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Interview

Amazon-Manager Denissen: „Deutsche Händler gehen viel zu zögerlich an den Export“

Nick, Denissen, Vicepresident Marketplace Business bei Amazon. (Foto: Amazon)

Jede Menge Chancen, aber auch Risiken birgt der Handel für kleine bis mittlere Unternehmen auf dem Marktplatz von Amazon. Nick Denissen, Amazon-Manager mit deutschen Wurzeln, im Interview.

Kleine bis mittlere Händler und Marken sind für Amazon immer wichtiger, der Marketplace und viele damit verbundene Geschäftsbereiche sind ein tragender Umsatztreiber für den Konzern. Die Werbesektion Amazon-Marketing-Services gehört zu den am stärksten wachsenden Unternehmensbereichen von Amazon, deren Werbeformat Sponsored Products gehört mittlerweile zum Pflichtrepertoire jedes Händlers.  Nick Denissen, Vice President Marketplace Business bei Amazon,  im t3n.de-Interview über kleine bis mittlere Unternehmen – und deren Rolle bei Amazon.

Amazon-Manager Nick Denissen über die Rolle kleiner bis mittlerer Unternehmen bei Amazon

Nick Denissen im Gespräch mit Julia Ritter von Desiary, einer Amazon-Marketplace-Händlerin aus dem Coaching-Programm „Unternehmerinnen der Zukunft“. (Foto: Tobias Koch)

t3n.de: Haben Sie sich schon erholt vom Prime-Day-Stress?

Nick Denissen: Nicht Stress, sondern 100 Prozent Fokus auf den Kunden und am Prime-Day sicher noch mal mehr, um das größten Shopping-Event in unserer Geschichte mit über einer Million Deals weltweit zu bieten. Und für mich und mein Team ist es schön, zu hören, dass kleine und mittlere Unternehmen auf Amazon am Prime-Day weit über eine Milliarde US-Dollar umgesetzt haben und viele neue Kunden gewonnen haben.

t3n.de: Wie viele Händler erreichen denn bei Amazon eine gewisse Umsatzgröße? 

Umsatz ist das eine – im letzten Jahr haben mehr als 20.000 kleine und mittelgroße Unternehmen weltweit über Amazon einen Umsatz von über einer Million Dollar erzielt. Viel faszinierender finde ich aber die Geschichten dazu. 50 Jahre alte Traditionsunternehmen – Hermko von der Schwäbischen Alb, um nur einen zu nennen – wagen den Schritt ins Online-Business, erreichen Kunden auf der ganzen Welt, transformieren sich und können wieder neue Jobs schaffen. Ein Prozess, für den es früher gigantische Investitionen gebraucht hätte. Oder kleine Kunsthandwerker, die wir mit Amazon Handmade unterstützen, sodass sie Millionen von Kunden erreichen und sich voll und ganz auf das konzentrieren können, was für sie zählt: schöne handwerklich hergestellte Produkte bauen. Heute lässt Technologie nicht nur Fixkosten für kleine Unternehmen schrumpfen, man kann experimentieren, Risiken eingehen und Fehler sind nicht mehr existenzbedrohend, sondern können schnell korrigiert werden – oftmals mit einem Klick.

t3n.de: Amazon wird gerne als großer, bedrohlicher Handelsgigant dargestellt, der kleine bis mittlere Unternehmen in der Existenz bedroht – sieht sich selbst aber als Förderer und Multiplikator für kleine bis mittlere Händler. Woher kommt diese Diskrepanz?

Der Handel beziehungsweise Onlinehandel kennt ja nicht nur einen Sieger, es ist Platz für viele. Wir haben vor gut 18 Jahren unsere Website für andere Unternehmen geöffnet, weil wir überzeugt waren, dass Kunden damit mehr Produkte auf Amazon finden werden. Unsere Grundphilosophie dabei war schon immer, die Verkäufer auf Amazon zu empowern. Heute kommt die Hälfte der verkauften Artikel auf Amazon weltweit von unabhängigen kleinen und mittelgroßen Unternehmen.

t3n.de: Internationalisierung über Amazon wird immer wieder als Absatzchance für Händler genannt, die Kehrseite der Medaille macht sich im Umkehrschluss bei den örtlichen Händlern bemerkbar. Wie geht ein deutscher Händler mit internationaler Konkurrenz am besten um?

