höhere Bezahlung garantieren. Amazon versendet in seinen Logistikzentren nicht nur eigene Waren, sondern erbringt auch Dienstleistungen für Händler. Dort werden Waren gelagert, verpackt und versandt für Amazon-Händler, die auf dem Marktplatz des Unternehmens handeln. Identische Leistungen erbringen auch DHL und Hermes.

„Wir sagen ganz klar: Jeff Bezos sagt, er ist der größte Händler, dementsprechend sind unsere Mitglieder Handelsbeschäftigte. Und dementsprechend geht es um den Handelsvertrag“, bekräftigt Widmann die Verdi-Forderung.

Bezahlung bei Amazon und in der Logistikbranche

Die Bezahlung variiert bei den meisten Logistikern von Standort zu Standort, Verdi-Tarifpartner Hermes bezahlt in Haldensleben Mitarbeitern in den unteren Lohngruppen 10,57 Euro pro Stunde. Amazon in Graben bei Augsburg in den unteren Lohnstufen 10,89 Euro.

Für den Standort Winsen bei Hamburg rechnet Amazon vor, dass ein Mitarbeiter inklusive Mitarbeiteraktien, Boni und Jahressonderzahlung rechnerisch auf durchschnittlich 2.699 Euro pro Monat käme. Laut dem Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit verdient eine Fachkraft für Logistik im bundesdeutschen Mittelwert 2.604 Euro pro Monat.

Die fehlende Wertschätzung des Kunden für die Dienstleistung Versand führt dazu, dass Logistiker immer weiter unter Druck geraten – Hermes prognostiziert deshalb für die Zukunft steigende Paketpreise am Markt.

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