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Amazon: Rückzug vom chinesischen Markt geplant

Der Handel in China war für Amazon nicht so erfolgreich wie erwartet (Bild: Shutterstock)

Beißt Amazon sich an China die Zähne aus? Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, plant der Konzern, zum 18. Juli seinen Onlineshop in China zu schließen.

Ein gänzlicher Abschied ist das für Amazon allerdings nicht. Man wolle weiterhin das Cloud-Geschäft im AWS-Bereich sowie das Überseegeschäft erhalten. Amazon hat den Händlern daher empfohlen, sich für das Amazon-Global-Selling-Programm anzumelden. Chinesische Kunden werden zwar nicht mehr über die chinesische Plattform, wohl aber über die US-amerikanische und die anderen Plattformen bestellen können.

Die Gründe für diesen Schritt sind sicher vielfältig. Dabei spielt sicher die aktuell schwierige wirtschaftliche Situation in China eine Rolle, die auch bei JD.com und Alibaba das bislang beachtliche Wachstum etwas einbremst. Doch das alles ist Jammern auf hohem Niveau, weil mindestens ein weiterer wichtiger Grund hinzukommt: E-Commerce ist ein Geschäft, das noch mehr als viele andere Felder eben doch nicht immer so einfach skalierbar ist, wenn es um neue Märkte geht. Alibaba und Tencent haben den dortigen Markt besetzt und haben es quasi lehrbuchartig geschafft, sämtliche Teilbereiche in der Wertschöpfungskette abzudecken – neben den Shops und Verkaufsportalen selbst reicht das von Payment über Logistik bis hin zu Aktionsware und Couponing. Insgesamt halten die beiden Großen in China mehr als 80 Prozent des dortigen Marktes.

Chinesische Mentalität macht es westlichen Playern schwer

Und der chinesische Markt ist für westliche Anbieter dann doch aufgrund der unterschiedlichen Mentalität schwerer zu bespielen als etwa Märkte in Südamerika oder anderen asiatischen Ländern. Das hat auch Ebay vor rund zehn Jahren erfahren müssen. Damals zog sich die Auktionsplattform nach einigen Jahren aus China zurück, um dann gezielt vor zwei Jahren erneut dort (stark eingeschränkt und geschützt durch eine Freihandelszone) Handel zu betreiben.

Amazon hatte 2004 einen chinesischen E-Commerce-Händler für bescheidene 75 Millionen US-Dollar aufgekauft und in den letzten Jahren das Geschäft auszubauen versucht. Laut Marktstudien liegt der Marktanteil, den Amazon dort für sich verbuchen kann, allerdings unterhalb der Ein-Prozent-Marke. Offenbar zu wenig, um weiterzumachen wie bisher.

t3n meint: Es kommt nich alle Tage vor, dass Amazon sich aus einem derart großen Geschäftsfeld zurück zieht. Doch in China haben westliche E-Commerce-Anbieter es immer schwer gehabt, wenn sie groß genug sind, um von Alibaba und JD.com als Konkurrenz angesehen zu werden. Für Händler, die spezielle Dienstleistungen oder Waren aus Deutschland anbieten wollen, bietet China aber immer noch zahlreiche Chancen. Tobias Weidemann

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