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Analyse

Amazon Prime: Darum ist der Preis fast egal

Amazon Prime ist für das Unternehmen ein hervorragendes Testinstrument, welche Services gut funktionieren. (Foto: Sundry Photography/Shutterstock)

Prime ist mehr als nur eine Lieferflatrate für Amazon. Denn der Dienst könnte in Zukunft das wichtigste Produkt überhaupt sein, eine Art Türöffner für alles, was das Imperium des Jeff Bezos plant.

Die amerikanischen Marktforscher von Diffusion Group haben Amazon-Prime-Kunden befragt, was für sie der Hauptgrund ist, sich für Prime zu entscheiden: Das Ergebnis der Umfrage ist grundsätzlich wenig überraschend, war allerdings in dieser starken Ausprägung auch nicht zu erwarten: Ganze 79 Prozent gaben an, dass für sie die kostenlosen Versandmöglichkeiten der Hauptgrund seien, Kunden in den USA investieren immerhin knapp 120 US-Dollar (in Deutschland aktuell 69 Euro pro Jahr).

Weit abgeschlagen dahinter liegt Amazon Prime Video mit 11 Prozent. Damit steht Amazon Video zwar auf Platz 3 hinter Netflix und Youtube, allerdings quasi nur als Dreingabe. Als Konkurrent zu Netflix und Co. wirkt der Dienst dennoch. Gerade hierzulande werden Kunden sich angesichts des ohnehin vorhandenen umfangreichen TV-Programms mit einer hohen zweistelligen Zahl an Kanälen (und der ohnehin zu entrichtenden Rundfunkgebühren) überlegen, ob sie noch einen weiteren Pay-TV-Dienst brauchen oder auch mit dem Amazon-Video-Angebot zufrieden sind – auch wenn nur jeder Dritte rechnerisch überhaupt auf Prime Video zugreift.

(Bild: The Diffusion Group)

Amazon Prime: Einige der Services sind sehr lückenhaft

Die übrigen Produkte, die im Prime-Abo enthalten sind – von Prime Music bis hin zur Leseflatrate Prime Reading – fallen in der Diffussion-Group-Studie noch weiter ab. In beiden Fällen handelt es sich um doch relativ arg beschnittene und lückenhafte Angebote, die mit vollwertigen Flatrates (im Falle von Kindle Unlimited sogar aus dem eigenen Haus) nicht mithalten können. Die Analysten von JP Morgan haben errechnet, dass der Wert von Amazon Prime für jeden einzelnen Nutzer bei 785 US-Dollar liegt. Diese Zahl bezieht sich auf alles, was das Angebot, allerdings nur in den USA, beinhaltet.

Geht die Rechnung für Amazon trotzdem auf? Unbedingt – schließlich bringt die Prime-Option bei Kunden signifikant höhere Umsätze, weil Kunden eher  bei Amazon bestellen, als in den Laden vor Ort zu gehen (kostet ja keinen Versand), wenn sie schnell mal etwas brauchen. Zum anderen ist Prime ein Schritt mehr auf dem Weg zur Monopolstellung, weil das Unternehmen mit Prime-Kunden noch häufiger und intensiver kommuniziert als mit anderen Kunden.

The winner takes it all – gerade mit Amazon Alexa

Apropos Kommunikation: Der Vorsprung von Amazon dürfte in den nächsten Jahren noch ausbaufähig sein – dann nämlich, wenn es um Bestellungen auf der Basis von Sprachkommunikation geht. Denn egal, welche Technologie und welche Hardware man dafür verwendet: Es wird immer eine Voreinstellung für einen Shop geben, über den eine bestimmte Warengruppe bestellt werden kann – und das ist in vielen Fällen sicher Amazon. Kurzfristig, weil nur Amazon die passende Bestelllogistik im Hinblick auf gesprochene Bestellungen bereitstellen kann. Mittelfristig aber auch, weil Amazon sich noch mehr zum Shop, der alles führt, entwickeln und zusätzlich auch die lokale Ebene abdecken wird. Vor allem, wenn erst einmal der Lebensmittelbereich außerhalb der Ballungszentren verfügbar ist.

