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Amazon Marketplace: Händler warten händeringend auf ihr Geld

Viele Marketplace-Händler warten aktuell auf Zahlungen von Amazon. (Bild: Amazon)

Zahlungsstau bei Amazon: Marketplace-Händlern werden aktuell im großen Stil aus technischen Gründen Zahlungen zurückgehalten. Das Krisenmanagement des Konzerns ist wenig befriedigend.

Es müssen schon sehr schwerwiegende technische Probleme sein, die Amazon aktuell daran hindern, seinen Marketplace-Händlern das ihnen zustehende Geld auszuzahlen. Jedenfalls berichten zahlreiche Händler übereinstimmend – erste Meldungen dazu tauchten bereits Anfang November auf – dass sie aktuell nicht für ihre Marketplace-Transaktionen entlohnt werden.

Amazon schuldet Marketplace-Händlern teils fünfstellige Beträge

Dazu muss man wissen: Neben den standardmäßig angewiesenen Zahlungen können Händler auch täglich das ihnen zustehende Geld aus vollendeten Kaufvorgängen anfordern. Gerade Marketplace-Händler mit großen Umsätzen tun dies auch regelmäßig. Sie sind bei Tagesumsätzen im fünfstelligen Bereich darauf angewiesen, dass sie regelmäßig ausgezahlt werden. Schließlich müssen sie ihren Warenfluss sicherstellen und ihre Lieferanten auszahlen.

Doch gerade da hapert es aktuell: „Auszahlung ausstehend“ oder „Auszahlung fehlgeschlagen“ steht da in der entsprechenden Spalte der Seller Central – während die Händler auf glühenden Kohlen sitzen. Amazon selbst hält die Kommunikation so knapp und ausweichend wie möglich, auch wenn die Händler inzwischen Sturm laufen. Weder wird erklärt, bis wann man wieder mit Zahlungen rechnen könne, noch, was der konkrete Grund ist. Und noch etwas ist ungewöhnlich: Normalerweise kommuniziert Amazon nahezu ausschließlich über die Seller Central – in diesem Zusammenhang aber kaum.

Amazon Marketplace: Einigen Händlern droht Insolvenz

Einige Händler berichten in Online-Foren, dass diese Situation für sie existenzbedrohend werden kann oder bereits ist. Man liest hier oft die pure Angst heraus bei Händlern, die zu einem nicht geringen Teil ihr Geschäft auf Amazon aufbauen und sich auf die eine, den Markt bestimmende Handelsplattform verlassen.

Eher skurril mutet dabei eine Nachricht an, die (man mag es nicht glauben) echt zu sein scheint. So schickte Amazon offenbar an Händler, die sich beschwerten, folgenden Hinweis, garniert mit den üblichen Entschuldigungsfloskeln: „Als kurzfristige Alternative oder zum Beispiel in Fällen von Dringlichkeit besteht die Möglichkeit, die Auszahlung manuell zu veranlassen, indem Sie eine Überweisung auf Ihr Bankkonto anfordern, indem Sie einen maschinengeschriebenen Brief an die folgende Adresse senden. (…)“ Offenbar werden hier in einzelnen Fällen Zahlungen von Hand angewiesen, nachdem Mitarbeiter die Rechtmäßigkeit geprüft haben.

Als ob das nicht schlimm genug wäre, führt Amazon aktuell vermehrt Kontoüberprüfungen durch und friert laut BVOH sogar Konten von Händlern ein (bei Amazon lagen diesbezüglich in der Vergangenheit offenbar schon die Nerven blank). Das ist normalerweise ein Druckinstrument, wenn ein Händler seinen Verpflichtungen nicht nachkommt. Ob das aufgrund rein technischer Probleme erfolgt oder ob zusätzlich noch größere, organisierte Betrugsfälle bestehen, dazu macht Amazon naturgemäß keine Angaben. Im Übrigen ist das Problem nicht nur ein rein deutsches. Auch aus Großbritannien, Frankreich und Italien werden ähnliche Schwierigkeiten gemeldet, wenn auch wohl nicht in ganz so gravierendem Umfang wie hierzulande.

Den Händlern sind die Hände gebunden: Sie werden von Amazon weiter aufgefordert, zeitnah und mit den üblichen knappen Fristen ihre Ware an die Empfänger zu senden. Tun sie dies nicht, drohen ihnen die üblichen Sanktionen durch Amazon (Stichwort 99-Prozent-Zufriedenheitswert).

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