Analyse

Amazon: Warum der Onlinehändler gerade jetzt 2.800 neue Jobs verspricht

Heute ist bei Amazon zum Prime Day wohl besonders viel zu tun. (Foto: Frank Gaertner / Shutterstock.com)

Amazon braucht für den wachsenden deutschen Markt neue Mitarbeiter. 2.800 neue Kräfte plant das Unternehmen demnächst einzustellen. Doch das Timing dieser Meldung ist schon auffällig.

Amazon will an seinen bundesweit mehr als 35 Standorten bis Ende 2019 mehr als 2.800 neue, unbefristete Arbeitsplätze schaffen. Damit steige die Zahl der Mitarbeiter in den unterschiedlichen Unternehmensbereichen auf deutlich über 20.000. Außerdem plane man noch in diesem Jahr, in Mönchengladbach ein neues Logistikzentrum zu eröffnen – immerhin dann das 13. in Deutschland.

Amazon suche „Menschen, die sich für digitale Innovationen begeistern und Neues erfinden möchten“. Ansprechen möchte das Unternehmen sowohl Berufseinsteiger als auch erfahrene Fachkräfte, etwa Software-Entwickler, Sprachwissenschaftler und IT-Spezialisten. Wie viele der Arbeitsplätze in der Logistik entstehen und wie viele in anderen Bereichen geplant sind, teilte das Unternehmen nicht mit. Vielmehr wirbt man mit „exzellenter Bezahlung, hervorragenden Karrieremöglichkeiten und attraktiven Zusatzleistungen“ – eine Aussage, die insbesondere die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi so wohl nicht stehen lassen will.

Alle Jahre wieder: Streikaufruf von Verdi zum Prime Day von Amazon

Dass Amazon eine solche Meldung gerade zum jetzigen Zeitpunkt lanciert, hat einen faden Beigeschmack: Denn zum einen ist heute und morgen mal wieder Prime Day (Amazon hat im vergangenen Jahr an diesem Tag rund 100 Millionen Artikel verkauft) und zum anderen hat Verdi anlässlich des großen Aktionstages, der Amazon deutlich mehr Geld in die Kassen spülen wird als an den meisten anderen Tagen im Jahr, die Mitarbeiter in den Versandzentren einmal mehr zu Streiks aufgerufen. Laut Aussagen von Verdi haben in der Nacht zum Montag Mitarbeiter ihre Arbeit niedergelegt – Amazon erklärt indes, dass die überwältigende Mehrheit der Mitarbeiter dafür sorge, dass die Pakete ankämen.

Die Dienstleistungsgewerkschaft kämpft seit Jahren für die Anerkennung des Einzelhandelstarifs für die Mitarbeiter der Versandzentren. Amazon wiederum erklärt, man zahle größtenteils sogar übertariflich, orientiere sich dabei aber am Tarifvertrag für die Logistikbranche, der niedrigere Tarife vorsieht. Stellt sich die Frage, was mehr wiegt: Das Tarifrecht in Deutschland, das vorsehen würde, dass ein Handelsunternehmen auch den dort üblichen Tarif zahlt, oder aber die Tätigkeit der Mitarbeiter in den Versandzentren, die eher wenige der im Einzelhandel üblichen Aspekte wie Kundenkontakt und Bezahlvorgänge mit sich bringt.

Davon abgesehen bezahlt Amazon seinen Mitarbeitern in den Logistikzentren in Deutschland nach eigenen Angaben mindestens 10,78 Euro brutto die Stunde. Nach zwei Jahren gebe es im Schnitt ein Monatsgehalt von 2.397 Euro, inklusive weiterer Extras wie betriebliche Altersversorgung und subventionierte Kantinen. Laut Lohnspiegel der gewerkschaftsnahen Hans Böckler Stiftung verdient eine Verkäuferin im Einzelhandel mit Tarifbindung im Schnitt 2.050 Euro.

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