In diesem Zusammenhang wird Amazon in den kommenden Jahren den Amazon Marketplace noch erfolgreich ausbauen. Denn der bringt nicht nur heute mehr als die Hälfte des E-Commerce-Umsatzes des Unternehmens, sondern schafft für Amazon auch eine Portfoliobreite, die das Unternehmen selbst gar nicht stemmen könnte. Ein gutes Beispiel dafür, wie gut es Amazon schafft, den Kunden quasi auf Schritt und Tritt anzusprechen, ist der Lebensmittelhandel. Hier ist Amazon bereits heute für ein Viertel des Umsatzes in Deutschland verantwortlich – und dabei ist der Online-Riese hier gerade einmal gut ein Jahr am Markt.

Amazon Prime als Spielwiese zur Erprobung neuer Dienste

Nicht zuletzt ist Prime für Amazon eine hervorragende Möglichkeit, Services zu erproben und deren Akzeptanz in einzelnen Märkten zu testen („Spielwiese“ möchte man es angesichts der Ernsthaftigkeit, mit der Amazon alles in Zahlen fasst, nicht nennen). Denn gerade das Videobeispiel zeigt, dass der deutsche Markt ganz anders ticken kann, als der anderer Industrieländer.

All das erklärt, warum Amazon am Prime Day bis an die Grenzen der Belastbarkeit der Netze ging – und auch darüber hinaus. Naturgemäß macht das Unternehmen ein Geheimnis daraus, wie viele der Kunden, die sich für die kostenlose Testmitgliedschaft entscheiden, nach einem Monat wieder kündigen. Aber auch wenn der Anteil im mittleren zweistelligen Prozentbereich liegt, wie Experten vermuten, geht die Rechnung mit den nur für Prime-Kunden verfügbaren Schnäppchen dennoch auf. Denn Verluste dürfte das Unternehmen auch am Prime Day mit keinem der Angebote gemacht haben (so spektakulär waren sie nicht). De facto könnte Amazon aber auch, ähnlich wie dies andere Aboanbieter on- wie offline tun, die Mitgliedschaft zumindest im ersten Jahr kräftig subventionieren. Denn Prime ist der Türöffner für eine Reihe weiterer Verkaufsmöglichkeiten und Produkte, zu denen das Bezos-Imperium so den Zugang findet.

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2 Reaktionen
Marc Gutt

Aktuell profitiere ich vom kostenlosen Versand, aber auch von Blitzangeboten (wenn der Preis stimmt), die man ohne Prime gar nicht in Anspruch nehmen könnte, da sie dann schon längst ausverkauft wären. Auch am Prime Day gibt es, wenn auch selten, gute Angebote. Music nutze ich gar nicht, dafür aber Prime Photo als Disaster Backup für unsere Fotos. Über die App können dann meine Frau und ich auch direkt sehen was wir fotografiert haben. Hier plane ich aber auf ein NAS bei meiner Mutter zu wechseln. Prime Video nutzen wir auch, aber das meiste schauen wir uns mangels Auswahl doch eher bei Netflix an.

Richtig dreist finde ich aber "Exklusiv für Prime Mitglieder" bei manchen Artikeln. Die kann man also ohne Prime gar nicht erst kaufen.

Antworten
Michael

Also ich nutze Prime schon fast 5 Jahre überwiegend eben wegen dem kostenlosen Versand und der Zustellung am nächsten Tag, wenn möglich.

Ich zahle aber eben auch für Dienste, die ich nicht nutze mit, was mir eigentlich gegen den Strich geht. Da ich aber fast nur bei Amazon bestelle, rechnen sich selbst die 69€ noch.

Wenn es demnächst noch teurer werden sollte, überlege ich wirklich den Dienst zu kündigen. Amazon soll sich doch bitte besinnen und Prime Delivery, also den Expressversand Ausgliederung und für 30€ im Jahr anbieten. Generell sollte man sich die Services zusammen suchen, die man haben möchte. Nach den oben genannten Zahlen zu beurteilen würden sie sich durch solch einen Schritt sicherlich weitere Kunden generieren.

Das diese Entscheidung aufgrund der mehr schlecht als recht laufenden Dienste nicht schon längst getroffen wurde, verstehe ich nicht.

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