Ich spreche viel mit Händlern aus ganz unterschiedlichen Ländern und mein Eindruck ist immer wieder, dass deutsche Händler viel zu zögerlich an das Thema Export herangehen. Wobei Deutschland ja eigentlich Export-Champion ist. Es ist gar nicht so lange her, da stellten Logistik, Vertrieb und fremde Sprachen riesige Barrieren für den Export dar. Natürlich verkauften Händler in Deutschland ihre Waren ins Ausland – wussten aber nicht genau, ob Kunden in Italien, Spanien oder den USA die Waren überhaupt nachfragen würden. Was war das für ein Aufwand! Heute schaut die Welt ganz anders aus. Wir wollen Händlern – auch in Deutschland – Mut machen, die digitalen Möglichkeiten besser zu nutzen. Über 2,1 Milliarden Euro an Export-Umsätzen im letzten Jahr von deutschen Verkäufern über Amazon sind schon gut – aber da geht noch mehr.

t3n.de: Welche Möglichkeiten habe ich als Händler bei Amazon, um mich gegen unlautere Mitbewerber zur Wehr zu setzen?

Gleiche Wettbewerbsbedingungen auf Amazon sind eine Top-Priorität für uns und wir erwarten von allen Anbietern, dass sie sich an unsere kundenorientierten Regeln halten. Wer das nicht tut, muss mit entsprechenden Maßnahmen rechnen, das geht bis zur Schließung des Verkäuferkontos. Da sind wir sehr strikt, um Kunden jederzeit eine vertrauensvolle Einkaufsumgebung zu bieten – und dieses Vertrauen, das wir aufgebaut haben, kommt wiederum kleinen und mittleren Unternehmen auf Amazon zugute. Beispielsweise arbeiten wir eng mit Herstellern, Verkäufern und Rechteinhabern zusammen, um den Schutz ihrer Marken auf Amazon zu stärken. So haben wir in 95 Prozent aller über die Amazon-Markenregistrierung gemeldeten potenziellen Rechtsverstößen innerhalb von acht Stunden geprüft und Maßnahmen ergriffen.

t3n.de: Kann ich als kleiner bis mittlerer Händler langfristig überhaupt erfolgreich sein bei Amazon, wenn ich nur auf Handelsware setze – oder muss ich zum Hersteller und zur Marke werden?

Das Schöne am Internet sind die Millionen neuer Möglichkeiten. Auch auf Amazon sehen wir unterschiedliche Geschäftsmodelle, vom Wiederverkäufer bis zum Marken-Anbieter. Das Entscheidende ist: Mit Amazon können sich diese Unternehmen permanent weiterentwickeln, neue Marken etablieren oder umgekehrt als Hersteller direkt an Kunden verkaufen. Unterm Strich sind das Wachstumschancen – und jeder muss seine Strategie finden, die am besten zu den eigenen Möglichkeiten und unternehmerischen Zielen passt – immer mit dem Fokus, Kunden ein gutes Einkaufserlebnis zu bieten. Die Möglichkeiten sind da! Und wir helfen mit Technologie, Zugang zu Kunden, Werbemöglichkeiten, Markenaufbau oder Repricing-Tools, damit sie ihre Strategie umsetzen können.

t3n.de: Als große Hürde für Unternehmen erweist sich oft die Kommunikation mit Amazon. Sobald etwas nicht mit einem automatisierten Prozess geregelt wird, fühlen sich Händler oft in einer Kommunikationsschleife aus Textbausteinen gefangen. Was tut Amazon, um dieses Problem zu verbessern?

Verkäufer sind Kunden für uns. Unsere Leitlinie im Kunden- und Verkäuferservice lautet: Behandle jeden Kunden und Verkäufer wie einen Freund. Warum kommt es manchmal zu Kritik? Erstens achten wir darauf, dass jeder unsere Standards einhält. Sehr strikt – im Sinne all unserer Kunden und für einen fairen Wettbewerb auf Amazon. Zweitens. Zwei Millionen kleine und mittlere Unternehmen auf den globalen Amazon-Websites mit immens vielen Bestellungen jeden Tag haben naturgemäß sehr unterschiedliche Interessen und Bedürfnisse. Feedback und Kritik sowohl von Endkunden als auch Verkäufern sind daher sehr wichtig für uns. Und auch wenn wir nicht immer alles immer sofort umsetzen können, arbeiten wir hart daran, uns das Vertrauen der Kunden und Verkäufer jeden Tag auf das Neue zu verdienen. Day 1, also Tag Eins, nennen wir das bei Amazon: Gehe an jeden Tag so heran, als sei es der erste.

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Eine Reaktion
Mario

Wussten Sie bei Amazon, dass die meisten Produkte aus China stammen? Wussten Sie, dass Amazon den Marktplatz sehr offen hält wenn es um die Einhaltung der WEEE und Produkthaftung geht, weil dieses Amazon nicht interessiert? Nun... wie sollte der Deutsche exportieren, wenn viele ihrer Händler aus China einkaufen und gegen den eigenen Lieferanten im eigenen Land kämpfen muss?

Antworten

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